Viele Schiffe müssen die Straße von Hormus umfahren. Die Meerenge vor der Küste Irans ist noch immer blockiert. Von den Folgen sind aber nicht nur Seefahrer betroffen – oder Autofahrer in Deutschland, wegen teurer Spritpreise. Die Auswirkungen reichen tausende Kilometer weiter. In den Gewässern vor Südafrika leiden etwa Wale unter einer erhöhten Gefahr von tödlichen Kollisionen mit Schiffen.

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Auf die Gefahr für die Meeressäuger machte ein wissenschaftlicher Bericht aufmerksam, der bei den Beratungen der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) diesen Monat vorgestellt wurde. Die Leiterin der Walforschungsabteilung der Universität Pretoria, Els Vermeulen, wies darin auf eine „erhebliche räumliche Überlappung“ der Schifffahrtsrouten und der Wal-Wandergebiete hin.
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Schon vor ein paar Jahren wurde ein Teil des Schiffsverkehrs, der eigentlich durch das Rote Meer und den Golf von Aden geht, umgeleitet. Auslöser war ein Überfall der jemenitischen Huthi-Rebellen auf den britischen Frachter „Galaxy Leader“. Weitere Attacken solcher Art sowie der Ende Februar von den USA und Israel begonnene Krieg gegen den Iran mitsamt Irans Blockade der Straße von Hormus haben die Lage weiter verschärft. Viele Reedereien schicken ihre Schiffe nun lieber rund um das Kap der Guten Hoffnung an Afrikas Südspitze als durch den Nahen Osten.
Laut Portwatch, einem Beobachtungsdienst des Internationalen Währungsfonds, fuhren dieses Jahr vom 1. März bis zum 24. April 89 Handelsschiffe rund um Südafrika. Voriges Jahr waren es im selben Zeitraum nur 44. Die mit dem zunehmenden Schiffsverkehr verbundenen Gefahren für Wale lassen sich mitunter in Social-Media-Posts ablesen.
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„Es gab da Videos von Leuten auf Frachtschiffen, die durch dichte Wal-Gruppen fuhren“, sagt Wal-Forscherin Vermeulen. „In dem Social-Media-Post ging es offenbar nur darum, zu sagen: ‚Wow, guckt mal, wie viele nette Wale wir sehen.‘“ Vermeulen ist über solch ein gedankenloses Verhalten schockiert. Ihr sei „das Herz stehen geblieben“, weil der Frachter gegen mehrere Wale gefahren sei.
Schneller Schiffsverkehr, der für die mit der Futtersuche beschäftigten Wale besonders gefährlich sei, hat sich laut Vermeulen in letzter Zeit vervierfacht. „Die Tiere hatten keine Zeit, sich an die Schiffe zu gewöhnen“, hebt der Leiter der Walschutzinitiative der Umweltorganisation WWF, Chris Johnson, hervor.
Kollisionen mit Schiffen werden selten gemeldet, sind aber ein „bedeutender Faktor bei der Sterblichkeit von Walen“, hieß es bereits 2024 in einem Forschungspapier, das im Fachblatt „Science“ veröffentlicht wurde. Es gibt allerdings kaum Maßnahmen zum Schutz der Meeressäuger vor den riesigen Schiffen. Der Bericht, der der Internationalen Walfang-Kommission vorgelegt wurde, macht dazu konkrete Vorschläge. Eine Verlegung der Schifffahrtsrouten etwas weiter von der Küste entfernt könne das Kollisionsrisiko für die Wale um 20 bis 50 Prozent senken.
Schifffahrt: Neue Routen und KI-Kameras sollen Wale schützen
Für die Schiffe würde das eine Verlängerung ihrer Fahrt um gerade einmal 20 Seemeilen bedeuten – kaum nennenswert bei Fahrstrecken von oft mehr als 10.000 Seemeilen. Die weltgrößte Reederei MSC hat immerhin schon Schiffsrouten vor Sri Lanka und Griechenland angepasst, um Wale zu schützen. Eine weitere mögliche Schutzmaßnahme wären eine App oder Funknachrichten, die Schiffe vor größeren Wal-Gruppen warnen, sagt Estelle van der Merwe, die das Umweltschutz-Netzwerk Ocean Action Network leitet. Außerdem wird daran geforscht, wie auf den Frachtern mit KI ausgestattete Kameras zum Schutz der Wale eingesetzt werden könnten.
„Alle verfügbaren Lösungen und Eindämmungsmaßnahmen werden untersucht“, versicherte Südafrikas Umweltministerium der Nachrichtenagentur AFP. Sobald die wissenschaftlichen Untersuchungen dazu abgeschlossen seien, werde das Ministerium zusammen mit den Schifffahrtsbehörden „an vorderster Front“ den Schutz der Wale voranbringen.
AFP/ppe






