Allein schon die Möglichkeit, dass der demokratische Sozialist Zohran Mandani am Dienstag zum neuen Bürgermeister New Yorks gewählt werden konnte, ließ Donald Trump schäumen: „Wenn der kommunistische Kandidat Zohran Mamdani die Wahl zum Bürgermeister von New York City gewinnt, ist es höchst unwahrscheinlich, dass ich meiner geliebten Heimatstadt mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbeträge an Bundesmitteln zukommen lasse“, schrieb der US-Präsident unlängst auf seiner Plattform Truth Social.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Wut des Republikaners kommt nicht von irgendwo – denn der Mann, der nun New York regiert, ist das glatte Gegenteil Trumps: Zohran Mamdani hat keine Eliteschule und kein Ivy League-College besucht. Er geht nicht auf den Golfplatz und kommt häufig auch nicht mit der Limousine, um seine potenziellen Wählerinnen und Wähler zu treffen. Mamdani geht lieber zu Fuß.

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Zohran Mamdani: Trump fühlt sich von meiner Kandidatur bedroht

Und so entgegnete er im Interview mit dem Sender CNN, der US-Präsident fühle sich durch seine Kandidatur bedroht. Genau wie Trump habe er in seinem Wahlkampf die Krise im Leben der New Yorker Arbeiterklasse und die gestiegenen Lebenshaltungskosten adressiert, sagte Mamdani. „Aber im Gegensatz zu ihm werden wir tatsächlich etwas dagegen unternehmen. Und das ist ein Kontrast, den er nicht ertragen kann.“

Mamdani, gerade einmal 34 Jahre alt, gibt sich als Kandidat zum Anfassen und dokumentiert das auch gerne in den sozialen Medien. Dort ist der in Uganda geborene Sohn indischer Einwanderer präsent wie keiner seiner Rivalen, hat 751.000 Follower auf X und sogar 1,8 Millionen auf TikTok. Mamdani und sein Team bespielen die Plattformen virtuos und bringen dabei gekonnt ihre politische Botschaft unters Volk. Die lässt sich als stramm sozialistisch zusammenfassen: Mietpreise einfrieren, Reiche zusätzlich besteuern, kostenlose Kinderbetreuung, kostenlose Busse und städtische Supermärkte mit fairen, bezahlbaren Preisen. Sollte Mamdani am 4. November als Nachfolger des unbeliebten Eric Adams zu New Yorks Bürgermeister gewählt werden, soll sich ein Füllhorn an Wohltaten über die neun Millionen Einwohner der größten Stadt der Vereinigten Staaten ergießen.

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Mamdani versteht sich als Sozialist und hat prominente Unterstützer

Während in weiten Teilen der amerikanischen Bevölkerung der Begriff „Sozialist“ fast als Schimpfwort gilt, heftet ihn sich Mamdani stolz ans Revers. Er ist nicht nur Mitglied der Demokratischen Partei, die im Staat New York eine ihrer Hochburgen hat, sondern auch bei einer Organisation mit dem Namen Demokratische Sozialisten Amerikas, die die kapitalistische Wirtschaftsordnung ablehnt und überwinden will. Die beiden politischen Aushängeschilder der Bewegung sind der greise Senator Bernie Sanders und die junge Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez.

Beide unterstützten Mamdani bei der Vorwahl der Demokraten für die Bürgermeisterwahl, die er klar für sich entscheiden konnte. Mamdani erreichte stolze 43 Prozent der Stimmen – sein schärfster Rivale, der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, auf 36 Prozent. Cuomo war vor knapp vier Jahren wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung als Gouverneur des Bundesstaats New York zurückgetreten. Strafrechtlich verurteilt wurde er jedoch nie.

Andrew M. Cuomo, Candidate for NYC Mayor Election Night in New York
Mamdanis schärfster Konkurrent Andrew Cuomo gestand seine Niederlage in den Vorwahlen der Demokraten ein.© UPI/laif | UPI/laif

Bürgermeister-Wahl in New York: Politische Gegner ziehen Antisemitismus-Karte

Cuomo galt als Kandidat des politischen Establishments, hatte die Unterstützung der Wirtschaftsbosse, von Ex-Präsident Bill Clinton und großen Teilen der Presse. Die konservative „New York Post“ warnt vehement vor einem möglichen Bürgermeister Mamdani, befürchtet gar einen Exodus der rund 350.000 Millionäre der Stadt, die dieser mit einer zusätzlichen Steuer zur Kasse bitten will. So hat er es im Wahlkampf zumindest angekündigt. Selbst die liberale „New York Times“, die vielleicht renommierteste Zeitung der USA, positioniert sich gegen Mamdani. Er sei nicht geeignet, die Probleme der Metropole in den Griff zu bekommen, lautet die redaktionelle Leitlinie des Blattes.

Und dann ist da noch die Antisemitismus-Karte, die politische Gegner bei Mamdani gerne ziehen. Denn der Demokrat setzt sich für die Sache der Palästinenser ein und hat das Vorgehen von Israels Militär im Gazastreifen wiederholt als „Genozid“ bezeichnet. Das MAGA-Netzwerk samt Fanbase von Donald Trump hat sich deshalb schon auf Mamdani eingeschossen. Die rechtsextreme Influencerin Laura Loomer, eine Vertraute Trumps, bezeichnete ihn als „Dschihadisten“ mit „Verbindungen zum Iran“. Beweise oder wenigstens Anhaltspunkte für ihre steile These konnte sie erwartungsgemäß nicht vorlegen.

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Im Gegenteil: Es schien so, als hätte sich ein Großteil der etwa 1,6 Millionen jüdischen Einwohner New Yorks von den vorgetragenen Antisemitismus-Vorwürfen nicht beeindrucken lassen. Bei den Vorwahl der Demokraten erreichte Mamdani selbst in stark jüdisch geprägten Vierteln bereits bis zu 70 Prozent der Stimmen.

Demokraten blicken gespannt auf Wahl in New York

Allerdings war die Entscheidung über den nächsten New Yorker Bürgermeister bis zum Schluss offen. Cuomo trat bei der Wahl als unabhängiger Kandidat an – unterstützt unter anderem von Trump. „Ob Sie Andrew Cuomo persönlich mögen oder nicht, Sie haben wirklich keine Wahl. Sie müssen für ihn stimmen und hoffen, dass er einen fantastischen Job macht“, schrieb der Präsident über den wohlgemerkt demokratischen Politiker. Doch im Kampf gegen Mamdani scheinen solche Kleinigkeiten am Ende egal – erst recht, da der republikanische Kandidat Curtis Sliwa quasi chancenlos war.

Interessant ist diese Wahl aber nicht nur für die New Yorker. Auch die Demokraten im Rest des Landes haben gespannt beobachten, ob die Menschen bereit sind, einem weit links stehenden Kandidaten zu einem hohen Amt zu verhelfen. Und das waren sie. Dennoch bleiben Zweifel, ob diese Erfolg eine Blaupause und ein Signal an die Partei sind, weiter nach links zu rücken. New York City ist und bleibt ein Sonderfall in den USA. In der Stadt, die niemals schläft, ticken die Uhren nämlich anders als im Rest des Landes.