Florida will als erster US-Bundesstaat die Impfpflicht für Schulkinder abschaffen. Das gab der Direktor des öffentlichen Gesundheitsdienstes von Florida, Dr. Joseph Ladapo, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz bekannt. Ladapo nannte die Vorschriften für den Schulbesuch eine „unmoralische“ Einmischung in die Rechte von Eltern, über die Gesundheit ihrer Kinder zu entscheiden. Auch andere Impfvorschriften außerhalb von Schulen sollen in Gänze wegfallen.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
„Die Menschen haben das Recht, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, fundierte Entscheidungen“, zitiert die Nachrichtenagentur „AP“ Ladapo. „Sie haben nicht das Recht, dir vorzuschreiben, was du deinem Körper zuführen sollst.“
Bisher mussten Schulkinder in Florida gegen vermeidbare Krankheiten wie Masern, Mumps, Windpocken, Kinderlähmung und Hepatitis geimpft sein. Grundsätzlich gibt es in allen US-Bundesstaaten Impfvorschriften für den Besuch öffentlicher Schulen. Allerdings teilweise spezifische Ausnahmen, die je nach Bundesstaat unterschiedlich sind.
News aus den USA
Abschaffung von Impfpflicht mit „Sklaverei“ und „Gott“ begründet
In der Pressekonferenz verglich Ladapo die Impfvorschriften mit Sklaverei: „Jede einzelne von ihnen ist falsch und trieft vor Verachtung und Sklaverei.“ Ladapo erwarte, dass der Schritt den „Segen Gottes“ erhalten werde. „Dein Körper ist ein Geschenk Gottes“, sagte er. „Was du in deinen Körper gibst, hängt von deiner Beziehung zu deinem Körper und deinem Gott ab. Ich habe dieses Recht nicht.“
An der Bekanntmachung nahm auch der republikanische Gouverneur von Florida, Ron de Santis, teil. De Santis wählte den Arzt Dr. Ladapo persönlich für die Rolle als sogenannten „State Surgeon General“ aus, der in einem US-Bundesstaat ranghöchste Gesundheitsbeamte. Zu seinen Aufgaben gehören die Leitung von Gesundheitsprogrammen sowie die Koordination von Präventions- und Krisenmaßnahmen.
Ladapos Vorstoß reiht sich ein in die unter Donald Trump verbreitete Skepsis gegenüber der Sicherheit von Impfstoffen. Insbesondere Bundesgesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. wird immer wieder vorgeworfen, Zweifel an Impfungen zu streuen und insbesondere die Impfkampagne gegen Masern unterwandert zu haben. Er vertrat in der Vergangenheit auch die These, Impfungen riefen Autismus hervor. Dieses Gerücht ist wissenschaftlich widerlegt.
Auch interessant
Gesundheitsexperten warnen vor schweren Ausbrüchen durch fehlende Impfungen
Auch Ladapo selbst wurde bereits vor seiner Einsetzung als oberster Gesundheitsbeamter Floridas von Gesundheitsexperten für die Verbreitung von Desinformationen kritisiert. So soll er Medienberichten zufolge die Daten einer Corona-Impfstoff-Studie aus dem Jahr 2022 so verändert haben, dass das Risiko von Impfungen für junge Männer deutlich höher schien.
Experten des öffentlichen Gesundheitswesens warnten, dass die Abschaffung der Impfpflicht schwere Ausbrüche bei Kindern und Menschen mit geschwächtem Immunsystem auslösen könnte. Zuletzt machten mehrere ehemalige Leiter der US-Gesundheitsbehörde CDC die unter Kennedy verbreitete Impfskepsis für den Masernausbruch in den USA verantwortlich. „Kennedy gefährdet die Gesundheit aller Amerikaner“, erklärten die neun ehemaligen CDC-Chefs in einem am Montag veröffentlichten Gastbeitrag in der „New York Times“.
os









