Was zunächst wie eine tragische Lebensmittelvergiftung nach dem Weihnachtsessen aussah, entpuppt sich immer mehr als mutmaßlicher Mord mit einem der gefährlichsten Pflanzengifte der Welt. Sechs Monate nach dem Tod der 50-jährigen Antonella D. und ihrer 15-jährigen Tochter Sara D. aus der süditalienischen Provinz Campobasso steht eine Frage im Mittelpunkt der Ermittlungen: Wie kam es zu der Vergiftung von Mutter und Tochter mit Rizin?

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Weil die italienischen Ermittler darauf bislang keine Antwort gefunden haben, setzen sie nun auf Hilfe aus Deutschland. Die Ärzte waren zunächst von einer Fischvergiftung ausgegangen. Mutter und Tochter starben kurz nach den Weihnachtsfeiertagen im Krankenhaus Cardarelli in Campobasso. Deshalb wurde zunächst gegen fünf Ärzte des Krankenhauses ermittelt. Doch im April kam die überraschende Wende: Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass die beiden Frauen aus Italien nicht an einer Lebensmittelvergiftung gestorben seien. Nach den bisherigen Erkenntnissen sollen sie vorsätzlich mit Rizin getötet worden sein.
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Ungelöster Fall in Italien: Mutter und Tochter mit Rizin vergiftet
Besonders brisant: Das hochgiftige Toxin wurde nach Überzeugung der Ermittler offenbar nicht auf dem Schwarzmarkt beschafft, sondern manuell aus den Samen der Rizinus-Pflanze gewonnen. Rizin zählt zu den gefährlichsten bekannten Pflanzengiften. Schon kleinste Mengen können tödlich sein. Die Ermittlungen konzentrieren sich inzwischen auf das familiäre Umfeld der Opfer. Sowohl der Ehemann von Antonella D. als auch die 19-jährige Tochter der Familie wurden ausführlich von den Ermittlern befragt.
Bislang gibt es jedoch keine offizielle Mitteilung über Tatverdächtige oder Festnahmen. Auch ein Motiv für einen möglichen Doppelmord tauchte bisher nicht auf. Um das Rätsel zu lösen, haben die italienischen Behörden jetzt internationale Unterstützung angefordert. Sechs Monate nach den Todesfällen trafen sich am Montag im Giftinformationszentrum des Maugeri-Instituts in der norditalienischen Stadt Pavia Ermittler aus der Provinz Campobasso und renommierte Experten des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI), um die nächsten Schritte festzulegen.
Ermittlungen: Wie kamen Mutter und Tochter mit dem Gift in Kontakt?
Die im Mordfall ermittelnde Staatsanwaltschaft von Larino hat auch den RKI-Direktor, Christian Herzog, kontaktiert. Die Spezialisten sollen den italienischen Ermittlern dabei helfen, mögliche Rückstände von Rizin nachzuweisen und neue Erkenntnisse über Herkunft und Einsatz des Giftes zu gewinnen. Im Mittelpunkt des Treffens in Pavia standen die bisherigen Untersuchungsergebnisse sowie die Planung weiterer Analysen.
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Die deutschen Wissenschaftler gelten als führend bei der Analyse von Rizin. Sie verfügen über Verfahren, mit denen sich selbst Monate nach einer möglichen Vergiftung noch Spuren des Giftes nachweisen lassen. Das aus den Samen des Wunderbaums gewonnene Toxin steht im Mittelpunkt der Untersuchungen. Die Ermittler wollen nun klären, wie Mutter und Tochter mit dem Gift in Kontakt kamen und ob sich der Verdacht eines vorsätzlichen Tötungsdelikts zweifelsfrei belegen lässt.
Rizin: Ermittler prüfen Lebensmittel und Gegenstände auf Giftspuren
Die Ermittler wollen rund 70 Lebensmittel untersuchen, die aus der Wohnung der beiden Opfer in Pietracatella in der Provinz Campobasso sichergestellt wurden. Darüber hinaus sollen Möbel, Kleidung und zahlreiche weitere Gegenstände auf mögliche Rückstände des Giftes überprüft werden. In den kommenden Tagen ist deshalb eine erneute umfassende Spurensicherung im Wohnhaus der Familie vorgesehen.
Auch die beiden überlebenden Familienmitglieder sollen erneut medizinisch untersucht werden. Dabei wollen die Experten feststellen, ob sie Antikörper gegen Rizin entwickelt haben. Das könnte darauf hindeuten, dass auch sie mit dem Gift in Berührung gekommen sind. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird sich außerdem das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) an den Ermittlungen beteiligen.
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Mordfall: Ermittler setzen auf deutsche Expertise bei Aufklärung
Die Zusammenarbeit zwischen den italienischen und deutschen Behörden verlaufe sehr gut, erklärte die leitende Staatsanwältin Elvira Antonelli nach dem Treffen. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen setzt die Staatsanwaltschaft große Hoffnungen auf die deutsche Expertise. Die in Berlin entwickelten Nachweisverfahren gelten als besonders präzise. Die Experten sollen nicht nur mögliche Spuren des Giftes identifizieren, sondern möglicherweise auch klären, wie das Rizin hergestellt wurde und auf welchem Weg es zu den beiden Frauen gelangte.
Mit der internationalen Zusammenarbeit setzen die Ermittler auf geballte wissenschaftliche Kompetenz, um einen der rätselhaftesten Kriminalfälle Italiens doch noch aufzuklären. Noch immer fehlt die entscheidende Antwort auf die Fragen, die den Fall seit Monaten prägen: Wie und warum wurden Antonella D. und ihre Tochter Sara mit Rizin vergiftet?











