Der Fall des Messerangriffs eines 17-jährigen Schülers auf eine Lehrerin am Essener Berufskolleg im Bildungspark nimmt möglicherweise eine völlig neue Wendung. Wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags bekannt gab, wird ein religiöses Motiv für die Bluttat nicht mehr ausgeschlossen.

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„Der Staatsschutz ist in die Mordkommission eingebunden“, sagte Reul. Die Staatsanwaltschaft Essen habe auch die Zentralstelle für Terrorismusbekämpfung (ZenTer) bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf und den Generalbundesanwalt (GBA) informiert.
Hintergrund der Neubewertung sei die erste Auswertung sichergestellter Datenträger. Daran ließen sich „Hinweise auf eine religiös motivierte Tat erkennen“, so Reul. Es gehe insbesondere um Videos, die der Tatverdächtige angefertigt habe.
Messerattacke auf Lehrerin in Essen: 17-Jährige für weitere Tat verantwortlich
Der 17-jährige Kosovare soll zudem möglicherweise eine weitere Messertat in Essen begangen haben: Auf dem Weg zur Schule soll er einen Obdachlosen an einer Bushaltestelle im Essener Ostviertel lebensgefährlich verletzt haben. Die Polizei hatte den Fall am Montag (8.9.) gemeldet, ohne bislang den Zusammenhang mit der Attacke am Berufskolleg ziehen zu können. Der Innenminister sagte am Donnerstag: „Erste Erkenntnisse sprechen hier für eine Verbindung.“

Der Obdachlose war mit einem Messer in den Rücken gestochen worden, während er an einer Bushaltestelle saß. Dort muss noch Stunden gesessen haben, ehe er in einen Bus nach Gelsenkirchen stieg. Er klagte während der Fahrt über so starke Schmerzen, dass der Busfahrer einen Notarzt rief. Der 44-Jährige musste operiert werden.
17-Jähriger hat polizeiliche Vergangenheit: Bedrohung, gefährliche Körperverletzung, Kinderpornografie
Dem Staatsschutz war der 17-Jährige vor der Tat offenbar als potenzieller Terrorist nicht bekannt. Allerdings ist er polizeilich in der Vergangenheit wegen Bedrohung, Verstoß gegen das Waffengesetz, gefährlicher Körperverletzung und des Besitzes von Kinderpornografie aufgefallen.
Im Rahmen von Verhaltensauffälligkeiten in seiner damaligen Schule war der Jugendliche im Frühjahr 2023 sogar Thema in einem Beobachtungs- und Feststellungsbericht des polizeilichen Früherkennungsprogramms „PeRiskoP“. Die Essener Polizei hatte damals eine Fallkonferenz mit der vorherigen Schule des Jugendlichen und dem Jugendamt der Stadt abgehalten und ihn als „Person mit Risikopotential“ eingestuft.
Fatale Fehlentscheidung der Essener Polizei?
Nachdem er aber vier Monate polizeilich nicht mehr in Erscheinung getreten war und die Familie des Jungen mit dem Essener Jugendamt kooperierte, wurde das Risiko einer zielgerichteten Gewalttat als unwahrscheinlich eingeschätzt. Im August 2023 erfolgte dann die „Ausstufung“ als Person mit Risikopotenzial.
Eine fatale Fehleinschätzung? Das Landeskriminalamt werde diese Entscheidung der Essener Polizei „nun noch einmal überprüfen“, kündigte Reul an. Zumal bei dem heute 17-Jährigen 2024 noch einmal eine Bedrohung und im April sogar eine gefährliche Körperverletzung aktenkundig wurden.
17-Jähriger war erst seit zwei Wochen Schüler des Essener Berufskollegs
Am Mittwoch (10.9) hatte NRW-Schulministerin Dorothee Feller bereits bestätigt, dass der 17-Jährige erst seit zwei Wochen Schüler des Essener Berufskollegs war. „Der Täter hat zunächst eine Hauptschule besucht. Dann wechselte er an ein anderes Berufskolleg, verließ dort die Schule ohne Abschluss und war nicht mehr schulpflichtig“, sagte die Ministerin im Schulausschuss des Landtags.
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Der Täter hatte am Freitag (5.9.) gegen 9.20 Uhr zum Ende der Pause eine 45 Jahre alte Lehrerin mit einem Messer in den Bauch gestochen und schwer verletzt. Anschließend flüchtete er; die Polizei fahndete mit einem Großaufgebot, Drohnen und Hubschrauber. Mehrere Stunden lang mussten hunderte Schüler des Berufskollegs im Gebäude ausharren. Zu Beginn war unklar, wo sich der Täter aufhält.
Essens Oberbürgermeister fordert konsequentes Vorgehen gegen Messer
Knapp zwei Stunden nach der Tat konnten Polizisten den 17-Jährigen in einem Park in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs stellen. Weil er die Beamten mit seinem Messer angriff, wurde der Täter niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. Wegen seines gesundheitlichen Zustands wurde ihm erst am Sonntag im Krankenhaus der Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verkündet.
Nach der Tat hatte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen angekündigt, „dem Messer den Kampf anzusagen“. Man müsse „die Spirale durchbrechen“, dass junge Männer mit Messern als Statussymbol prahlen. Kufen fordert, dass alle Schulen konsequent ein Verbot gefährlicher Gegenstände in ihren Hausordnungen verankern, um Taschen der Schülerinnen und Schüler kontrollieren zu können.




