Grünen-Politiker Anton Hofreiter würde im Ernstfall selbst zur Waffe greifen, um Deutschland gegen eine militärische Bedrohung zu verteidigen. „Wenn es hart auf hart kommt, würde ich natürlich mein Land verteidigen“, sagte Hofreiter im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ dieser Redaktion. Er sei nie Pazifist gewesen und habe auch biografisch eine gewisse Erfahrung mit bewaffneten Auseinandersetzungen, berichtete Hofreiter im Hinblick auf seine Zeit vor der Bundespolitik. Für seine Biologie-Promotion war er damals unter anderem in entlegenen südamerikanischen Bergregenwäldern unterwegs, mit „Rucksack und Machete“. Dort sei er auch überfallen worden – „am Ende haben sie die Kamera nie gekriegt.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Hofreiter ist seit 2021 Vorsitzender des Europaausschusses im Bundestag und seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 einer der lautstärksten Unterstützer des angegriffenen Landes. Diskussion darüber, ob man im Falle eines Angriffs kämpft, werden in Deutschland aus einer „sehr privilegierten“ Position herausgeführt, findet der 55-Jährige. „Wenn man sicher überleben will, wenn eine Armee wie Russland kommt, muss man weg. Oder man kämpft und hält sie auf.“ Ein Mensch im Osten der Ukraine habe nicht dieselbe Möglichkeit zu sagen, er kämpfe nicht, sagte Hofreiter. „Der hat eine andere Wahl: fliehen, sterben oder kämpfen.“

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#24 Anton Hofreiter über Bombennächte in Kiew, Markus Söder und lange Haare in der Politik
Meine schwerste Entscheidung
 

Hofreiter: Mehrere „sehr gefährliche Situationen“ nach Söder-Aussage über die Grünen

Er selbst sei als junger Mann für untauglich erklärt worden, weil ein Bein vier Zentimeter länger ist als das andere. Wäre er nicht ausgemustert worden, hätte er damals vermutlich verweigert, sagte Hofreiter im Podcast. Wie er sich heute in derselben Situation entscheiden würde, wisse er nicht.

Eine gewisse Wehrhaftigkeit war für Hofreiter auch in seinem politischen Leben schon nützlich. Wenn jemand wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sage, die Grünen gehörten nicht zu Bayern, dann habe das Auswirkungen, sagte Hofreiter. Zwar habe er damals größtenteils Zuspruch erfahren. Aber es habe einige wenige gegeben, die sich durch Söders Aussage ermutigt gefühlt hätten. „Da hatte ich mehrere einfach wirklich sehr gefährliche Situationen, wo ich mir dachte, jetzt kommt's gleich zur Schlägerei“, erinnerte sich Hofreiter. „Und wenn du ein kleines Kind dabei hast, dann ist es halt noch mal unangenehmer.“ Hofreiter hat einen kleinen Sohn. Ein halbes Jahr lang sei Bayern im Landtagswahlkampf 2023 „ein unsicheres Land“ für ihn gewesen, so Hofreiter, der aus dem Münchner Umland stammt. Inzwischen sei das zum Glück wieder anders.

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Als seine schwerste biografische Entscheidung nannte Hofreiter im Podcast den Entschluss, die Wissenschaft zugunsten der Politik hinter sich zu lassen. Als er 2005 zum ersten Mal in den Bundestag gewählt wurde, hatte er eigentlich eine wissenschaftliche Stelle im dänischen Aarhus in Aussicht. Die habe er dann absagen müssen mit Verweis auf seine Wahl ins Parlament. „Die haben dann so sinngemäß zurückgeschrieben, ob ich betrunken wäre“, erinnerte sich Hofreiter. Endgültig ließ er die Forschung aber erst zwei Jahre später hinter sich. Bis dahin hatte er parallel zu seinem Mandat auch noch wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht.

Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie hier hören und auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag