„Zum ersten Mal seit 12 Jahren, nach harten Zeiten der Unterdrückung und der Knebelung der Gewissensfreiheit, nach fast sechsjährigem Krieg, erscheint heute wieder eine demokratische Zeitung für Thüringen.“ Das ist der erste Satz im Aufmacher der Thüringischen Landeszeitung am 24. September 1945. Programmatisch steht darüber: „Wiederaufbau durch Demokratie – Auf dem Wege zur Freiheit“.
Thüringische Landeszeitung – ist seit bald 80 Jahren ein Begriff: Als Regionalzeitung bekennt sich die TLZ ganz klar zu Thüringen. 80 Jahre: Das ist eine lange Zeit. Und viele dieser Jahre waren nicht einfach für die Macher dieser Zeitung – vor allem auch politisch. Der Druck war bis 1989 groß. Und inzwischen haben sich neue Feinde der Pressefreiheit formiert. Das Durchgriffsrecht fehlt ihnen zwar, aber die Stoßrichtung wird immer deutlicher.
Zurück zum Anfang: Als „Organ der Demokratischen Partei“ wird die TLZ knapp fünf Monate nach Kriegsende von Weimar aus einer Leserschaft angeboten, die vor großen Herausforderungen steht. Es fehlt an so vielem, zum Teil am Überlebensnotwendigen.
Die „russische Militär-Administration“ ermöglicht der Demokratischen Partei, „ein Sprachrohr in Form einer Zeitung“ herauszugeben. „Über Nacht“, so heißt es in der Ausgabe vom 24. September 1945, hätten „die alten demokratischen Verleger Thüringens und die Schriftleitung dieses Blatt aus dem Nichts geschaffen.“
Achtung der Menschenwürde als vornehmste Verpflichtung
Die Lage ist ernst – und die Erkenntnis über das Unrecht, das über Jahre geschah, ist offensichtlich: In der TLZ vom 24. September 1945 ist die Rede davon, dass eine „rücksichtslose Bestrafung aller derjenigen“ erfolgen muss, „welche an den Verbrechen gegen alle Gesetze der Menschlichkeit schuldig geworden sind. Die Achtung der Menschenwürde ohne Unterschied von Rassen und Klassen muss unsere vornehmste Verpflichtung sein.“ Denen, die diese TLZ herausgeben, steht vor Augen geschrieben, wie unmenschlich gerade auch hier in der Mitte Thüringens gehandelt worden war. Es kann keiner sagen, dass nicht stimme, was die Alliierten zeigen. Denn zu Tausenden hatten sich die Weimarer im April 1945 nach Buchenwald begeben müssen. Die Amerikaner wollten das so: Die Einheimischen sollten mit eigenen Augen sehen, was auf dem Ettersberg Zehntausenden Menschen angetan worden war. Nicht vergessen ist, dass die Thüringer frühzeitig den Nazis zugejubelt hatten und dass nicht wenige von ihnen selbst zu Nazis geworden waren – und dass der Jubel noch anhielt, als längst Krieg war.
In jenem September 1945 herrscht neben all den Unsicherheiten vor allem auch wirtschaftliche Not. Die Ernährungslage sei ernst, heißt es in der neuen Zeitung, die sich für Demokratie und Freiheit stark macht. Es geht um „äußerste Sparsamkeit“ und zugleich um den Wiederaufbau – von Wohnungen, aber auch von „Eisenbahn-, Post- und Telegraphenverkehr“. Große Schäden an der Infrastruktur waren in den letzten Kriegstagen im Frühjahr 1945 verursacht worden – und zwar von eben jenen, die meinten, mit Brückensprengungen die amerikanischen Soldaten aufhalten zu können...

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Als die Thüringische Landeszeitung am 24. September 1945 erscheint, sind die Amerikaner seit fast drei Monate nicht mehr in dieser Region. Wohin der Weg führen wird, ist zu jenem Zeitpunkt so klar nicht abzusehen. Was die Demokratische Partei will, wird umso deutlicher in der Zeitung benannt, nachdem die Herausforderungen ethischer wie materieller Natur angesprochen worden sind: „Diese neue demokratische Tageszeitung hat eine große und wichtige Aufgabe zu erfüllen. Sie soll in ihren Artikeln und Verlautbarungen die Wiedergewinnung der Freiheit nach innen und außen unter Ablehnung jeder nationalen Überheblichkeit fördern. Sie soll in belehrenden und grundlegenden Artikeln der aufrichtigen Mitarbeit an der Sicherung des friedlichen Zusammenlebens der Völker und der Einreihung Deutschlands in die Familie der Nationen dienen.“
Schreiben Sie uns Ihre Geschichte mit der TLZ
Das sind große Worte zum Beginn. Wie die TLZ in all den Jahren ihres Bestehens über große Ereignisse berichtet hat, das ist jeweils samstags in der Reihe „Thüringer Zeitungsgeschehen“ nachzulesen. Uns interessiert in ganz besonderer Weise Ihre Geschichte mit der TLZ: Schreiben Sie uns bitte, was Sie mit dieser Zeitung verbindet und senden Sie dies an: g.sommer@tlz.de
Auf dem Weg zum Jubiläum
Liebe Leserinnen, liebe Leser, die TLZ wird 80 Jahre alt – und wir feiern das mit Ihnen. Bereits auf dem Weg zum Jubiläum haben wir einige Möglichkeiten der Begegnung. Wir wollen mit Ihnen an ganz unterschiedlichen Stellen im Land etwas unternehmen und zugleich das Gespräch suchen. Der erste dieser Lesertreffs zum Jubiläum 80 Jahre TLZ wird bereits am Dienstag, 3. Juni, in Ruhla (Wartburgkreis) stattfinden. Die Gewinner erwartet dort eine exklusive Führung durch das mini-a-thür. Der Freistaat im Kleinformat ist in unmittelbarer Nähe zum Rennsteig angesiedelt. Auf 18.000 Quadratmetern werden detailgetreue Modelle Thüringer Bauwerke gezeigt. Liebevoll gestaltete Alltagsszenen lassen die Modellwelt fast real erscheinen. Wer sich für den Termin in Ruhla interessiert, ist mit etwas Glück dabei. Die Teilnahme am Gewinnspiel ist jetzt möglich: www.tlz.de/service/gewinnspiele
Sie können bei tlz.de zudem schauen, wo es in den kommenden Wochen weitere Lesertreffs gibt – hier ein paar Beispiele:
Am 25. Juli treffen wir uns in Lengenfeld unterm Stein und unternehmen eine kleine Reise auf einer der schönsten Eisenbahnstrecken Deutschlands. Ab Juli wird das Gewinnspiel dafür freigeschaltet. Am 20. August sind wir im Landtag.
Am 29. August geht es nach Gera: Von den dortigen Höhlern haben viele Leser sicher schon gehört, die wenigsten aber werden bereits dort gewesen sein. Wir ermöglichen diesen besonderen Einblick.
Über diese und weitere Lesertreffs zum TLZ-Geburtstag informieren wir fortlaufend.




