Die Nacht zum Tag machen – und das nicht im übertragenen Sinn. Ein US-amerikanisches Raumfahrt-Start-up verfolgt eine ungewöhnliche Idee: Riesige Spiegel im All sollen die Sonne reflektieren und damit Flecken auf der dunklen Seite der Erde beleuchten. Jetzt hat das Projekt seine Freigabe erhalten.

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Mit einem Satelliten will das Start-up Reflect Orbital einen 18 Meter hohen Spiegel ins All bringen. Dieser wird in den niedrigen Erdorbit transportiert und dort ausgerollt. Der ausgeklappte Spiegel lenkt das Licht gezielt auf ausgewählte Gebiete der Erde und wird einen Lichtstrahl von fünf bis sechs Kilometern Durchmesser reflektieren. Das entstehende Licht ist wie eine Art riesiger Scheinwerfer und soll dem Mondschein bei Vollmond ähneln. Der Service hat seinen Preis: Nach Informationen des Magazins Galaxus soll der Einsatz von Eärendil-1 5000 US-Dollar pro Stunde kosten. Das Unternehmen plant, geringere Preise aufzurufen, sobald mehrere Satelliten aktiv eingesetzt werden können.
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USA: Start-up mit ungewöhnlicher Idee – so soll „mehr Energie als je zuvor“ entstehen
Getestet wird zunächst mit einem einzigen Satelliten: Eärendil-1, benannt nach dem Halbelben aus J.R.R. Tolkiens Mittelerde-Mythologie. Mit ihm prüft das Unternehmen Technik und Schutzmaßnahmen. Für den Testlauf hat die US-Kommunikationsbehörde, die Federal Communications Commission, ihre Freigabe erteilt. Sollte sich die Technik beweisen, will Reflect Orbital bis zum Jahr 2035 bis zu 50.000 dieser Satelliten ins All bringen, so heißt es auf ihrer Website. Dort teilt das Unternehmen mit: „Die Herausforderung besteht nicht einfach darin, Energie zu erzeugen. Es geht darum, weltweit weitaus mehr Energie als je zuvor zu erzeugen.“
Wenn sich der Testlauf bewährt, könnte die Zukunft so aussehen: Das Start-up stellt die Satelliten für seine Kunden und Kundinnen bereit. Über eine App und online können sie ihren persönlichen Lichtbedarf anmelden. Das Unternehmen schreibt: „Jeder Lichtstrahl, den Reflect liefert, wird [bei den zuständigen Behörden] angefordert, genehmigt und gezielt eingesetzt.“ Wie hell der Strahl leuchtet und wo genau er auftrifft, soll das Start-up flexibel anpassen können.

Riesenspiegel im All sollen Solarstrom und nächtliche Beleuchtung ermöglichen
Laut Reflect Orbital lässt sich die Satellitentechnik vielfältig einsetzen: Das Start-up wirbt damit, dass durch das Licht Solaranlagen auch nachts betrieben werden können. Weiterhin argumentiert es, dass Militär und Rettungskräfte nachts effektiver agieren können und die Landwirtschaft durch längere Wachstumsphasen mehr Ertrag bringt, so heißt es auf seiner Website. Auch Bauprojekte könnten schneller fertig werden, weil nicht nur tagsüber gearbeitet werden müsste.
Auf seiner Website schreibt das Unternehmen: „Unser Ziel ist es, Licht und Energie bereitzustellen, um die bestehende Solarinfrastruktur auch außerhalb der Zeiten, in denen direktes Sonnenlicht verfügbar ist, besser nutzbar zu machen.“ Doch das Start-up will die Spiegel auch im Freizeitsektor vermarkten: So können Gebiete, in denen gerade Nacht ist, für Aktivitäten beleuchtet werden. Das Start-up spricht von Nacht-Events für „unvergessliche Erfahrungen“.
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Kritik kommt vonseiten der Forschung und Umweltverbände. Unter anderem geht es um Lichtverschmutzung. Reflect Orbital wirbt damit, die reflektierte Sonne könne ganze Straßenbeleuchtungen ersetzen und so „Lichtverschmutzung reduzieren“. Astronomiegesellschaften und Umweltschutzverbände sehen das anders. Forschende kritisieren immer wieder, wie stark Lichtverschmutzung Mensch und Umwelt belastet. In einer Publikation von 2025 schreibt das Helmholtz-Zentrum für Geoforschung, dass bereits ein Viertel der weltweiten Landfläche und 88 Prozent der Gebiete Europas lichtverschmutzt sind. Darunter leiden die Erforschung des Nachthimmels sowie der Biorhythmus von Tieren, Menschen und Pflanzen.
Die Organisation Dark Sky, die sich gegen Lichtverschmutzung einsetzt, ruft dazu auf, nur dort zu beleuchten, wo es wirklich nötig ist. Zudem soll das Licht nicht heller sein als notwendig. Dark Sky wendet sich in einer Erklärung gegen die Pläne Reflect Orbitals und beklagt die Freigabe der FCC, trotz einer Petition mit über 12.000 Unterschriften und 1800 öffentlichen Stellungnahmen, die sich gegen den Antrag aussprechen.
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In einem offenen Brief an das Raumfahrt-Start-up formuliert die Organisation: „Aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse sehen wir keinen gangbaren Weg, wie diese Technologie mit den Grundsätzen einer verantwortungsvollen Beleuchtung oder mit unserer Mission zum Schutz der natürlichen Dunkelheit in Einklang gebracht werden könnte.“ Reflect Orbital schreibt selbst, dass sie sich in Gesprächen mit der Organisation befänden und „alle Meinungen“ ernst nähmen.
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Kritiker bemängeln außerdem, dass Raketenstarts CO₂ ausstoßen und neue Satelliten den Weltraummüll im Orbit vermehren. Dass dieser ohnehin ein wachsendes Problem darstellt, beweisen regelmäßige Berichte der European Space Agency (ESA). Der Schrott im Orbit besteht aus Resten alter Raketen, aus zurückgelassenen Werkzeugen von Astronauten – und aus Satelliten. Diese werden besonders oft zu Weltraumschrott, wenn sie nicht langlebig sind. Experten fürchten, dass wegen der hohen Schrottmenge Flüge ins All eines Tages nicht mehr möglich sein werden. Denn die Gegenstände treffen im All mit hoher Geschwindigkeit aufeinander, wodurch sie sich immer mehr in Einzelteile zerbrechen. Größere Schrottteile gelangen durch die Atmosphäre auf die Erde und können dort Schäden anrichten, so die ESA.
Das Problem wird in Zukunft eher größer werden. Unternehmen wie Amazon arbeiten an eigenen Satellitenprojekten. Sie wollen in den kommenden Jahren Satelliten für ihre Kommunikationsnetzwerke starten. Das Unternehmen des Milliardärs Elon Musk, SpaceX, nutzt laut Website bereits jetzt mehr als 10.000 Satelliten für sein Programm Starlink, um seine Kunden mit schnellerem Breitbandinternet zu versorgen. Laut Website sollen es in den nächsten Jahren 42.000 werden.




