El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, das sich im Pazifik entwickelt und bereits peruanischen Fischern im 19. Jahrhundert bekannt war. Da es fast immer rund um die Weihnachtszeit auftrat, erhielt es den Namen „El Niño“, was auf Spanisch „der Junge“ oder „das Christkind“ bedeutet.

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Aktuell ist häufig von einem „Super El Niño“ oder „Mega El Niño“ die Rede. Doch sind seine Auswirkungen tatsächlich so gravierend, wie diese Bezeichnungen vermuten lassen?
Was sind El Niño und La Niña?
Beim regionalen Klimaphänomen El Niño, das im tropischen Pazifik vor der Westküste Südamerikas entsteht, gerät der natürliche Austausch zwischen Ozean und Atmosphäre aus dem Gleichgewicht. Die tropischen Passatwinde schwächen sich deutlich ab oder setzen zeitweise vollständig aus.
Dadurch strömt das zuvor im westlichen Pazifik angestaute warme Oberflächenwasser zurück in Richtung Südamerika und verursacht dort außergewöhnlich starke Niederschläge sowie großflächige Überschwemmungen. Gleichzeitig ziehen sich viele Fischbestände in kühlere Gewässer zurück. Dieses wiederkehrende Muster beobachteten peruanische Fischer bereits vor Jahrhunderten und nutzten es als Grundlage für ihre Vorhersagen.
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Heute ist bekannt, dass die Folgen von El Niño weit über den tropischen Pazifik hinausreichen. Während an der Westküste Südamerikas heftige Regenfälle auftreten, steigt auf der gegenüberliegenden Seite des Pazifiks die Gefahr von Hitzewellen, Dürren und großflächigen Waldbränden. Besonders ausgeprägte El-Niño-Ereignisse beeinflussen darüber hinaus das Klima in Indien, Südafrika und Australien, wo sie häufig mit lang anhaltenden Trockenperioden verbunden sind.
Neben einer neutralen Phase gehört auch La Niña zum natürlichen Wechselspiel dieses Klimasystems. Bei dieser entgegengesetzten Klimaanomalie kühlen die Oberflächengewässer im tropischen Pazifik deutlich ab. Dadurch verstärken sich die tropischen Passatwinde, während sich zugleich die Tiefdrucktätigkeit intensiviert. Dieses Zusammenspiel beeinflusst Wetter und Klima in vielen Regionen der Erde, wie der Deutsche Wetterdienst erläutert.
Wie realistisch sind „Super El Niño“ oder „Mega El Niño“ in 2026/27?
„Wir hatten bisher drei Super-El-Niños: 1982, 1997 und 2015“, erklärt Daniela Matei, Klimaforscherin am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, gegenüber unserer Redaktion. „Dadurch, dass sich die Meeresoberfläche stark erhitzt, entwickeln sich Hurrikans näher am Äquator und haben einen längeren Weg über den Ozean“, so Matei. Und das sei entscheidend, denn tropische Stürme gewinnen ihre Energie aus warmem Wasser. Je länger sie darüber verbleiben, desto stärker können sie werden.
Laut der Nationalen Ozean und Atmosphärenbehörde der Vereinigten Staaten (NOAA) wird ein El-Niño-Ereignis in diesem Jahr wahrscheinlicher. Während eines gewöhnlichen El Niño liegen die Oberflächentemperaturen des Meeres im betroffenen Pazifikgebiet im Durchschnitt etwa ein Grad Celsius über den langjährigen Mittelwerten. Bei besonders ausgeprägten Ereignissen kann die Erwärmung auf zwei Grad Celsius oder sogar darüber hinaus ansteigen. Nach Angaben von Karsten Haustein vom Institut für Meteorologie der Universität Leipzig bewegen sich die Meeresoberflächentemperaturen seit Mitte März auf dem Rekordniveau des Jahres 2024.
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In einem Briefing des Science Media Centers erklärte er, dass sich im Jahr 2026 erneut ein außergewöhnlich starker El Niño entwickeln könnte. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, wird der Höhepunkt des Klimaphänomens voraussichtlich wieder zur Weihnachtszeit erreicht.
Welches Einfluss hat El-Niño auf das Wetter in Europa?
Wie stark sich El Niño tatsächlich entwickeln wird, dürfte sich erst im Verlauf des Sommers zuverlässiger abschätzen lassen. Welche Auswirkungen das Klimaphänomen auf das Wetter in Europa haben wird, ist in der Wissenschaft bislang nicht eindeutig geklärt. Der Klimawissenschaftler Andreas Fink vom Karlsruher Institut für Technologie erklärte gegenüber der „Tagesschau“, dass derzeit keine klaren Hinweise auf einen entsprechenden Einfluss erkennbar seien. Der Nordatlantik, der als maßgeblicher Motor für das europäische Wetter gilt, verhalte sich gegenwärtig weitgehend im normalen Bereich.
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Johanna Baehr, Leiterin der Forschungsgruppe Klimamodellierung am Institut für Meereskunde, bewertet die Situation differenzierter. Ihrer Einschätzung nach stellt ein El-Niño-Ereignis für Europa lediglich einen von mehreren klimatischen Einflussfaktoren dar. Die möglichen Wirkmechanismen seien bislang vor allem für die Wintermonate untersucht worden.
Für die Entwicklung der Sommertemperaturen in Europa könnten dagegen die derzeit außergewöhnlich hohen Wassertemperaturen im Nordatlantik eine größere Bedeutung besitzen. Nach ihren Angaben ähneln die dort entstehenden Muster teilweise bekannten Vorläufern ausgeprägter Hitzewellen.






