Es sind verstörende Bilder aus dem Reich der Mitte: Die Präsidenten Chinas und Russlands verkünden das Ende der westlich dominierten Weltordnung, mit dabei sind nicht nur die Führer bislang isolierter Diktaturen wie Nordkorea und Iran, sondern auch der indische Präsident Modi, auf den man im Westen große Hoffnungen setzte. Gastgeber Xi Jinping nutzt die Anwesenheit von 20 Staatschefs, um in sorgfältiger Inszenierung den Eindruck einer globalen Machtverschiebung zu verbreiten. Das müssen die Europäer und ihre Verbündeten ernst nehmen. Aber sie sollten sich auch nicht täuschen lassen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In China versammelte sich ein loser Zweckverband, kein festes Bündnis und schon gar nicht eine Gegenallianz zur Nato. Der enge Schulterschluss von Putin und Xi ist für den Westen eine sicherheitspolitische Herausforderung, der große Rest ist mehr Schein als Sein: Die vorwiegend autokratisch bis diktatorisch regierten Länder sind nicht durch gemeinsame Werte und Visionen geeint, sondern nur in der Ablehnung universeller Prinzipien und in der Abwehr jeder Einmischung von außen etwa zu Menschenrechten.

Redaktionsvorstellung Hamburger Abendblatt / Bergedorfer Zeitung / ZRB
 Christian Kerl, Korrespondent. © HA | HA

Aber hinter der Fassade neuer Annäherung bestehen weiterhin tiefe wirtschaftliche und militärische Rivalitäten, vor allem zwischen China und Indien. Peking demonstriert allerdings, wie man sich Respekt verschafft, auch wenn man kaum verlässliche Freunde hat. Der große Verlierer sitzt in Washington: US-Präsident Trump hat in Asien Staaten wie Indien nicht nur mit seiner eigenwilligen Zollpolitik verprellt. Premier Modi reagiert anders als die Europäer nicht mit Unterwürfigkeit, sondern demonstriert, dass er auf Amerika nicht angewiesen ist. Auf die USA unter Trump ist kein Verlass mehr, deshalb schauen sich immer mehr Staaten woanders um.