Für Sabrina T. sind es dramatische Sekunden hoch über dem österreichischen Pinzgau: Am Samstag (23.05.) wird die erfahrene Paragliderin von einem Kleinflugzeug erfasst. Eine Cessna 172 kommt von hinten, ihr Propeller zerfetzt die Kappe des Gleitschirms. Was dann folgt, wirkt wie eine Szene aus einem Katastrophenfilm: Der Hauptschirm ist zerstört, die 44-Jährige verliert an Höhe, der Boden kommt immer näher.

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Die Oberösterreicherin reagiert geistesgegenwärtig. Weil ihr Gleitschirm nicht mehr trägt, löst sie den Rettungsschirm aus. Dennoch sinkt die Paragliderin weiter, streift einen Baum und schlägt schließlich am Boden auf. Dass sie danach noch sprechen kann, wirkt beinahe unwirklich. In der Aufnahme ihres Absturzes ist erst ein hörbarer Seufzer zu vernehmen, dann sagt sie: „Ich lebe noch, das ist aber die Hauptsache.“

Paragliderin überlebt Cessna-Crash: Sabrina T. spricht von „zweitem Geburtstag“

Kurz nach dem Unfall veröffentlichte die Paragliderin das Video ihres Absturzes auf Instagram. Dort beschreibt sie den Tag als ihren „zweiten Geburtstag“. „Der Tag, an dem dich als Paragleiter eine Cessna 172 aus dem Himmel holt“, schrieb sie zu den Aufnahmen. Noch immer könne sie kaum glauben, dass sie diesen Text überhaupt verfassen könne – und außer „ein paar fiesen blauen Flecken“ und Prellungen nichts Ernstes passiert sei.

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Cessna-Unfall im Pinzgau: Wie es zur Kollision über Piesendorf kam

Gestartet war die Oberösterreicherin zuvor von der Schmittenhöhe in Zell am See, einem bekannten Ausgangspunkt für Gleitschirmflüge. Ihr Kurs führte sie in Richtung Piesendorf. Als sie sich gegen 13.15 Uhr oberhalb der Pinzgauer Hütte befand, näherte sich von hinten eine Cessna 172, gesteuert von einem 28-jährigen Tiroler. Der Mann war nach Polizeiangaben auf einem Alpenrundflug unterwegs und flog vom Glemmtal in Richtung Zell am See.

Dann kam es zur Kollision. Der Pilot habe nicht mehr rechtzeitig ausweichen können, erklärte eine Polizeisprecherin laut „Salzburg24“. Der Propeller des Kleinflugzeugs zerschnitt den Hauptschirm der 44-Jährigen; Teile des Schirms und Leinen verfingen sich an der Maschine. Dennoch gelang es dem Piloten, sicher zu landen; er blieb unverletzt. Auch Sabrina T. kam nach dem Einsatz ihres Rettungsschirms auf einer nahegelegenen Forststraße zu Boden. Von dort wurde sie mit dem Polizeihubschrauber „Libelle Oskar“ zum Flughafen Zell am See gebracht. Später begab sie sich selbstständig in ärztliche Behandlung.

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Paragliderin von hinten gerammt: Polizei ermittelt zur Ursache

Sabrina T. selbst beschreibt den Zusammenstoß nicht als Folge eines riskanten Manövers. Sie sei geradeaus geflogen und habe kein besonderes Flugmanöver durchgeführt, sagte die Paragliderin laut ORF. Das Flugzeug sei von hinten gekommen und in ihren Schirm geflogen.

Der Vorfall wirft nun Fragen nach Sicht, Abstand und Verantwortung im freien Luftraum auf. Florian Schett, Geschäftsführer des Flugplatzes Zell am See, sagte dem ORF, die Gegend sei kein kontrollierter Luftraum wie etwa rund um Salzburg. Das bedeutet: Nicht jeder Flug muss dort einzeln freigegeben werden. „Jeder darf den Luftraum gleichermaßen benutzen“, sagte Schett. Der Unfall habe sich zwar in der Nähe des Flugplatzes ereignet, mit dessen Betrieb habe man aber „de facto nichts“ zu tun. Der Flugplatz könne nicht steuern, wer sich wo bewege oder fliege.

Die Alpinpolizei ermittelt jetzt zur Unfallursache. Österreichischen Medien zufolge könnte dem Piloten wegen des Verdachts der Gefährdung der körperlichen Sicherheit eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Monaten drohen. Für die Oberösterreicherin dürfte diese juristische Aufarbeitung zunächst zweitrangig sein. Sie ist vom Himmel gefallen – und doch, beinahe wider alle Wahrscheinlichkeit, wieder aufgestanden.