Am Freitagmorgen wandte sich die Thames Valley Police mit einem Appell an die Öffentlichkeit. Wer Informationen zu einer laufenden Ermittlung in einem Fall der Amtsverletzung habe, solle sich umgehend melden, sagte die Polizeibehörde, die für die Grafschaften Berkshire, Oxfordshire und Buckinghamshire in Südengland zuständig ist.

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Beim Tatverdächtigen handelt es sich um einen „Mann in seinen 60er-Jahren aus Norfolk, der am 19. Februar 2026 festgenommen wurde“. Die britische Polizei nennt Personen erst dann beim Namen, wenn sie angeklagt worden sind – aber es ist kein Geheimnis, um wen es sich in diesem Fall dreht: Andrew Mountbatten-Windsor, der vor nicht allzu langer Zeit noch als „Prinz Andrew“ bekannt war.
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Polizeiermittlungen: Ausmaß größer, als vorher angenommen
Der Appell der Polizei erfolgt drei Monate, nachdem sie Andrew festgenommen und elf Stunden lang auf der Polizeistation verhört hatte – es war eine beispiellose Eskalation der Affäre rund um den jüngeren Bruder von König Charles. Seither habe die Polizei mit dem US-Justizdepartment zusammengearbeitet, „um mehr Informationen zu erhalten, die mit dieser Ermittlung im Zusammenhang stehen“, wie es in der Stellungnahme am Freitag heißt.
Die Festnahme im Februar war eine Reaktion auf Entwicklungen in den USA: Das Justizdepartement in Washington hatte kurz zuvor einen weiteren Stoß an Akten aus den Epstein-Files veröffentlicht. Andrew war ein enger Freund des US-Finanziers und verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Aus den Akten geht hervor, dass Andrew als Handelsgesandter der britischen Regierung offenbar regierungsinterne Informationen an Epstein weitergegeben hatte.
Jetzt sorgt sich die britische Polizei, dass die Öffentlichkeit sich nicht des ganzen Ausmaßes der Ermittlung bewusst ist – denn es geht um weit mehr als um die Weitergabe von geheimen Informationen. „Die Leute denken fälschlicherweise, dass es nur um finanzbasierte Straftaten geht, aber das stimmt nicht“, sagte ein Insider gegenüber britischen Medien. Der stellvertretende Chef der Thames Valley Police, Oliver Wright, sagte: „Amtsverletzung ist eine Straftat, die verschiedene Formen annehmen kann, was diese Ermittlung komplex macht.“ Beispielsweise fallen sexuelles Fehlverhalten, Betrug oder Justizbehinderung ebenfalls in diese Kategorie.
Amtsverletzung und mehr? Laufende Ermittlung könnte sich ausweiten
Bereits sei eine große Menge an Informationen von der Öffentlichkeit „und aus anderen Quellen“ eingegangen, die seine Ermittler derzeit durcharbeiten, sagte Wright – und wer noch mehr wisse, solle sich melden. Laut Presseberichten wartet die britische Polizei darauf, bis ihr das US-Justizministerium ungeschwärzte Kopien der relevanten Dokumente aus den Epstein-Files zukommen lässt.
Die Polizei bestätigte auch, dass eine separate Untersuchung laufe: Es geht um Vorwürfe, dass im Jahr 2010 eine Frau „für sexuelle Zwecke an eine Adresse in Windsor gebracht wurde“. Die Ermittler seien in Kontakt mit den rechtlichen Repräsentanten der Frau und bestätigten, dass das mutmaßliche Opfer bei der Polizei melden solle, falls sie in diesem Fall Anzeige erstatten wolle. Die laufende Ermittlung könnte sich also von Amtsverletzung auf Sexualstraftaten ausweiten.

Für den ehemaligen Prinzen geht es stetig bergab
Die Ermittlungen dürften noch viele Monate andauern. Sollten genügend Beweise zusammengetragen werden, um eine Anklage zu ermöglichen, dürfte ein Prozess laut Experten frühestens nächstes Jahr beginnen. Andrew Mountbatten-Windsor hat jede Schuld stets von sich gewiesen. Unter anderem sagt er, dass er seine Rolle als Handelsgesandter von 2001 bis 2011 nicht zur persönlichen Bereicherung genutzt habe.
Der Fall Andrew stellt die größte Krise für die britische Monarchie seit Jahrzehnten dar. In einem Versuch der Schadensbegrenzung hat das Königshaus den Ex-Prinzen in den vergangenen Jahren zunehmend aus dem Kreis der Royals verbannt. Zunächst durfte er keine öffentlichen Termine als Royal wahrnehmen, dann wurden ihm alle königlichen Titel aberkannt.
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Im vergangenen Oktober verlor er auch noch den Titel „Prinz“. Er musste aus der gediegenen Royal Lodge in Windsor ausziehen. Zunächst wohnte er vorübergehend in der Wood Farm auf dem Königsgrundstück Sandringham in der Grafschaft Norfolk. Hier hielt er sich auf, als er am 19. Februar von der Polizei festgenommen wurde. Seither hat er seinen Abstieg weiter fortgesetzt: Er wohnt heute in der „Marsh Farm“ in Sandringham, einer eher bescheidenen Bleibe, die von den britischen Medien als „baufälliges Sumpfhaus“ bezeichnet worden ist.








