Die Meldungen über verletzte und verendete Störche in der Region reißen nicht ab. Vor einigen Tagen musste ein entkräfteter Jungstorch aus Heldrungen nach einer aufwendigen Rettungsaktion zur Untersuchung und Versorgung in die Vogelschutzwarte Seebach gebracht werden. Sein Zustand hat sich inzwischen deutlich verbessert.

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In Schallenburg kam es unterdessen zu einem Todesfall: Ein Jungstorch des dortigen Storchenpaares wurde tot aufgefunden. Die Untersuchung ergab, dass sein Magen vollständig mit Gummiringen und Gummibändern gefüllt war. „Für den Jungstorch hatten die aufgenommenen Gummiringe tödliche Folgen“, erklärt Steffen Goldberg, Storchenbeauftragter im Kreisverband des Naturschutzbundes Nabu Sömmerda. Die Altstörche würden die Ringe aufnehmen, weil sie diese mit Regenwürmern verwechselten, und anschließend an ihre Jungen verfüttern.

Gummiringe im Magen werden Jungstorch zum Verhängnis
Das Schallenburger Storchenpaar „Schalli“ und „Walli“ hatte in diesem Jahr zwei Jungstörche. Noch am Morgen waren beide Tiere von Anwohnern gesund auf dem Horst beobachtet worden. Als Goldberg den Horst am Nachmittag kontrollierte, befand sich dort nur noch ein Jungtier. Am Abend entdeckte Michael Franke den verendeten Jungstorch auf der Wiese seiner Familie, unweit des zweiten Storchenhorstes.
Äußerliche Verletzungen waren nicht festzustellen. Auffällig war jedoch der ungewöhnlich harte Bauch. Die anschließende Untersuchung ergab, dass der Magen vollständig mit Gummiringen und Gummibändern gefüllt war. „Die Altstörche nehmen die Gummiringe unter anderem auf der Mülldeponie Michelshöhe auf“, berichtet Steffen Goldberg. Dort könnten die Vögel die herumliegenden Ringe mit Regenwürmern verwechseln. Über die Fütterung gelangten die Fremdkörper anschließend in die Mägen der Jungstörche. Diese können unverdauliche Fremdkörper erst ab einem bestimmten Alter wieder auswürgen. Ist der Magen bereits vollständig mit Gummiringen gefüllt, bleibt kein Platz für Nahrung. Das Tier kann in der Folge verhungern.
Zweiter Jungstorch wird in der Vogelschutzwarte beobachtet
Nach dem Tod des ersten Jungstorchs saß das Geschwistertier allein auf dem Horst. Da die Sorge bestand, dass auch dieser Jungstorch bereits Gummiringe aufgenommen haben könnte, wurde über die Leitstelle Erfurt vorsorglich die Drehleiter der Feuerwehr Sömmerda alarmiert. Als sich die Drehleiter dem Horst näherte, flog der Jungstorch jedoch auf. Eine erste Suche blieb erfolglos. Wenig später wurde das Tier in einem Privatgarten entdeckt. Knut Nennewitz gelang es, den Jungstorch mit einem Kescher einzufangen.

Bei der ersten Untersuchung wurden keine äußeren Verletzungen festgestellt. Allerdings war auch bei diesem Tier der Bauch auffallend hart. Dies deutete ebenfalls auf die Aufnahme von Gummiringen hin. Nach Rücksprache mit Juliane Balmer von der Vogelschutzwarte Seebach wurde der Jungstorch umgehend dorthin gebracht. Dort wird er derzeit beobachtet und versorgt.
„Nun bleibt abzuwarten, ob er die aufgenommenen Gummiringe wieder ausscheiden kann und anschließend ausreichend Nahrung aufnimmt“, sagt Goldberg. Er hofft, dass sich der Jungstorch stabilisiert. Sollte sich sein Zustand weiter verbessern, besteht die Möglichkeit, ihn später wieder auszuwildern.
Jungstorch aus Heldrungen auf dem Weg der Besserung
Beim Jungstorch aus Heldrungen gibt es unterdessen positive Nachrichten. Sein Zustand habe sich deutlich verbessert. „Wenn die weitere Entwicklung weiterhin positiv verläuft, soll er wieder in die Freiheit entlassen werden“, berichtet Goldberg.
Der Nabu-Kreisverband Sömmerda weist darauf hin, dass Gummiringe und Gummibänder, insbesondere von Obst und Gemüse, nicht über den Biomüll entsorgt werden sollten. Sie gehören in den Restmüll. „Jeder Gummiring, der nicht in der Umwelt landet, kann verhindern, dass ein Storch ihn aufnimmt und an seine Jungen verfüttert. Deshalb ist die richtige Entsorgung dieser kleinen Abfälle ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Störche“, betont Steffen Goldberg.
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Der Nabu-Kreisverband Sömmerda bedankt sich bei allen Beteiligten und ehrenamtlichen Helfern der beiden Rettungsaktionen, bei der Feuerwehr Sömmerda sowie bei allen Unterstützern und Spendern.





