Jeder Satz schmerzt. Das Zuhören fällt unglaublich schwer und tut regelrecht innerlich weh, weil man so sehr mitleidet. Denn wenn David erzählt, kämpft er um jeden Buchstaben. Unter größter Anstrengung presst er die einzelnen Wörter heraus, verdreht dabei Kopf und Augen – und braucht trotzdem quälend lange für einen kurzen Satz. Dabei wirkt der junge Mann freundlich und aufgeschlossen, hilfsbereit und witzig, er wäre vermutlich schlagfertig und charmant, wenn er nicht dieses Handicap hätte.

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„Bei David liegt eine stark ausgeprägte Stotterproblematik vor“, erklärt Constanze Kroggel, Sozialarbeiterin in der Holzmühle Kämmeritz bei Eisenberg. Der romantische Drei-Seiten-Hof einer alten Mühle ist eine besondere Wohnform der Eingliederungshilfe für suchtkranke Menschen. Es gibt 22 Plätze, die Aufenthaltsdauer beträgt meist zwei bis vier Jahre.

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In der Holzmühle Kämmeritz, einer besonderen Wohnform der Eingliederungshilfe für suchtkranke Menschen, geht Sozialarbeiterin Constanze Kroggel mit David die Online-Hausaufgaben für die Stotter-Therapie durch. © Funke Medien Thüringen | Ingo Glase

„David lebt schon seit zwei Jahren hier, aber durch das Stottern wird er noch einige Zeit hierbleiben, um ihm mit einer geeigneten Therapie den Neustart später zu erleichtern“, erklärt seine Betreuerin.

Stottern prägt Leben: Davids langer Weg zur richtigen Therapie

Denn David ist trotz seines freundlichen Wesens (oder vielleicht gerade deshalb) durch alle sozialen Raster gefallen. Er stottert seit seiner Kindheit, „aber es hat nie jemanden interessiert“, bringt er mühsam hervor. Weder Eltern noch Lehrer haben sich des Themas angenommen, es gab keinerlei logopädische Behandlung für David. „Durch Ausgrenzung, Minderwertigkeitsgefühle und sozialen Rückzug hat sich im Laufe des Lebens ein Suchtproblem entwickelt“, erklärt Constanze Kroggel mit dem Einverständnis von David, der offen mit seiner Last umgeht.

„Uns war sofort klar, auch das Thema Stottern muss angegangen werden, um David ins Leben zurückzubringen.“ Begonnen hat die logopädische Behandlung im nahen Eisenberg, doch dort wurde schnell deutlich, die normalen Sprach-Übungen reichen nicht, es braucht eine große Therapie. Zu viel wurde in den vergangenen Jahren versäumt. Empfohlen wurde die Kasseler Stotter-Therapie, die von einer spezialisierten Klinik in Bad Emstal angeboten wird.

Weitere Spendenprojekte

Neben stationären Aufenthalten stehen viele Hausaufgaben und regelmäßige Online-Veranstaltungen auf dem Programm, dafür hat David in der Abgeschiedenheit der Holzmühle einen Laptop samt spezieller Software, ein Diktiergerät und sogar ein eigenes W-Lan-Netz bekommen. Zudem muss David im Rahmen der Therapie Vorträge halten.

Beten hat geholfen: Spendenaktion ermöglicht Stotter-Therapie

„Samt Eigenanteil waren 2000 Euro für Therapie und Ausstattung aufzubringen. Doch das Sozialamt hat abgewunken, wir haben dafür auch keine Mittel, aber wir sind ein christliches Haus, also haben wir gebetet, gesammelt und gehofft, dass irgendwo das Geld herkommt, weil die Maßnahme so notwendig ist“, verrät Constanze Kroggel. Das hat geklappt: Mit den benötigten 2000 Euro hat „Thüringen hilft“, die Spendenaktion unserer Zeitung und der Diakonie Mitteldeutschland, die Stotter-Therapie für David unterstützt.

Arbeit in der Holzwerkstatt

„Er muss das Sprechen völlig neu lernen“, erklärt seine Betreuerin, „er darf nicht auf seine bisherige Technik setzen. Wie man nach einem schweren Unfall das Laufen neu lernen muss, so muss David das Sprechen neu lernen.“ Und die Therapie zeigt Wirkung: in einem Moment abseits der Aufregung sagt er den flüssigen Satz: „Ich kann ja mal den Laptop holen und das Programm zeigen.“ Doch leider ist es nur ein kurzer Moment. „40 Jahre Nichtstun aufzuholen fällt nicht leicht“, gesteht David. „Auch wenn es manchmal schwerfällt – ich muss üben, üben, üben. Zeit habe ich hier ja genug.“ Nach Feierabend, denn tagsüber arbeitet der gelernte Schlosser in der Holzwerkstatt.

Zeitung lesen und Gutes tun

Mit einer speziellen Abo-Aktion möchte Funke Medien Thüringen die Spendenaktion wieder unterstützen, im vergangenen Jahr konnten so 16.020 Euro auf das Spendenkonto überwiesen werden. Wer als Neukunde unsere Zeitung kennenlernen oder als Abonnent mit einem Geschenk-Abo Gutes tun will, kann mit 10 Euro „Thüringen hilft“ unterstützen. Denn dafür gibt es vier Wochen die gedruckte Zeitung samt digitalem Premium-Paket oder für acht Wochen das Digital-Paket. Jeder Cent davon wird auf das Spendenkonto überwiesen. Infos dazu hier

Zu den logopädischen Tricks gehört beispielsweise, harte Buchstaben weich auszusprechen, also nicht kurz und knackig Apfel zu sagen, sondern möglichst unauffällig Ahhhhpfel, so soll die Aussprache erleichert werden. Und noch eine weitere Herausforderung muss David wegstecken: Mit 41 Jahren ist er der einzige Erwachsene in seinem Kurs, „alles andere sind Schüler, deren Eltern sich rechtzeitig gekümmert haben“, sagt Constanze Kroggel. Das Leben hat es bislang wirklich nicht gut gemeint mit David. Jetzt könnte sich das ändern.

Verlängerung wäre ein Segen

Die Stotter-Therapie läuft bis Februar 2027. Eine Verlängerung würde sein Sprachbild noch weiter verbessern und die Chance auf einen Neustart erheblich erhöhen. Damit man künftig gern mit David redet, spricht, quatscht, witzelt und flirtet. Er hat es verdient.

Wer helfen möchte:
Spendenkonto: DE89 8205 1000 0125 0222 20
Empfänger: Diakonie Mitteldeutschland
oder per Mausklick hier

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