Die AfD macht sich jetzt im Westen breit, ausgerechnet im Ruhrgebiet. In dieser Ansammlung von mittelgroßen Städten, dicht an dicht, wo Menschen aus der Türkei, aus Italien, aus Polen ihre Heimat fanden, wo sich Generationen von Einwanderern in ihren Stadtteilen integrierten und beruflich etablierten. Das Ruhrgebiet steht wie kaum eine andere Region in Deutschland für die soziale Durchlässigkeit der Gesellschaft.
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Und nun droht Städten wie Gelsenkirchen bei den Kommunalwahlen in NRW am kommenden Sonntag ein Erdrutschsieg der in weiten Teilen rechtsextremen AfD. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass ihre Bürgermeister-Kandidaten die absolute Mehrheit holen. Aber sie könnten in die Stichwahl kommen und damit dem weltoffenen Image einen schweren Schaden zufügen.

Die Frage ist: Wie konnte es eigentlich soweit kommen, dass ausgerechnet in Deutschlands Schmelztiegel AfD-Kandidaten von weiten Teilen der Bevölkerung als wählbar für das Bürgermeisteramt angesehen werden?
Vernagelte Ladenlokale, überbelegte Schrottimmobilien, Müll
Tatsächlich sind die Kommunen heillos überfordert. Vernagelte Ladenlokale, heillos überbelegte Schrottimmobilien und Müll prägen Straßenzüge in bestimmten Vierteln in Gelsenkirchen, Duisburg oder dem Essener Norden. Wo früher ein reger Kulturmix den Reiz ausmachte, sind Parallelgesellschaften entstanden. In einem Gymnasium wird ernsthaft debattiert, ob der Abiball geschlechtergetrennt stattfindet. Mädchen berichten, sie trauen sich nur mit Kopftuch in die Schule. Wer mit den Menschen vor Ort spricht, hört oft genug: „Das ist nicht mehr meine Stadt.“

Bürgermeister kamen und gingen, oft von der SPD, aber auch von der CDU. Die Entwicklung haben sie alle nicht aufhalten können, so die Erfahrung der Wählerinnen und Wähler. Dass jetzt das harte Herz gegen Multi-Kulti Oberhand gewinnen könnte: Es passt einfach nicht zum Ruhrgebiet. Wahrscheinlich werden sich genügend Menschen noch rechtzeitig besinnen. Die künftig Verantwortlichen in den Kommunen müssen sich dann aber darüber klar werden: Das war womöglich der letzte Warnschuss.



