Spaniens Polizei steht vor dem größten Kokainfund ihrer Geschichte – womöglich sogar vor einem der größten Schläge gegen den internationalen Kokainschmuggel überhaupt. Auf einem Frachter, der vor der Küste der Westsahara auf hoher See gestoppt und anschließend nach Las Palmas de Gran Canaria eskortiert wurde, entdeckten die Ermittler eine gigantische Drogenladung. Nach ersten Schätzungen könnte sie zwischen 30 und 45 Tonnen Kokain umfassen. Der mögliche Marktwert wird auf annähernd eine Milliarde Euro geschätzt.

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Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska bestätigte, dass es sich um einen der „wichtigsten“ Kokainfunde handele, „nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch international“. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt gegeben. Das Ermittlungsverfahren wurde vom zuständigen Nationalen Gerichtshof in Madrid für geheim erklärt, um die Suche nach den Hintermännern nicht zu erschweren.
Frachter „Arconian“: Spanische Behörden verhindern Kokain-Umladung
Einige Einzelheiten des Falles sickerten jedoch bereits durch. Der unter der Flagge der Komoren fahrende Frachter „Arconian“ war am 22. April im Hafen von Freetown im afrikanischen Sierra Leone ausgelaufen. Als offizielles Ziel war der Mittelmeerhafen Bengasi in Libyen angegeben. Die spanischen Fahnder griffen südlich der Kanaren zu, bevor die mutmaßliche Kokainladung in kleinere Boote umgeladen werden konnte.

Nach Erkenntnissen der spanischen Polizei werden solche schwimmenden „Mutterschiffe“ genutzt, um große Mengen Rauschgift über den Atlantik Richtung Europa zu bringen. In Küstennähe übernehmen dann kleinere Schnellboote die Ware und bringen sie an Land.
An Bord der „Arconian“ fanden die Einsatzkräfte nicht nur Kokain, sondern auch mehrere Waffen, darunter Sturmgewehre und halb automatische Pistolen. Insgesamt wurden 23 Besatzungsmitglieder festgenommen, darunter vor allem Filipinos, Angolaner und Niederländer. Mit den Waffen sollte offenbar verhindert werden, dass rivalisierende Banden die Ladung auf hoher See rauben.
Kokainfund auf Frachter: Ermittler entdecken 1500 Pakete hinter Metallwand
Die Drogen waren gut versteckt: Hinter einer verschweißten Metallwand im Inneren des Frachters entdeckten die Ermittler einen engen Gang, der mit unzähligen Kokainpaketen gefüllt war. Vorläufigen Angaben zufolge könnte es sich um bis zu 1500 Bündel handeln, die jeweils 25 bis 30 Kilogramm wiegen. Polizeikreise sprachen von einem „historischen Schlag gegen den Drogenhandel“. An der Operation auf hoher See waren Polizei- und Marineeinheiten beteiligt.
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Der Fall fügt sich in eine Serie immer größerer Kokainfunde ein, die Spaniens Drogenfahnder in letzter Zeit gemacht haben. Erst im Januar war westlich der Kanarischen Insel El Hierro der Frachter „United S“ gestoppt worden. Unter einer Salzladung fanden die Ermittler damals knapp zehn Tonnen Kokain – bis dahin der größte Kokainfund auf hoher See in der Geschichte der spanischen Polizei und einer der größten in Europa.

Bereits im Oktober 2024 hatten Sicherheitskräfte im Hafen von Algeciras 13 Tonnen Kokain in einem Container mit Bananen aus Ecuador entdeckt. Das galt bis jetzt als größter Kokainfund in einem einzelnen Einsatz auf spanischem Boden.
Kokainfund auf „Arconian“: Rekordmenge sprengt alle Dimensionen
Sollten sich die Schätzungen im neuesten Fall bestätigen, würde der Fund auf dem Frachter „Arconian“ alle bisherigen Dimensionen sprengen. Mit 30 bis 45 Tonnen läge die Menge nicht nur deutlich über den bisherigen spanischen Rekorden, sondern auch über vielen der größten jemals in Europa bekannt gewordenen Beschlagnahmen. Spanien gilt als eines der wichtigsten Einfallstore für Kokain nach Europa. Die geografische Lage des südeuropäischen Landes macht es für Schmuggler besonders attraktiv.
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Die zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln liegen tief im Atlantik vor der westafrikanischen Küste. Die Meerenge von Gibraltar verbindet Atlantik und Mittelmeer. Und Spaniens große Häfen wie Algeciras an der Straße von Gibraltar, Valencia und Barcelona am Mittelmeer oder Las Palmas auf den Kanaren sind zentrale Anlaufpunkte der internationalen Handelsschifffahrt, was auch die kriminellen Netzwerke für ihre Logistik nutzen.
Drogenkartelle bündeln Kokainlieferungen für Europa auf See
Die Ermittler gehen davon aus, dass die großen Kartelle ihre Transporte zunehmend bündeln. Statt kleinere Mengen zu verschiffen, setzen sie immer häufiger auf gigantische Lieferungen, die auf hoher See weiterverteilt werden. Für die Fahnder bedeutet das: Sie müssen früher zuschlagen – bevor sich die Ware auf Dutzende kleinere Boote verteilt und kaum noch nachzuverfolgen ist.
Im Fall der „Arconian“ ist dieser frühzeitige Zugriff gelungen. Noch ist unklar, welche Organisation hinter der Ladung steckt. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass die Fracht für den europäischen Markt bestimmt war. Für Spaniens Drogenfahnder ist es zugleich ein weiterer Hinweis darauf, dass die Kokainflut Richtung Europa immer größere Ausmaße annimmt.









