Vor der Insel Anholt, auf einer vorgelagerten Sandbank, liegt noch immer der tote Ostsee-Wal „Timmy“, dessen Kadaver sich immer weiter aufbläht. Die Gefahr einer Wal-Explosion steigt damit. Das dänische Umweltministerium hat entschieden, erst nach Pfingsten einen neuen Versuch beim Abtransport starten zu wollen. Für die Berliner Meeresbiologin Dr. Lisa-Marie Braun ist das eine Fehlentscheidung. Gegenüber dieser Redaktion sagte sie: „Bis nach Pfingsten zu warten, halte ich für keine gute Idee. Jeder weitere warme Tag erhöht das Risiko.“

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Nach Ansicht der Expertin sollte das Bergungsteam „zumindest kontrolliert Gas ablassen“. Das sei eine gängige und bewährte Methode in solchen Fällen. „Das Tier verdient zudem eine würdige und schnelle Bergung“, so Braun.

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Am 14. Mai wurde der Meeressäuger, der nach seiner Strandung in der Ostsee wochenlang die Schlagzeilen beherrschte, tot vor der Insel Anholt aufgefunden. Ein Abtransport scheiterte am Donnerstag gleich mehrmals. Auf dem Livestream ist zu sehen, wie der Leichnam immer weiter aufbläht. „Eine genaue Vorhersage, wann der Kadaver explodieren könnte, ist seriös kaum möglich – aber die Situation ist dringlicher, als viele denken“, sagte Meeresbiologin Braun.

Lisa-Marie Braun
Dr. Lisa-Marie Braun.© OceanBerlin | OceanBerlin

Bei so einem großen Tier könne sich der Innendruck innerhalb weniger Tage kritisch aufbauen, besonders wenn, wie für das Pfingst-Wochenende angekündigt, die Temperaturen steigen. „Wir nähern uns dem Frühsommer – das ist für solche Prozesse ein echter Beschleuniger“, sagt Braun. „Die entscheidenden Faktoren sind Wärme, die Größe des Tieres und der Zustand der Haut. Solange sie intakt ist, wirkt sie wie ein Druckbehälter.“

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Genau das macht allerdings den Abtransport so heikel: Risse oder Verletzungen der Haut – etwa durch Bergungsseile oder Erschütterungen beim Transport – können das angesammelte Gas schlagartig freisetzen. „Eine unkontrollierte Explosion kann Gewebeteile und Fäulnisgase auf einen Radius von mehreren Dutzend Metern schleudern – ein erhebliches Risiko für Menschen in der Nähe“, sagt Braun.

Die promovierte Meeresbiologin leitet das Bildungsprogramm bei OceanBerlin, dem im Frühjahr 2027 eröffnenden Meerespark in der Rummelsburger Bucht in Berlin.