Ein Flugzeug mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an Bord ist mutmaßlich Ziel einer absichtlichen Störung des satellitenbasierten Navigationssystems GPS durch Russland geworden. Das teilte eine Sprecherin der Europäischen Kommission in Brüssel mit. „Wir können bestätigen, dass es GPS-Jamming gab“, sagte die Sprecherin der Europäischen Kommission über den Vorfall am Sonntag in Bulgarien. Demnach vermuten die bulgarischen Behörden, dass die Störung durch Russland ausgeführt wurde. Beim GPS-Jamming wird der Empfang des Satellitensignals gestört.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Als von der Leyens Flugzeug nahe der Stadt Plovdiv landen sollte, fielen rund um den Flughafen alle GPS-Dienste aus, hatte bereits zuvor die „Financial Times“ unter Berufung auf mehrere Beamte berichtet.

„Im gesamten Flughafenbereich war das GPS ausgefallen“, sagte einer der Beamten der Zeitung. Der Pilot sei erst eine Stunde über dem Flughafen gekreist und schließlich mittels analoger Karten gelandet. „Es handelte sich eindeutig um eine Einmischung.“ Zu Schaden kam offenbar niemand.

Lebensgefahr bestand nach Angaben des Flughafendirektors für die Insassen nicht. Demnach ist es in der Regel unproblematisch, den Airport in Plowdiw ohne GPS anzufliegen. Es sei Routine, dass, wenn es Probleme mit dem einen Landesystem gebe, ein anderes eingesetzt werde, sagte Krassimir Peschew im Staatsrundfunk. In diesem Fall sei es das Instrumentenlandesystem (ILS) gewesen. Der Flug und die Landung des Flugzeugs mit von der Leyen an Bord habe trotz des Zwischenfalls keine Sorgen bereitet. Peschew sagte weiter, er habe den Flug am Radar mitverfolgt.

Bundeswehrgeneral: „Stehen immer wieder unter Sabotage“

Der deutsche Generalinsepekteur Carsten Breuer sagte später am Montag vor Journalisten, er habe russisches GPS-Jamming ebenfalls erlebt, bei einem Flug über die Ostsee. Die Piloten hätten in der Regel die Möglichkeit, das dann zu umgehen und seien sehr sicher in ihren Verfahren, sagte er. Unklar blieb, ob die Störaktionen gezielt ihm galten oder großflächiger angelegt waren.

Breuer sagte, losgelöst von diesem Fall müsse klar sein: „Wir stehen zurzeit immer wieder unter Sabotage, unter Spionage und wir unterliegen auch hybrider Einflussnahme, hybriden Aktionen, die können wir ganz häufig auf staatliche Akteure und dabei dann sehr häufig auch auf Russland zurückführen.“ GPS-Störungen seien an der Tagesordnung sowohl gegen militärische als auch zivile Ziele, ergänzte Marine-Inspekteur Jan Christian Kaack.

GPS-Störung durch Russland: Auch kommerzielle Flüge betroffen

Aus dem Kreml gibt es bislang keine Reaktion auf den Vorfall. Es wäre allerdings nicht die erste GPS-Attacke, die auf das Konto Russlands geht. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine haben sich ähnliche Vorfälle gemehrt.

Aktuelle News zum Ukraine-Krieg

Ende April etwa mussten zwei Finnair-Flugzeuge umgeleitet werden, nachdem GPS-Störungen den Landeanflug auf Tartu verhindert hatten. Es handelt sich um einen von wenigen Flughäfen in der Region, an denen dafür eine GPS-Verbindung erforderlich ist.

Die Sprecherin der EU-Kommission wollte jedoch zunächst keine russische Einmischung bestätigen. Sie ergänzte lediglich allgemein zu dem Vorfall, die EU-Kommission sei sich bewusst, dass Drohungen und Einschüchterungen ein regelmäßiger Bestandteil von Russlands feindlichem Vorgehen seien. Vorfälle wie dieser stärkten allerdings nur die Entschlossenheit, die Verteidigungsfähigkeiten auszubauen und die Unterstützung für die Ukraine zu verstärken.

Ursula von der Leyen besuchte in den vergangenen Tagen mehrere Staaten im Norden und Osten der EU. In Bulgarien hatte sie am Sonntag unter anderem ein Treffen mit Ministerpräsident Rossen Scheljaskow über Themen der europäischen Sicherheit und Verteidigung.

lro mit dpa