- 25 Länder treten heute im ESC-Finale an und hoffen auf den Sieg
- Wirkliche Chancen haben aber nicht alle Teilnehmer
- Wenn die Buchmacher als Favoriten sehen
Es ist ein Geburtstag, der groß gefeiert wird: Zum 70. Mal findet im Mai der Eurovision Song Contest statt. Aus dem einstigen Schlager-Grand-Prix ist über die Jahrzehnte ein Großevent geworden, das Jahr für Jahr bis zu 180 Millionen Menschen auf der ganzen Welt verfolgen. 2026 findet das Finale am 16. Mai statt, übertragen wird es ab 21 Uhr im Ersten.

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Schauplatz des Spektakels ist in diesem Jahr Wien, hat doch 2025 der Countertenor JJ mit „Wasted Love“ den Wettbewerb für Österreich gewonnen. Und so ziehen sie, wenn sie denn nicht schon da sind, in den kommenden Tagen in die Stadt Mozarts und Haydns: die laut kreischenden Balladen-Sängerinnen, die durchtrainierten Tänzer – und natürlich auch die Favoriten auf den ESC-Sieg.
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Zu ihnen gehören 2026 laut den auf „Eurovisionworld“ veröffentlichten Wettquoten:
- Finnland: Linda Lampenius x Pete Parkkonen – „Liekinheitin“ (Gewinnwahrscheinlichkeit 43 Prozent)
- Australien: Delta Goodrem – „Eclipse“ (16 Prozent)
- Griechenland: Akylas – „Ferto“ (8 Prozent)
- Israel: Noam Bettan – „Michelle“ (6 Prozent)
- Rumänien: Alexandra Căpitănescu – „Choke Me“ (6 Prozent)
- Dänemark: Søren Torpegaard Lund – „Før Vi Går Hjem“ (4 Prozent)
(Stand 15. Mai, 19 Uhr)
Wichtig ist aber: Oft lagen die Buchmacher in den vergangenen Jahren auch falsch. JJ, den ESC-Sieger von 2025, sahen sie noch während der Finalshow nur auf Platz 2. Als Sieger stuften sie dagegen KAJ aus Schweden ein, die am Ende „nur“ auf dem vierten Platz landeten.
Favoriten auf den ESC-Sieg: In Finnland darf man hoffen
Dennoch dürfen sich Linda Lampenius und Pete Parkkonnen aus Finnland berechtigte Hoffnungen auf den Sieg machen. Außergewöhnlich ist vor allem, dass eine Frau wie Lampenius überhaupt am ESC teilnimmt. Denn sie blickt bereits auf eine Weltkarriere – und große Stars hatten es beim ESC über die Jahre meist schwer. Die Violinistin ist vornehmlich in der Welt der Klassik zu Hause, scheint aber ein Faible für kuriose Ausflüge zu haben. So spielte sie einst eine Gastrolle in der US-Serie „Baywatch“. 2026 zog es Lampenius dann schließlich zum ESC.
Dort tritt sie mit dem Sänger Pete Parkkonen und dem Lied „Liekinheitin“ an, was auf Deutsch so viel wie „Flammenwerfer“ bedeutet. Während ihres Auftritts geigt sich Parkkonen in immer extatischere Höhen; es geht um die Hitze einer feurigen Beziehung, die gleichzeitig toxisch kalt ist. Dabei wird – es ist schließlich der ESC – mit der Pyrotechnik nicht gespart. Für das Gesamtpaket Eurovision ist in jedem Fall gesorgt. Doch mehren sich unter den Experten inzwischen die Stimmen, die von einem Hype sprechen, denen das Ganze schlicht zu viel ist. Sei es drum: In den Wettquoten liegen die Finnen 2026 unangefochten auf Platz 1.
Holt Delta Goodrem den ersten ESC-Sieg für Australien?
Es gibt sie, diese ESC-Momente, in denen man plötzlich das Gefühl hat: Das könnte es sein. Das hier ist gerade besonders. Für einen solchen Moment sorgte 2014 Conchita Wurst, als sie im Halbfinale auf der Bühne stand und ganz Europa zeigte, dass man sie bisher unterschätzt hatte. Unterschätzt wurde Delta Goodrem aus Australien bisher zwar nicht – einen Sieg traute man ihr aber kaum zu. Bis zum Halbfinale, in dem sie den europäischen Kollegen mit viel Erfahrung, einer großartigen Ausstrahlung und einer tollen Stimme zeigte, wie ein ESC-Auftritt aussehen soll.
In ihrer Heimat ist die 41-Jährige schon jetzt ein großer Star. Ihre Karriere begann sie in der Serie „Neighbours“, so etwas wie der australischen Lindenstraße, die auch Kylie Minogue und Margot Robbie berühmt machte. Es folgte der Wechsel zur Musik mit inzwischen neun Nummer-eins-Hits. Nebenbei brachte sie mit „Delta“ noch ein Parfüm auf den Markt – saftige Mandarine, samtige Nektarine und spritziger grüner Apfel –, das sich mehr als eine Million Mal verkaufte.
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Folgt nun der ESC-Sieg als nächster Schritt? Möglich scheint alles. Der Auftritt von Delta Goodrem sticht hervor, bleibt im Kopf und könnte sowohl bei den Jurys als auch bei den Zuschauern punkten. Aber keine Sorge: Auch im Fall eines Sieges, würde der nächste ESC nicht Down Under stattfinden. Vielmehr würden die Australier den Eurovision Song Contest mit einem anderen Mitgliedsland in Europa austragen.
Holt Akylas aus Griechenland den ESC-Sieg?
Gedanken über einen möglichen Sieg darf oder muss man sich auch in Griechenland machen. Der Song, den die Griechen ins Rennen schicken, ist laut, ein bisschen schräg, unkonventionell – und damit typisch ESC. In „Ferto“ singt der 27-jährige Akylas – Markenzeichen: Mütze – über Überkonsum, Gier und den ständigen Drang nach immer mehr. Das Lied ist mehr als nur ein spaßiger Beitrag zum Schmunzeln, auch wenn es im ersten Augenblick so daherkommt. Doch hinter all dem steckt eine ernste Botschaft.
Die unterstreicht Akylas, indem er das „immer mehr“, das er im Song kritisiert, auf die Bühne bringt: Sein Beitrag besteht aus einem Mix von elektronischen Beats, die an Nintendo-Videospiele der 90er-Jahre erinnern, griechischer Folklore und Rap – und lässt kaum einen Moment, um Luft zu holen. Dazu liefert der gelernte Koch einen Auftritt, der wirkt, als hätte er gerade in eine Steckdose gegriffen. Das alles ist viel, vielleicht zu viel, könnte aber gerade bei der Generation Tiktok Anklang finden, die bei aufkeimender Langeweile nicht zögert, weiterzuswipen – oder eben umzuschalten.
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Durchbricht Søren Torpegaard Lund Dänemarks ESC-Fluch?
Umschalten sollten Sie am Samstag auf keinen Fall, wenn Søren Torpegaard Lund auf der Bühne steht. Er kommt – wie könnte es bei diesem Namen anders sein – aus Skandinavien, genauer gesagt aus Dänemark, und steht vor einer großen Aufgabe: Denn es gilt, den dänischen ESC-Fluch zu durchbrechen. Im vergangenen Jahr reichte es für die Dänen nur für den 23. Platz. Die vier Jahre zuvor schaffte das Land gar nicht erst den Sprung ins Finale.
Und so setzen unsere nördlichen Nachbarn in diesem Jahr auf ein wahres Ausnahmetalent: Mit nur 17 Jahren begann Torpegaard Lund seine Ausbildung an der renommierten Dänischen Schule für Darstellende Künste – als bis heute jüngster Schüler. Danach spielte er in verschiedenen Musicals, unter anderem „Tanz der Vampire“, und bringt nun auch eine musicalhaft angehauchte, aber dennoch moderne Nummer auf die ESC-Bühne: „Før vi går hjem“.
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Ins Finale einzuziehen, dürfte für den 27-Jährigen nicht wirklich eine Herausforderung sein. Gut möglich sogar, dass er am Ende mit um den Sieg kämpft. Bringt ihm eventuell die große Glas-Box, in der er und seine Tänzer auf der ESC-Bühne performen und die ein bisschen an ein Aquarium erinnert, Glück? Es wäre den beim ESC so leidgeprüften Dänen zu gönnen.
So stehen die ESC-Chancen für Deutschland
Apropos leidgeprüft: Wie sieht es eigentlich mit Deutschland aus? Für die Bundesrepublik geht in diesem Jahr die aus zahlreichen TV-Shows bekannte Sängerin Sarah Engels ins Rennen. Sie startete ihre Karriere 2011 bei „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL), wo sie den zweiten Platz belegte. Danach heiratete sie DSDS-Sieger Pietro Lombardi, tourte durch allerlei Fernsehformate, ließ sich medienwirksam scheiden und hat nun ihren Weg zum Eurovision Song Contest gefunden.
In Wien ist ihr ein Platz im Finale sicher – als größter Geldgeber erspart Deutschland es sich, überhaupt erst im Semifinale anzutreten. Ihren Song „Fire“ wird Engels im Halbfinale dennoch präsentieren und den Zuschauerinnen und Zuschauern auf der Bühne ordentlich einheizen – Feuerfontänen garantiert! Für einen Platz weit vorn wird es wohl dennoch nicht reichen. Schuld daran ist nicht Engels, die eine großartige Stimme und tolle Ausstrahlung hat. Aber der Song, den man ihr mitgegeben hat, ist so voller ESC-Klischees, dass man das Gefühl hat, ihn schon zig Mal gehört zu haben.
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Da hilft auch der Dancebreak nicht, in dem Engels sich gekonnt lasziv auf dem Boden räkelt. Vor allem im Vergleich mit den Favoriten fällt auf: Sie alle setzen auf eigenständige, außergewöhnliche Kompositionen, auf Texte in Landessprache und auf Künstlerinnen und Künstler mit Charakter. Deutschland dagegen kann in diesem Jahr leider nur Letzteres bieten. Und so scheint ein Platz weit hinten schon vor dem Wettbewerb ein weiteres Mal sicher.











































