Ob Wildblumenwiese, dürres Geäst, Hauswand oder Internet – die Gottesanbeterin hat den Kyffhäuserkreis erobert. Inzwischen begegnet man der imposanten Fangschrecke nahezu schon auf Schritt und Tritt. Selbst früh nach dem Aufstehen hat der interessierte Freundes- und Bekanntenkreis beim Blick aufs Handy in den sozialen Medien schon wieder begeistert die neueste Sichtung geteilt.

Gottesanbeterin breitet sich im gesamten Kyffhäuserkreis aus

„Die Gottesanbeterin ist überall!“, bestätigt Thomas Schlufter vom Naturschutzbund Nabu Kyffhäuserkreis auf Nachfrage in Sondershausen. „Ob in Bellstedt, Sondershausen, Hachelbich oder im Ostteil unseres Kreises – man kann sie eigentlich in jeder Region als präsent verzeichnen.“ Bei einer Mahd in Jechaburg hätten sie allein 16 Exemplare gezählt, berichtet Schlufter. Da hätten sie dann aufgehört.

Gottesanbeterin auch im Kyffhäuserkreis immer öfter zu beobachten
Die wärmeliebende Gottesanbeterin macht sich auch im Kyffhäuserkreis breit. © Funke Medien Thüringen | Kerstin Fischer

Die ursprünglich in der Mittelmeerregion beheimatete Gottesanbeterin mit dem brutal anmutenden Paarungsverhalten galt in hiesigen Breiten noch vor wenigen Jahrzehnten als Exotin. Mit geübtem Auge sieht man das Insekt, wie es an Halmen und Blumen auf Beute lauert. Im Zuge der klimatischen Veränderungen hat die Fangschrecke ihren Lebensraum deutlich erweitert. Nach der Paarung fressen die Gottesanbeterinnen mitunter das männliche Tier.

Gottesanbeterin im Kyffhäuserkreis
Auch wie hier eine (angeleuchtete) Hausfassade bescheren dem Insekt in der Dunkelheit einen reich gedeckten Tisch.© Wilhelm Slodczyk | Wilhelm Slodczyk

Tierwelt muss sich auf neue Insektenfresser einstellen

Nabu-Mitglied Schlufter betrachtet die Ausbreitung auf Nachfrage mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue er sich, sagt er. Andererseits sei dadurch „ein weiterer Insektenfresser dazugekommen“, der zwar ebenfalls wiederum Nahrungsquelle für Großinsektenjäger wie den Bienenfresser (eine Vogelart) sei. Doch wenn die Schrecke im August/September ausgewachsen ist, sei ihr möglicher Fressfeind schon wieder auf dem Weg ins Winterquartier. „Wichtig ist“, betont darum der Naturschützer, „dass die Tierwelt Zeit hat, sich auf derartige Veränderungen einzustellen“.

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Eine Ursache für den rasanten Anstieg sieht Schlufter aber auch in der großen medialen Aufmerksamkeit, die der Gottesanbeterin derzeit zuteilwird. Diese veranlasst immer mehr Menschen dazu, ihre Funde zu melden.