Ein spektakulärer Kunstraub beschäftigt die Ermittler auf Sizilien – und der Verdacht reicht bis zur Mafia. Nach dem Diebstahl mehrerer wertvoller Werke des Renaissance-Meisters Antonello da Messina aus einem Museum in dessen Geburtsstadt Messina am Samstagabend prüfen die Behörden einen möglichen Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität. Die Täter gingen offenbar gezielt vor. Nun wird auch untersucht, ob sie einen Helfer im Museum hatten.

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Bei den aus dem Regionalmuseum Accascina gestohlenen Werken handelt es sich nach Angaben des italienischen Kulturministeriums um Kunst von „außergewöhnlichem Wert“. Zum Diebesgut gehören drei Tafeln des aus dem 15. Jahrhundert stammenden San-Gregorio-Polyptychons. Der Kulturstadtrat von Messina, Enzo Caruso, schließt einen Mafia-Hintergrund nicht aus. Es sei schwer vorstellbar, dass die Täter die Werke innerhalb weniger Minuten aus dem Museum schaffen konnten, ohne die Räumlichkeiten genau zu kennen. „Es ist eine sehr, sehr merkwürdige Angelegenheit“, sagte Caruso.

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Museumseinbruch in Italien: Familie bemerkte vergessenes Diebesgut

Der Zeitpunkt des Raubs könnte bewusst gewählt worden sein. Während in Messina am Samstagabend das traditionelle religiöse Fest der „Vara“ Tausende Menschen auf die Straßen lockte, schlugen die Täter im Museum zu. Die Prozession zu Ehren der Madonna Assunta bindet jedes Jahr zahlreiche Sicherheitskräfte. Erst rund zwei Stunden nach dem Einbruch wurde der Diebstahl bemerkt. Eine Familie entdeckte zwei der entwendeten Tafeln, die die Täter offenbar zurückgelassen hatten.

Sie lehnten an einer Absperrung vor dem Museum. Die Familie verständigte den Notruf. Die Ermittler untersuchen nun die Überwachungsvideos aus dem Museum und der Umgebung. Auch Aufnahmen aus den Tagen vor dem Raub werden ausgewertet. Dabei soll geklärt werden, ob mögliche Täter das Museum zuvor ausgespäht hatten. Zusätzlich prüfen die Ermittler Mobilfunkdaten, um verdächtige Bewegungen rund um das Museum zu rekonstruieren. Besonders rätselhaft ist die Frage, warum der Diebstahl trotz funktionierender Sicherheitssysteme zunächst unbemerkt blieb.

Nach Angaben der Museumsleitung waren Alarmanlage und Videoüberwachung ordnungsgemäß in Betrieb. Dennoch wurde der Einbruch erst nach dem Hinweis der Familie entdeckt, obwohl sich Sicherheitskräfte im Museum befanden. Damit rückt auch ein möglicher Insider ins Visier der Ermittler. Die Wachleute, die in der Nacht Dienst hatten, wurden befragt. In Messina kursiert zudem das Gerücht, dass die Mitarbeiter nicht auf die Überwachungsmonitore geschaut, sondern die im Fernsehen übertragene „Vara“-Prozession verfolgt haben könnten. Ob das wahr ist, soll die Untersuchung klären.

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Ermittler schließen auch Auftragsdiebstahl nicht aus

Nach bisherigen Erkenntnissen könnte die Tätergruppe aus mindestens vier Personen bestanden haben. Zwei Männer sollen in das Museum eingedrungen sein, während zwei weitere draußen gewartet hätten. Die Täter sollen schwarze Oberteile und Integralhelme getragen haben. Für die Ermittler stellt sich vor allem die Frage nach dem Motiv. Ein Verkauf der gestohlenen Werke auf dem internationalen Kunstmarkt wäre angesichts ihrer Bekanntheit kaum möglich. Zu leicht wären die Gemälde zu identifizieren.

Deshalb wird auch ein Auftragsdiebstahl nicht ausgeschlossen. Caruso zufolge könnten die Werke im schlimmsten Fall als Druckmittel gegenüber dem Staat oder innerhalb krimineller Netzwerke als Pfand oder Zahlungsmittel eingesetzt werden. Auch ein Abtransport der Kunstwerke über das nahe gelegene Meer wird geprüft. Die Polizei wertet die Akten einschlägig bekannter Kunstdiebe aus und schließt nicht aus, dass die Täter von außerhalb Siziliens oder sogar aus dem Ausland stammen.

Gleichzeitig werden die Kamerabilder aus dem Umfeld des Museums und entlang möglicher Fluchtwege überprüft. Der Präsident der Region Sizilien, Renato Schifani, erklärte, Alarmanlage und Videoüberwachung hätten ordnungsgemäß funktioniert. Eine interne Untersuchung soll deshalb auch klären, ob möglicherweise Mitarbeiter des Museums in den Raub verwickelt waren.

Antonello da Messina: „Ecce Homo“ erzielte Millionenpreis bei Auktion

Antonello da Messina zählt zu den bedeutendsten Malern der italienischen Frührenaissance. Der um 1430 in Messina geborene Künstler starb 1479. Er wurde vor allem für seine Porträts und religiösen Darstellungen bekannt und verband Einflüsse der italienischen Renaissance mit Elementen der niederländischen Malerei.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Der heilige Hieronymus im Gehäuse“, „Christus segnet“ und „Christus am Kreuz“. Auch das „Bildnis eines Mannes“ in der Londoner National Gallery gilt als herausragendes Beispiel seiner Porträtkunst. Wie hoch der Stellenwert seiner Werke heute ist, zeigte sich erst vor wenigen Monaten: Die italienische Regierung erwarb das Gemälde „Ecce Homo“ von Antonello da Messina bei einer Auktion in New York für fast 15 Millionen Dollar, umgerechnet rund 13 Millionen Euro.

Unterdessen ist Italiens Spezialpolizei für Kunstdelikte in Messina im Einsatz. Die Ermittler hatten erst wenige Tage zuvor bei der Aufklärung eines anderen spektakulären Kunstraubs geholfen und Werke von Renoir, Matisse und Cézanne wiedergefunden, die Anfang des Jahres aus einem Museum bei Parma gestohlen worden waren. Nun hoffen die Ermittler auf einen ähnlichen Erfolg.