Die Frequenz, in der Russlands Präsident Wladimir Putin in letzter Zeit Europa herausfordert, ist schwindelerregend. Die Drohnen gegen Polen, die Kampfjets im estnischen Luftraum, der Jet in der Sicherheitszone über einer polnischen Bohrinsel, ein Aufklärungsflugzeug ohne Funkkontakt und Flugplan über der Ostsee. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass diese Taktik der russischen Nadelstiche demnächst wieder aufhören wird.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Zu Recht fordern deutsche und europäische Politikerinnen und Experten deshalb, die Nato-Ostflanke mit einem Drohnenwall zu verstärken. Dabei gibt es aber zwei zentrale Probleme. Nummer eins: Der Aufbau der Flugabwehr kommt zu langsam voran. Beispiel Bundeswehr: Die deutsche Verteidigung hat ein mobiles Flugabwehrsystem geordert, das aber erst 2028 kommen soll (wenn alles gut läuft). Wer weiß aber, was in drei Jahren ist? Putins erhöhte Taktung zeigt uns schon jetzt: Solange können wir nicht warten. Die Industrie muss schneller liefern. Das weiß man auch bei der Bundeswehr, wo Generalinspekteur Carsten Breuer aufs Tempo drückt und bis Ende des Jahres mit Kamikazedrohnen „scharf schießen“ will.

Autorenfoto Madeleine Janssen
Madeleine Janssen ist Auslandschefin in der FUNKE Zentralredaktion.© privat | Privat

Problem Nummer zwei: Beim Aufbau einer koordinierten Flugabwehr kommt es auf gemeinsame Absprachen an, auf eine Einigung auf den effektiven Schutz vor Russland – nicht auf nationale Befindlichkeiten. Dass etwa Frankreich und Italien an eigenen Systemen arbeiten und nicht die von Deutschland initiierte European Sky Shield Initiative (ESSI) unterstützen, darf Putin als Spaltung Europas bei der Verteidigungsfähigkeit auffassen. Ein klares Bekenntnis mit einem ambitionierten Zeitplan ist jetzt vonnöten.