Schon wieder ein schwerer Rückschlag für Keir Starmer. Am Donnerstag sah er sich gezwungen, Peter Mandelson als britischen Botschafter in Washington zu feuern.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Enthüllungen über seine enge Freundschaft mit Jeffrey Epstein hatten Mandelson zunehmend in Bedrängnis gebracht, Forderungen nach seiner Demission waren immer lauter geworden. Die Entlassung erfolgt nur wenige Tage nachdem Starmers stellvertretende Premierministerin Angela Rayner aufgrund eines Steuerskandals zurücktreten musste. Der Zeitpunkt ist zudem für die Regierung sehr ungünstig: Nächste Woche wird Donald Trump auf Staatsvisite nach London kommen.
War Epstein sein „bester Freund“?
Dass Mandelson, seit Jahrzehnten einer der prominentesten Labour-Politiker, ein Vertrauter Epsteins war, soviel wusste man bereits. Aber in den vergangenen Tagen sind Informationen ans Licht gekommen, die zeigen, wie freundschaftlich das Verhältnis tatsächlich war.
Zunächst publizierten die US-Behörden am Montag das Geburtstagsbuch, das die Epstein-Komplizin Ghislaine Maxwell 2003 für den 50. Geburtstag des Finanziers zusammenstellen ließ. Mandelsons Beitrag ist ein 10-seitiger Tribut, in dem er Epstein als „besten Freund“ bezeichnet.
Ich halte große Stücke auf dich
Peter Mandelson, in einer E-Mail an Jeffrey Epstein
Schwerer wiegen die E-Mails, die das Nachrichtenportal „Bloomberg“ am Mittwoch publizierte. Kurz bevor Epstein 2008 zum ersten Mal wegen Sexualdelikten ins Gefängnis ging, schickte ihm Mandelson eine Nachricht, in der er sich über die Ungerechtigkeit der Verurteilung echauffierte. „Ich kann es kaum verstehen“, schrieb er. Epstein müsse jetzt „unglaublich stark bleiben“ und für eine frühzeitige Entlassung kämpfen. „Ich halte große Stücke auf dich“, schwärmte Mandelson.
Starmer ließ sich sich Zeit, bevor er den Botschafter schasste. Noch am Mittwoch sagte er, er habe „volles Vertrauen“ in Mandelson. Am nächsten Tag hatte er es sich anders überlegt. Angesichts der Enthüllungen „hat der Premierminister die Außenministerin gebeten, [Mandelson] als Botschafter in den Verteinigen Staaten abzuziehen“, sagte Stephen Doughty, Staatsminister im Außenminsterium, am Donnerstagvormittag. Offenbar sei „Lord Mandelsons Beziehung mit Jeffrey Epstein wesentlich anders gewesen, als es zum Zeitpunkt seiner Berufung bekannt war.“
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Aber die Sache dürfte damit noch nicht vorbei sein. Oppositionspolitiker von der Tory-Partei wollen wissen, warum Mandelson überhaupt zum Botschafter ernannt wurde. Sie fordern, dass die Regierung alle Unterlagen zum Prüfverfahren von Mandelson publiziert – wie jeder Amtsträger wurde Mandelson vor seiner Ernennung im Dezember 2024 auf Tauglichkeit abgeklopft.
Auch der Labour-Abgeordnete Andy McDonald, der den Rücktritt Mandelsons begrüßte, forderte eine Aufklärung. „Offensichtlich hat der Amtseinsetzungsprozess diese Probleme übersehen“. Es müsse untersucht werden, warum sie den Verantwortlichen durch die Lappen gegangen seien.

Starmer-Kritiker sehen sich bestätigt
Für Keir Starmer ist der Fall Mandelson ein Fiasko. Ungläubig fragen sich britische Medien, warum er dem Botschafter zunächst die Stange hielt, nur um ihn kurz darauf fallenzulassen. Auch hätte die Enlassung nicht zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen können: Die Entlassung Mandelsons kommt nur wenige Tage vor dem Staatsbesuch Donald Trumps in London.
Der Botschafter hätte während der Feierlichkeiten eigentlich eine wichtige Rolle spielen sollen, er war im britisch-amerikanischen Austausch eine Schlüsselfigur. Noch am Dienstag unterhielt er sich eine gute Stunde lang mit Trump im Weißen Haus. Jetzt droht der Skandal um Epstein den Besuch zu überschatten.
Starmers Kritiker – die man zunehmend auch auf den Labour-Bänken im Unterhaus findet – sehen sich in ihrer Einschätzung bestätigt, dass dem Premierminister die Kontrolle über seine Regierung zunehmend entgleitet.







