Hunderte überwiegend deutsche Autofahrer haben den Süden des Gardasees in den vergangenen Tagen in eine Bühne für illegale Driftshows und nächtliche Straßenrennen verwandelt. Rund 2000 Zuschauer verfolgten die spektakulären Fahrmanöver, während die Polizei mit einem Großaufgebot einschritt. Mehr als 100 Fahrer wurden kontrolliert, drei Fahrzeuge beschlagnahmt.

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Nun geraten neben den Organisatoren auch Zuschauer ins Visier der Ermittler. Auslöser der Einsätze war eine Serie sogenannter „Illegal Nights“, die parallel zum offiziell genehmigten Tuning-Treffen „Southern Gardasee“ (SO.GA.) stattfanden. Während die eigentliche Veranstaltung in der Gemeinde Monzambano legal durchgeführt wurde, verabredeten sich zahlreiche Teilnehmer anschließend über soziale Netzwerke zu nicht genehmigten nächtlichen Treffen in Industriegebieten und auf Parkplätzen von Einkaufszentren rund um Desenzano del Garda, Lonato, Montichiari, Mazzano und Brescia. Über soziale Netzwerke wurden nicht nur die Treffpunkte kurzfristig bekanntgegeben, sondern auch die Standorte von Polizeistreifen in Echtzeit weitergeleitet, um Kontrollen zu umgehen.
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Gardasee: Parkplätze verwandeln sich in Rennstrecken
Nach Angaben der Behörden kamen die meisten Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In den Nächten verwandelten sich Parkplätze und Straßen in improvisierte Rennstrecken. Vor mehr als 1000 Zuschauern führten Fahrer riskante Driftmanöver und andere gefährliche Fahraktionen vor. Nach Einschätzung der Ermittler erschwerten die dicht gedrängten Zuschauer den Einsatzkräften das Eingreifen, da sie die Fahrzeuge teilweise abschirmten und Identifizierungen behinderten.
Angesichts der Entwicklung ordnete Brescias Polizeipräsident Paolo Sartori einen umfangreichen Sondereinsatz an. Daran beteiligten sich die Staatspolizei, die Verkehrspolizei, Spezialeinheiten aus Mailand, die Carabinieri sowie die örtlichen Polizeibehörden. Ziel war es, die illegalen Treffen aufzuspüren, den Verkehr aufrechtzuerhalten und Unfälle zu verhindern.
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Polizei zieht Bilanz
Die Bilanz der Kontrollen: Mehr als 100 Fahrer wurden identifiziert, rund 20 Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung geahndet und drei Fahrzeuge mit manipulierten oder absichtlich unleserlich gemachten Kennzeichen beschlagnahmt. Nach Angaben der Polizei hatten mehrere der kontrollierten Fahrer bereits Vorstrafen. Polizei und Carabinieri werten derzeit umfangreiches Video- und Bildmaterial aus, um weitere Teilnehmer sowie die Organisatoren der Treffen zu identifizieren. Auch Zuschauer könnten rechtliche Konsequenzen drohen. Nach Angaben der Ermittler wird geprüft, ob einzelne Personen die Veranstaltungen unterstützt, Polizeieinsätze behindert oder durch die Verbreitung von Videos und Live-Informationen über soziale Netzwerke zu den illegalen Aktionen beigetragen haben.

Für zusätzlichen Wirbel sorgte ein Unfall in Verona. Ein 24 Jahre alter Autofahrer aus Deutschland, der nach Polizeiangaben auf dem Rückweg von einem der Treffen war, verlor am frühen Samstagmorgen die Kontrolle über seinen Nissan mit deutschem Kennzeichen und krachte in das Schaufenster eines Möbelgeschäfts. Verletzt wurde niemand. Ein Alkoholtest verlief negativ. Gegen den Fahrer wurde ein Bußgeld wegen Kontrollverlusts über das Fahrzeug verhängt.
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Bürgermeister spricht von „Nächten des Wahnsinns“
Der Bürgermeister der Stadt Montichiari, Marco Togni, sprach von „Nächten des Wahnsinns“. Was sich auf den Straßen des südlichen Gardasees abgespielt habe, sei kein gewöhnliches Treffen von Auto-Enthusiasten gewesen, sondern eine „gut organisierte und gefährliche Aktion“. Die Autos seien mit hoher Geschwindigkeit durch die Stadt gerast und hätten Straßen zeitweise in eine improvisierte Rennstrecke verwandelt. „In Deutschland halten sich die meisten Autofahrer an die Tempolimits, weil dort die Straßenverkehrsordnung konsequent durchgesetzt wird. Wenn sie nach Italien kommen, ist es für sie wie ein Niemandsland. Es herrschte völliges Chaos. Für die Einsatzkräfte war es unmöglich einzugreifen. Das Verhältnis lag bei einem Polizisten auf 1.000 Teilnehmer“, so Togni.
Der italienische Parlamentsabgeordnete Giangiacomo Calovini (Fratelli d‘Italia) kündigte an, die italienischen Botschaften in Deutschland und Österreich einzuschalten, um die Zusammenarbeit der Polizeibehörden bei der Bekämpfung des grenzüberschreitenden Phänomens zu verstärken.






