Es ist zu schade, dass sich verschiedene Zeitläufte nicht übereinanderlegen lassen. Die Generaldebatte im Bundestag wäre ein guter Anlass für ein solches Experiment gewesen. Denn beim Hören der Rede von Friedrich Merz drängte sich die Frage auf, die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge dem Kanzler im Anschluss stellte: „Was hätte wohl der Oppositionsführer Friedrich Merz heute zu Ihnen gesagt?“
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Als Oppositionsführer war Merz ungeduldig und hart im Urteil gegenüber der Ampel und ihrem Kanzler Olaf Scholz. Wenn Merz im Bundestag ans Rednerpult trat, konnte es daher rhetorisch ordentlich scheppern.
Rente, Bürgergeld, Krankenkassen: Dazu bleibt Merz vage
Nun als Kanzler wirbt er um Verständnis und Unterstützung für seine Regierung und bittet die Bevölkerung um Geduld. Merz erinnert daran, dass seine schwarz-rote Koalition nach dem Start bereits eine ganze Reihe von Projekten etwa zur Belebung der Wirtschaft auf den Weg gebracht habe, die ihre Wirkung erst entfalten müssten.

Der Oppositionsführer Merz würde dem Kanzler Merz vermutlich vorhalten, dass das Loslaufen nicht reicht. Es brauche auch einen Plan für danach, wenn die im Bündnis unstrittigen Startprojekte abgearbeitet sind.
Und da lag die große Schwäche der Rede des Bundeskanzlers Merz. Zwar bereitete dieser die Bürger auf grundlegende und mutige Reformen vor bei der Rente, beim Bürgergeld und den Sozialversicherungen. „Es geht um nicht mehr und um nicht weniger als um die Zukunft unseres Landes“, legte die Merz die Latte hoch.

Was der Kanzler jedoch konkret plant, blieb offen – weil die Koalition bislang keine gemeinsame Linie hat. In diese Wunde würde der Oppositionsführer Merz seinen Finger genüsslich legen, wenn er könnte.



