- Lars Klingbeil ist nicht nur SPD-Chef und Finanzminister, sondern auch Vizekanzler
- Doch wer ist der Mann hinter den vielen Titeln?
- Der SPD-Politiker im Steckbrief
Lars Klingbeil hat sich in der SPD hochgearbeitet, Stück für Stück: vom Generalsekretär über den Parteivorsitz bis an die Spitze der Bundestagsfraktion. Auch der historische Absturz der SPD bei der Bundestagswahl 2025 konnte ihm nicht schaden. Im Gegenteil: Klingbeil führte die Sozialdemokraten in eine schwarz-rote Bundesregierung, in der er das mächtige Amt des Bundesfinanzministers übernimmt und Vizekanzler ist.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wer ist der Mann, der sich dieser Mammutaufgabe stellt? Was treibt ihn an – politisch und privat? Hier finden Sie alle Informationen über den SPD-Mann auf einen Blick.
Lars Klingbeil: Die wichtigsten Infos zum Politiker im Steckbrief
| Name | Lars Klingbeil |
| Geburtsdatum | 23. Februar 1978 |
| Partei | Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) |
| Parteimitglied seit | Parteivorsitzender, Finanzminister und Vizekanzler |
| Familienstand | verheiratet, ein Kind |
| Ehefrau | Lena-Sophie Müller |
| Wohnort | Soltau (Niedersachsen) |
Lars Klingbeil: Herkunft, Eltern, Familie – Das Wichtigste über sein Privatleben
Wer Lars Klingbeil verstehen will, muss wissen, woher er kommt. Geboren am 23. Februar 1978 in Soltau (Niedersachsen), wuchs er als Sohn einer Einzelhandelskauffrau und eines Unteroffiziers der Bundeswehr auf.
Schon früh interessierte er sich für Politik, doch zunächst zog es ihn in die Wissenschaft. Nach dem Abitur studierte er Politikwissenschaft, Soziologie und Geschichte in Hannover und verbrachte einige Zeit in den USA. Seine Heimat ließ ihn aber nicht los.
Während viele Politiker Berlin oder andere Metropolen als Lebensmittelpunkt wählen, blieb Klingbeil seiner Heimatstadt Soltau treu. Dort lebt er auch heute noch, wie er auf seiner Webseite schreibt.

Seit 2019 ist er mit Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Digitalisierungsinitiative D21, verheiratet. Für Flitterwochen war bisher keine Zeit. Klingbeil nimmt es gelassen: „Mein Job ist generell nicht ideal für eine Ehe, aber das weiß meine Frau“, sagte er einmal in einem Interview mit der „Rheinpfalz“.
Aber ein Kind haben die beiden inzwischen – und das schon seit dem Sommer 2024. Klingbeil will seinen Sohn aber komplett aus der Öffentlichkeit halten, offenbar weil dem SPD-Chef Gewalt angedroht worden ist. Medienanfragen zu seiner Familie möchte Klingbeil nicht beantworten.
Im April 2025 machte er öffentlich, dass er im Jahr 2014 eine Zungenkrebs-Erkrankung überstanden hat. Im „Alles gesagt?“-Podcast der „Zeit“ sagte Klingbeil, er habe den Krebs damals erst selbst bemerkt und sich dann ärztliche Hilfe gesucht. Es sei „sehr großes Glück gewesen“, dass er erfolgreich behandelt werden konnte. Bislang habe er keinen Rückfall erlitten und gelte als geheilt. Er sprach von einer prägenden Erfahrung.

Lars Klingbeils in der SPD: Die bisherigen Stationen seiner Karriere
Seine ersten Kontakte zur großen Politik knüpfte Lars Klingbeil dort, wo in der SPD die großen Strippen gezogen wurden – im Wahlkreisbüro des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Von 2001 bis 2003 arbeitete er dort sowie im Büro des Bundestagsabgeordneten Heino Wiese, wo er die Mechanismen der Macht kennenlernte und wertvolle Kontakte knüpfte.
Sein erster Sprung auf die bundespolitische Bühne folgte 2005, als er für den zurückgetretenen Jann-Peter Janssen für die SPD in den Bundestag nachrückte. Doch sein Mandat war nur von kurzer Dauer – bei der nächsten Wahl verlor er seinen Sitz wieder. Aufgeben war für Klingbeil allerdings keine Option. 2009 gelang ihm das Comeback. Mit einem klaren politischen Profil und neuen Schwerpunkten, vor allem in der Netzpolitik und der Digitalisierung, machte er sich in der Partei einen Namen.
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Spätestens 2017, als Martin Schulz ihn für den Parteivorsitz nominierte, nahm seine Karriere richtig Fahrt auf. Mit 70,6 Prozent der Stimmen wurde Klingbeil zum SPD-Generalsekretär gewählt – ein Amt, das ihn ins Zentrum der Parteiführung katapultierte. In dieser Funktion organisierte er den Europawahlkampf 2019 und prägte die strategische Neuausrichtung der Sozialdemokraten.
Der endgültige Durchbruch folgte 2021, als er gemeinsam mit Saskia Esken in den SPD-Vorsitz gewählt wurde. Während Esken vor allem die linke Parteibasis repräsentierte, gilt Klingbeil als pragmatischer Stratege, der die verschiedenen Lager zusammenhalten soll. Bei der Bundestagswahl im selben Jahr gewann er zudem das Direktmandat im Wahlkreis Rotenburg I – Heidekreis und bewies damit, dass er nicht nur in der Parteizentrale, sondern auch bei den Wählern punkten konnte.
Im Dezember 2021 legte er schließlich sein Amt als Generalsekretär nieder, um sich ganz auf den Parteivorsitz zu konzentrieren. Sein Nachfolger wurde Kevin Kühnert, der jedoch im Herbst 2024 seinen Rückzug aus der aktiven Politik ankündigte.
Bei seiner Wiederwahl im Juni 2025 erleidet Klingbeil eine herbe Schlappe. Den konservativen Kurs der SPD, auf den Klingbeil die Partei in der Koalition steuert, quittieren die Genossinnen und Genossen mit einem mauen Wahlergebnis: gerade mal 64,9 Prozent wollen ihn als Parteivorsitzenden wiederhaben. Seine Co-Vorsitzende, Bärbel Bas, schafft herausragende 95 Prozent Zustimmung.
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Lars Klingbeil: Für diese Themen setzt sich der Politiker ein
Als Politiker engagiert sich Klingbeil nach wie vor für seine Region und seinen Wahlkreis. Zu seinen Schwerpunkten als Bundestagsabgeordneter gehören der Verteidigungsausschuss, die Digitalisierung und die soziale Gerechtigkeit.
- Digitalisierung: Als Netzpolitiker hat Klingbeil früh erkannt, dass die Digitalisierung die Gesellschaft tiefgreifend verändern wird. Während andere in der SPD dem Thema wenig Aufmerksamkeit schenkten, machte Klingbeil es zu seinem Markenzeichen. Er kämpft für eine moderne digitale Infrastruktur, den flächendeckenden Breitbandausbau und eine stärkere Regulierung der großen Tech-Konzerne. Als Befürworter einer starken europäischen Digitalpolitik fordert er eine klare Linie gegenüber den Technologiegiganten aus den USA und China.
- Verteidigungspolitik: Die Bundeswehr spielt in Klingbeils Leben eine besondere Rolle – sein Vater diente als Unteroffizier, er selbst stand der Armee zunächst kritisch gegenüber. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 änderte sich nach eigenen Angaben seine Einstellung und er setzt sich seitdem für eine Modernisierung der Bundeswehr ein. Als Mitglied des Verteidigungsausschusses setzt er sich für eine bessere Ausrüstung und Finanzierung der Truppe ein. Gleichzeitig verfolgt er eine Strategie, die Sicherheitspolitik mit diplomatischen Lösungen verbindet und die Bündnistreue Deutschlands in der NATO betont.
- Soziale Gerechtigkeit: Neben der Digitalisierung und der Verteidigungspolitik spielt für Klingbeil auch die Sozialpolitik eine große Rolle. In der Debatte um die Hartz-IV-Sanktionen sprach er sich gegen eine komplette Abschaffung aus und plädierte für Reformen – insbesondere für höhere Mietkostenzuschüsse für Betroffene. Ein weiteres Streitthema ist die Abschaffung des Ehegattensplittings für neu geschlossene Ehen. Klingbeil sieht darin ein veraltetes Steuermodell, das Frauen finanziell benachteiligt und traditionelle Rollenbilder zementiert.
Lars Klingbeil privat: Das sind die Hobbys des neuen Fraktionsvorsitzenden
Abseits der Politik gibt es zwei große Leidenschaften in Klingbeils Leben: Musik und Fußball. Als Jugendlicher spielte er als Gitarrist in der Band „Sleeping Silence“, und noch heute stehen in seinem Büro Gitarren bereit, auf denen er in ruhigen Momenten spielt. Musik sei für ihn ein kreatives Ventil, um den Kopf freizubekommen, sagte er gegenüber der „SZ“.
Außerdem schlägt sein Herz für den FC Bayern München. Seit 2022 ist er Mitglied im Verwaltungsbeirat des Vereins und kümmert sich dort insbesondere um die Themen Digitalisierung und Vereinsentwicklung.

Lars Klingbeil steht an einem entscheidenden Punkt seiner politischen Laufbahn. Nach einer steilen Karriere innerhalb der SPD trägt er nun die Verantwortung, die Partei nach ihrer historischen Wahlniederlage bei der Bundestagswahl 2025 (16,4 Prozent) neu auszurichten.
Als Stratege, Netzpolitiker und überzeugter Sozialdemokrat vereint er Pragmatismus mit Gestaltungswillen. Ob es ihm gelingt, die SPD wieder auf Kurs zu bringen, wird nicht nur von seinen politischen Entscheidungen abhängen, sondern auch davon, ob er die Partei hinter sich vereinen kann.






![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)

