Psychische Erkrankungen sorgen in Thüringen für immer mehr Fehltage im Job. Durchschnittlich entfielen im vergangenen Jahr 461 Fehltage wegen solcher Diagnosen auf 100 AOK‑versicherte Beschäftigte – 2016 waren es noch 275, wie die Krankenkasse mitteilte. Das sei ein Anstieg um 68 Prozent. Erstellt wurde der „Fehlzeiten-Report“ vom Wissenschaftlichen Institut der AOK.

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Wer psychisch erkrankt, fällt demnach oft wochenlang aus. Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung lag im vergangenen Jahr bei psychischen Erkrankungen bei 28,5 Tagen – das sei viermal so lang wie bei Atemwegserkrankungen mit 6,8 Tagen. Deswegen wird das Thema für Arbeitgeber zunehmend relevant.
„Längst kein Randthema mehr“
Auch bei Burn-out-Diagnosen sei ein deutlicher Anstieg zu beobachten. Von 2016 bis 2025 stiegen demnach die Ausfalltage um rund 109 Prozent von 10,2 je 100 AOK-Mitglieder auf 21,4 Tage.
„Psychische Gesundheit ist längst kein Randthema mehr. Die steigenden Fehlzeiten zeigen, wie wichtig es ist, Belastungen frühzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen, damit die Menschen mehr gesunde Jahre haben“, erklärte Stefan Knupfer, Vorstandsvorsitzender der AOK Plus.
Bestimmte Berufsgruppen besonders betroffen
Unterschiede zeigten sich demnach je nach Berufsgruppen. Die meisten Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen gab es demnach im Dialogmarketing mit 32,4 pro 100 AOK-versicherte Beschäftigte. Darunter fallen unter anderem Callcenter. Hohe Raten wurden zudem in der Altenpflege (27,5 Fälle), in der Sozialverwaltung und -versicherung (27,4 Fälle) sowie in der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik (26,9 Fälle) erfasst.
Die AOK wies darauf hin, dass steigende Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen nicht automatisch bedeuten, dass diese in der Bevölkerung im gleichen Umfang zunehmen. Ein Teil des Anstiegs sei damit zu erklären, dass psychische Erkrankungen heute besser erkannt, offener angesprochen und häufiger behandelt werden, hieß es.
Der Report erscheint seit 1998 jedes Jahr und untersucht die Entwicklung der Arbeitsunfähigkeitszahlen der AOK‑Mitglieder. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf der „Mentalen Gesundheit in der Arbeitswelt“. Nach eigenen Angaben sind mit rund 3,5 Millionen Menschen etwas mehr als die Hälfte aller gesetzlich Krankenversicherten in Sachsen und Thüringen bei der AOK Plus versichert.
dpa




