Es gibt gute Gründe, Charlie Kirks Positionen zu verachten. Der junge Amerikaner bediente rassistische Stereotype, er war ein christlicher Radikaler, wetterte gegen die Rechte queerer Menschen. Kirk war Teil der Bewegung um US-Präsident Donald Trump, der sein Land in einen Zustand des „mentalen Bürgerkriegs“ geführt hat.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Das muss man schreiben. Denn es geht nicht darum, seine Hasspredigt zu verharmlosen. Nun ist Charlie Kirk tot, erschossen auf offener Bühne in einer Diskussion von etlichen, die er auf öffentlichen Plätzen der US-Universitäten führte. Die Ermordung ist fatal. Und traurig. Es ist diese politische Gewalt, die nun auch all jene mit Wucht trifft, die selbst Ziel von Kirks Attacken waren: Schwarze, Linke, Schwule. Die USA waren schon in den vergangenen Monaten zu einem unsicheren Land gewachsen. Es ist nun an einem Kipppunkt.

Der junge rechte US-Aktivist wird bei einem Auftritt vor einer Menschenmenge an einer Universität erschossen - entsprechend viele Aufnahmen gibt es von dem Event. Darauf bauen nun die Ermittler.

Kirk, davon ist auszugehen, wurde aus politischen Motiven getötet – aus Hass. Sein Tod steht in einer Reihe von politischen Attentaten, die Amerika erschüttern. Der Mord an der Demokratin Melissa Hortman und ihrem Mann. Das Attentat auf den Demokraten John Hoffman – der Schuss auf Präsident Trump selbst, der sein Ohr streifte. Die Liste jüngster politischer Anschläge ist noch länger.

Es kommentiert: Politikredakteur Christian Unger.
Es kommentiert: Politikredakteur Christian Unger.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Die USA sind das Land der Waffengewalt. Kirk – ein politisches Talent – verteidigte selbst das Recht auf Schusswaffen mit schärfster Rhetorik. Die USA sind aber auch das Land der Debatten, der Redekunst – der radikalen Meinungsfreiheit. Das Land ist Vorbild, auch für Deutschland, das Demokratie nach den Verbrechen der Nazis erst lernen musste.

Die USA verlieren mehr und mehr ihre Debattenkultur. Die Kultur der Gewalt droht zu siegen. Das macht Angst. Denn Amerika entzieht sich selbst die Sogkraft der Demokratie, die weltweit vielen Menschen Mut und Kraft zu politischem Engagement gegeben hat. Gewalt schüchtert ein, zerstört das Lebhafte der Demokratie. Die USA müssen zurückfinden zu dem, was sie eint – egal ob links oder rechts, schwarz oder weiß: den Schutz des Individuums, seiner Rechte und seiner Freiheit.