Es ist eine echte Erfolgsmeldung: Die Weltwetterorganisation erklärte am Dienstag, dass das Ozonloch 2024 kleiner war als in den Jahren 2020 bis 2023. Und nicht nur das: Es lag auch unter dem durchschnittlichen Wert der Jahre 1990 bis 2020. Das ist eine Errungenschaft des Umweltschutzes – und hat auch etwas mit dem Klimawandel zu tun. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Was ist das Ozonloch?

Etwa 15 bis 50 Kilometer über der Erde findet sich in der Atmosphäre eine vergleichsweise hohe Konzentration von Ozon – die sogenannte Ozon-Schicht. Die Ozon-Teilchen spielen dort eine wichtige Rolle, weil sie die ankommende UV-C Strahlung der Sonne blockieren und auch große Teile der UV-B-Strahlung abfangen. So schützen sie Lebewesen auf der Erde vor deren schädlichen Auswirkungen.

In den 1970er Jahre aber stellten Forscherinnen und Forscher zum ersten Mal fest, dass diese Schutzschicht Schaden nimmt. Die Ursache: Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW), die vor allem als Kühl- und Treibmittel verwendet wurden. Sie fanden Anwendung unter anderem in Kühlschränken und Spraydosen – und ihren Weg in die Atmosphäre.

„In der Atmosphäre wird ständig rein natürlich sowohl Ozon erzeugt als auch vernichtet und auch über große Entfernungen hinweg transportiert“, sagt Peter von der Gathen, Atmosphärenphysiker am Alfred-Wegener-Institut. Dabei würden sich saisonal und lokal Gleichgewichte im Ozongehalt herausbilden. „Die Abbauprodukte der FCKWs, im wesentlichen Chlor, greifen in diese Gleichgewichte ein, in dem sie den Ozonabbau verstärken“, erklärt von der Gathen. Und das tun sie wegen der niedrigen Temperaturen verstärkt über den Polen, insbesondere in der Antarktis. So entstand das  Ozonloch, das Mitte der 1980er entdeckt wurde und sich seitdem im antarktischen Frühling immer wieder auftut.

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Warum schließt sich das Ozonloch?

Weil die Chemikalien, die die Ozonschicht durchlöchert haben, nicht mehr produziert werden dürfen. 1987 unterzeichneten die ersten 24 Staaten und die Europäische Gemeinschaft das Montreal-Protokoll, das die Vertragsstaaten dazu verpflichtete, die Verwendung von FCKW und anderen ozonschädigenden Stoffen zu reduzieren. Über die Jahre wurde das Abkommen immer weiter verschärft, und weitere Vertragsstaaten traten bei.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Das Abkommen ist nach Ansicht der WMO der zentrale Grund, warum sich die Ozonschicht seitdem erholt: Durch seine Bestimmungen wurden nach Angaben der Weltwetterorganisation bis heute mehr als 99 Prozent der kontrollierten, ozonschädigenden Stoffe aus dem Verkehr gezogen. „Infolgedessen wird sich die Ozonschicht bis Mitte dieses Jahrhunderts voraussichtlich wieder auf das Niveau der 1980er Jahre erholen“, heißt es von der WMO. Nach einer Analyse aus dem Jahr 2022 dürfte die vollständige Erholung über der Arktis 2045 erreicht sein, über der Antarktis im Jahr 2066.

Global warming, climate change. Ozone hole. Aerial view of the sun above the clouds, space stratosphere. Mountain relief
Die Ozonschicht in der Stratosphäre repariert sich selbst.© iStock | Naeblys

Wie hängt das mit dem Klimawandel zusammen?

Auch die Klimakrise hat Auswirkungen auf die Ozonschicht. „Der Klimawandel führt im Allgemeinen in den oberen Atmosphärenschichten zu tieferen Temperaturen, also entgegengesetzt zum bodennahen Trend“, sagt von der Gathen. Das verändere die Chemie der Ozonzerstörung und -bildung so, dass in Zukunft mehr Ozon erzeugt wird. „In dieser Hinsicht wirkt sich der Klimawandel also positiv aus.“

Doch es gibt auch einen gegenteiligen Effekt. Eine 2023 veröffentlichte Studie der US-Universität MIT arbeitete heraus, dass verheerende Waldbrände in Australien zum Jahreswechsel 2019/2020 das Ozonloch über der Antarktis im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent vergrößerten. Rauchpartikel der Feuer waren bis in die Höhe der Ozonschicht aufgestiegen und hatten sie beschädigt. „Wenn sich solche Ereignisse durch den Klimawandel verstärken sollten, wird das auch entsprechend einen negativen Einfluss auf die Ozonschicht haben“, sagt der Wissenschaftler.

Welche Folgen hat eine schwache Ozonschicht?

Eine dünne Ozonschicht bedeutet, dass mehr schädliche UV-Strahlung der Sonne auf die Erde gelangt. Das kann bei Menschen Hautschäden oder Hautkrebs auslösen, ebenso wie Grauen Star. Pflanzen werden ebenfalls geschädigt.

Dass das Ozonloch kleiner wird, ist deshalb eine gute Nachricht, sagt Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz, dieser Redaktion. „Dennoch beobachten wir in Deutschland seit 1997 eine tendenzielle Zunahme der UV-Belastung.“ Das liege hauptsächlich an häufigeren Hochdrucklagen, deretwegen es weniger Bewölkung gibt. Trotz der sich reparierenden Ozonschicht rät sie deshalb weiter zu Vorsicht. „Ein effektiver UV-Schutz bleibt weiterhin unerlässlich, um Hautkrebs und anderen UV-bedingten Erkrankungen vorzubeugen.“

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Was kann man daraus lernen?

Unter Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, aber auch unter politischen Beobachtern gilt das weltweite Verbot von FCKW zum Schutz der Ozonschicht als eine Erfolgsgeschichte – aus der man auch Lehren für den Kampf gegen den Klimawandel ziehen kann. Das Verbot auf Basis eines UN-Abkommens zeige: „Wenn alle mitziehen, können nicht nur lokale Umweltprobleme bekämpft werden, sondern auch globale“, sagt Jan-Niclas Gesenhues, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. „Das Schlechtreden von Umweltdiplomatie, das wir jetzt zum Teil erleben, hat keine Grundlage.“ Beim Klimaschutz werde der Weg gerade „steiniger“, und nach Ansicht des Grünen-Politikers steht die Bundesregierung hier auf der Bremse. „Trotzdem kann es hier auch funktionieren.“