Bei Ausgrabungen in der antiken hethitischen Stadt Šamuḫa, dem heutigen Kayalıpınar in der türkischen Provinz Sivas, haben Archäologen 131 Keilschrifttafeln und Tafelfragmente entdeckt. Die Schriftstücke gehören zu einem königlichen Archiv des hethitischen Reiches und geben Einblicke in die schwere Erkrankung einer Prinzessin. Die Dokumente bewahren nicht nur dieses traurige Ereignis, sondern berichten von weiteren historischen Geschehnissen.

Archäologie: Schriften berichten vom Tod einer Prinzessin

Zusammen mit bereits zuvor entdeckten Keilschriften verfügen die Archäologen inzwischen über 184 Tafeln und Fragmente, die historische Ereignisse aus der Zeit vor rund 3400 Jahren dokumentieren. Die Aufzeichnungen stammen aus der Regierungszeit des hethitischen Königs Tudhaliya II. Über den außergewöhnlichen Fund berichtete der türkische Minister für Kultur und Tourismus, Mehmet Nuri Ersoy, auf der Plattform X, wie das Nachrichtenportal Arkeonews meldet.

Auch interessant

Bei der wissenschaftlichen Auswertung der Schriftstücke trat insbesondere das Schicksal einer jungen Prinzessin hervor. Die in hethitischer und hurritischer Sprache verfassten Dokumente beschreiben eine Fieberepidemie, die sich von einer Stadt zur nächsten ausbreitete und vor allem Säuglinge und Kinder betraf. Den Aufzeichnungen zufolge erkrankte eine kleine Prinzessin in einer Stadt namens Ziulila. Das Mädchen wurde zu diesem Zeitpunkt noch gestillt. Die Texte schildern die fortschreitende Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, ihren anschließenden Tod und das zu ihrem Gedenken abgehaltene Bestattungsritual.

Angesichts weiterer Erkrankungen mit tödlichem Ausgang ließen die Verantwortlichen am Hof den Gesundheitszustand junger Prinzen und Prinzessinnen sowie der Kinder hochrangiger Beamter genau überwachen. Ergänzend deuteten religiöse Experten durch Wahrsagungen mögliche Entwicklungen und Gefahren. Diese Praktiken verdeutlichen, wie eng die Hethiter medizinische Beobachtungen, religiöse Vorstellungen und die Suche nach göttlichen Erklärungen miteinander verknüpften.

Welche Krankheit für die Epidemie verantwortlich war, konnten die Forschenden bislang nicht eindeutig bestimmen. Die überlieferten Symptome und der dokumentierte Krankheitsverlauf liefern zwar Anhaltspunkte für weitere Untersuchungen, reichen jedoch nicht aus, um einen bestimmten Erreger oder eine konkrete Erkrankung zweifelsfrei nachzuweisen.

Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert

Militärischer Hilferuf an den hethitischen König

Die Keilschrifttexte enthalten auch einen bemerkenswerten Brief hethitischer Generäle, die in Westanatolien stationiert waren. Angesichts einer zunehmenden Bedrohung der Reichsgrenzen baten sie den König um zusätzliche Soldaten, Pferde und Streitwagen. Ohne diese Verstärkung, warnten die Militärführer, könnte ihre Armee den feindlichen Truppen unterliegen und vollständig aufgerieben werden. Für eine mögliche Niederlage wollten sie angesichts der fehlenden Unterstützung keine Verantwortung übernehmen.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die historische Bedeutung dieser seltenen Dokumente liegt darin, dass sie ein differenziertes Bild der hethitischen Militärgeschichte vermitteln. Anders als königliche Inschriften, die häufig Siege und herausragende Leistungen hervorheben, gewährt die Korrespondenz Einblicke in die Unsicherheiten des militärischen Alltags. Sie dokumentiert logistische Schwierigkeiten, den dringenden Bedarf an personeller und materieller Unterstützung sowie die konkrete Gefahr einer militärischen Katastrophe.

Šamuḫa: Königliche Residenz und heiliges Zentrum

Die antike Stadt Šamuḫa, die in der Nähe des Flusses Kızılırmak im heutigen Zentralanatolien lag, nahm eine bedeutende Stellung in der Geschichte des hethitischen Reiches ein. Ihre Ursprünge reichen bis in die Zeit des altassyrischen Handelsnetzes zurück. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Siedlung zu einem wichtigen regionalen Zentrum und einer königlichen Residenz. Besonders im politisch und militärisch unruhigen 14. Jahrhundert v. Chr. spielte Šamuḫa eine wichtige Rolle innerhalb des hethitischen Herrschaftsgebiets.

Neben ihrer politischen Bedeutung besaß die Stadt auch einen hohen religiösen Stellenwert. Šamuḫa war eng mit der Göttin Šauška verbunden, einer ursprünglich hurritischen Gottheit, die in ihrer Funktion mit der mesopotamischen Göttin Ištar gleichgesetzt wurde. Religiöse Rituale und kultische Zeremonien prägten das gesellschaftliche Leben und waren ein wesentlicher Bestandteil der kulturellen Identität der Stadt.