Deutschland nimmt einen Ebola-Patienten auf – und reflexartig folgt in vielen Kommentarspalten der Ruf: „Muss das sein? Gefährden wir uns da nicht selbst?“ Und das sind die charmanten Formulierungen. Eine gewisse Sorge mag verständlich sein, ist aber unbegründet. Denn die Aufnahme eines schwer kranken US-Arztes auf die Sonderisolierstation der Charité ist keine unkalkulierbare Gefahr. Sie zeigt, dass unser Gesundheitssystem funktioniert.
Auch interessant
Wer auf die Spezialstationen blickt, sieht das Ergebnis jahrzehntelanger Vorbereitung. Seit Ende der 1990er-Jahre werden in Deutschland Strukturen für hochinfektiöse Erkrankungen aufgebaut, trainiert und immer wieder nachgeschärft. Was in regelmäßigen Trainings an der Charité und anderswo geübt wird, wird jetzt angewandt.

Ebola-Behandlung zeigt: Deutschland kann Hochrisikomedizin
Wenn ausgerechnet diese Professionalität mit Misstrauen beantwortet wird, ist das bitter. Bereits 2014, als schon einmal Ebola-Patienten in Deutschland behandelt wurden, wurden Pflegekräfte von Feiern ausgeladen und ihre Kinder teils aus dem Kindergarten verbannt. Ein Unding. Aus diesem Fehlverhalten haben aber offenbar längst nicht alle gelernt. Schon damals hat sich in Deutschland niemand angesteckt – weder im Krankenhaus noch außerhalb. Und dennoch blühen heute, wohl auch als Folge der Corona-Pandemie, Verschwörungsfantasien noch stärker.
Auch interessant
Dabei helfen die behandelnden Teams nicht nur einem Menschen in Not, sie lernen – mit jedem Fall. Die Aufnahme eines Ebola-Patienten in Deutschland ist deshalb kein Sicherheitsrisiko, sondern ein Signal: Wir können Hochrisikomedizin, wir stellen uns unserer globalen Verantwortung – und wir tun beides, ohne die eigene Bevölkerung in Gefahr zu bringen.





