Eröffnungs-Monologe gehören zum Standard-Repertoire amerikanischer Late-Night-Talkshow-Gastgeber. Was Jimmy Kimmel kurz vor Mitternacht am Dienstagabend in seiner seit über 20 Jahren laufenden Show zum Besten gab, war eine ebenso emotionale wie hochpolitische „Rede an die Nation“: ein Plädoyer für die in Amerika bedrohte Meinungsfreiheit. 

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Der vor acht Tagen wegen Äußerungen über den Mord des rechtsextremen Influencers und Donald Trump-Fans Charlie Kirk auf massiven Druck des Weißen Haus vom Mutterkonzern Disney seines Haussenders ABC suspendierte Hollywood-Star trat nach tosendem Eingangs-Beifall mit gebrochener Stimme vor das Studio-Publikum und sagte: „Sie verstehen, dass es nie meine Absicht war, den Mord an einem jungen Mann auf die leichte Schulter zu nehmen. Ich finde daran nichts Lustiges.“ Der 57-Jährige zeigte im „El Capitan Theatre“ am Hollywood Boulevard in Los Angeles Verständnis dafür, dass seine Worte über den mutmaßlichen Schützen von Kirk „für manche entweder unpassend oder unklar waren, oder vielleicht beides. Und für diejenigen, die glauben, ich hätte mit dem Finger auf jemanden gezeigt, verstehe ich, warum Sie verärgert sind.“ Schuldzuweisungen an eine bestimmte Gruppe seien aber niemals seine Intention gewesen.

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Comeback von Jimmy Kimmel: Lob für Disneys Verteidigung der Meinungsfreiheit

All das rechtfertige nicht, eine ganze Sendung aus dem Programm zu nehmen. „Eine Drohung der Regierung, einen Komödianten zum Schweigen zu bringen, den sie nicht mag, ist unamerikanisch“, sagte Kimmel unter tosendem Beifall und fügte hinzu: „Diese Show ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir in einem Land leben dürfen, in dem wir eine Show wie diese machen können.“ 

Kimmel Late-Night-Show: Guillermo Rodriguez umarmt Jimmy Kimmel.
Moderator Jimmy Kimmel mit Komiker Guillermo Rodriguez bei „Jimmy Kimmel Live!“.© Randy Holmes/Disney/AP/dpa | Randy Holmes

Mit der Entscheidung der Top-Ebene des Disney-Konzerns, seine Show vorübergehend abzusetzen, sei er nicht einverstanden gewesen, sagte Kimmel, bedankte sich aber ausdrücklich dafür, dass das Unternehmen sein Recht verteidigt habe, sich über die Mächtigen lustig zu machen, und dass es ihm erlaubt hat, wieder auf Sendung zu gehen. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Leider, und meiner Meinung nach zu Unrecht, bringt dies sie in Gefahr“, fügte er hinzu. „Der Präsident der Vereinigten Staaten hat sehr deutlich gemacht, dass er möchte, dass ich und die Hunderte von Menschen, die hier arbeiten, unseren Job verlieren. Unser Staatschef freut sich darüber, dass Amerikaner ihre Existenzgrundlage verlieren, weil er keinen Spaß versteht.“ 

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#25 Vorschau - Christian Dürr über Alzheimer, Delmenhorst und den anderen Christian der FDP
Meine schwerste Entscheidung
 

Kimmel zeigte sich ergriffen von der Tatsache, dass „Menschen, die meine Show und meine Überzeugungen nicht unterstützen, aber dennoch mein Recht, diese Überzeugungen zu teilen”, ihm beigestanden hätten. Darunter auch Politiker und Meinungsführer aus dem konservativen Spektrum: „Ich hätte nie gedacht, dass Ben Shapiro, Clay Travis, Mitch McConnell, Rand Paul und sogar mein alter Kumpel Ted Cruz (Senator aus Texas – Anmerkung der Redaktion), ob Sie es glauben oder nicht, etwas sehr Schönes zu meinen Gunsten gesagt haben. Es erfordert Mut von ihnen, sich gegen diese Regierung auszusprechen. Sie haben es getan und verdienen dafür Anerkennung.“  

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„Selbstloser Akt der Würde“: Erika Kirks Vergebung als Vorbild für Amerika

Selbige ließ Kimmel auch Erika Kirk, der Witwe des Mordopfers, zuteilwerden. Mit den Tränen kämpfend nannte er die Tatsache, dass Frau Kirk dem Todesschützen öffentlich Vergebung zusicherte, eine „selbstlosen Akt der Würde, der mich tief berührt hat“. Amerika solle sich an Erika Kirk ein Beispiel nehmen. Rund 70 TV-Stationen der Konzerne Sinclair und Nextar, die bis dato die von ABC verantwortete Kimmel-Show ausstrahlten, erfuhren davon nichts. Beide Senderketten, der Trump-Regierung verpflichtet, verbreiteten trotzig Ersatz-Programme. 

Scharf ins Gericht ging Kimmel dagegen mit Brendan Carr, dem Chef der von Trump gesteuerten Medien-Regulierungsbehörde FCC. Carr hatte Kimmels Absetzung aktiv betrieben und damit nach Ansicht vieler Experten das Neutralitätsgebot verletzt. Auch Trump bekam sein Fett weg. Dass der Präsident ihn und andere Late-Night-Talk-Kollegen aus dem Programm drängen wolle, sei „gefährlich“.

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Kurz vor der Ausstrahlung der ersten Sendung nach der Zwangspause war Kimmel auch durch den wirkungsmächtigsten Podcaster der USA geadelt worden. Joe Rogan, der Trump massiv für die zweite Präsidentschaft unterstützt hatte, kritisierte den Versuch der Regierung, die Meinungsfreiheit einzuschränken. „Ich bin definitiv nicht der Meinung, dass die Regierung sich jemals einmischen sollte, wenn es darum geht, was ein Komiker in einem Monolog sagen darf und was nicht“, erklärte Rogan.

Kimmel Late-Night-Show: Jimmy Kimmel lächelt.
Sichtlich erleichtert: Jimmy Kimmel bei seiner Comeback-Show.© Randy Holmes/Disney/AP/dpa | Randy Holmes

Die von Trump und vielen Republikanern als hoch anstößig empfundenen Äußerungen Himmels zum Umgang mit dem Tatverdächtigen im Mordfall Kirk ließ Rogan durchweg gelten. „Was er gesagt hat, war nicht schlecht. Es war zwar nicht ganz korrekt, aber es war nicht schlecht. Er hat nur versucht, diesen Witz über Trump zu bringen, was gut war.“ Kimmel hatte in der letzten Sendung, bevor der ABC-Mutterkonzern Disney seine Sendung aus dem Verkehr zog, im Eröffnungsmonolog erklärt, dass die Anhänger des Präsidenten verzweifelt versucht hätten, den mutmaßlichen Schützen von Kirk „als alles andere als einen von ihnen“ darzustellen und aus seiner Ermordung „politische Punkte“ schlagen wollten. 

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Trump selber, am späten Dienstagabend von seinem spektakulären Auftritt bei den Vereinten Nationen ins Weiße Haus zurückgekehrt, reagierte auf seinem Kommunikationsportal „Truth Social“ erwartungsgemäß angesäuert über die Rückkehr Kimmels: „Ich kann nicht glauben, dass ABC Fake News Jimmy Kimmel seinen Job zurückgegeben hat. Das Weiße Haus wurde von ABC darüber informiert, dass seine Show abgesetzt wurde! Seitdem ist etwas passiert, denn sein Publikum ist verschwunden und sein ,Talent‘ war nie vorhanden. Warum sollten sie jemanden zurückhaben wollen, der so schlecht ist, der nicht lustig ist und der den Sender in Gefahr bringt, indem er zu 99 Prozent positiven demokratischen Mist sendet.“

Und weiter: „Er ist nur ein weiterer Handlanger des DNC (Parteizentrale der Demokraten – Anmerkung der Redaktion), und meines Wissens wäre das eine erhebliche illegale Wahlkampfspende. Ich denke, wir werden ABC diesbezüglich auf die Probe stellen. Mal sehen, wie es läuft. Als ich sie das letzte Mal verfolgt habe, haben sie mir 16 Millionen Dollar gezahlt. Diesmal klingt es sogar noch lukrativer. Was für ein Haufen Verlierer! Jimmy Kimmel soll in seinen schlechten Einschaltquoten versauern.“