Auf der geteilten Mittelmeerinsel Zypern verschärfen sich die militärischen Spannungen. Die Republik Zypern hat mit der Stationierung des israelischen Luftabwehrsystems Barak MX begonnen. Die Türkei, die seit 1974 den Norden der Insel besetzt hält, sieht sich dadurch bedroht. Denn mit dem Radar der auf Zypern stationierten Raketen könnte Israel, das der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan als „Terrorstaat“ bezeichnet, große Teile der Türkei überwachen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Ein Video auf X zeigt, wie in der Nacht zum 12. September Schwertransporter Komponenten des Systems vom Hafen Limassol zu einem Luftwaffenstützpunkt bei Paphos brachten. Es war bereits der dritte Konvoi seit Dezember 2024. Laut zyprischen Medien sind nun alle bestellten Raketen geliefert. Das System soll Ende des Jahres einsatzbereit sein.
Zypern ist eine geteilte Insel– und das Gleichgewicht in Gefahr
Das türkische Verteidigungsministerium warnte, die Stationierung störe das „fragile Gleichgewicht“ auf der Insel und könne „gefährliche Folgen“ haben. Zyperns Verteidigungsminister Vasilis Palmas entgegnete, seine Regierung sei verpflichtet, wirksame Verteidigungsstrukturen aufzubauen, solange die Türkei den Norden okkupiert.
Die Teilung der von ethnischen Griechen und Türken besiedelten Insel geht auf den Sommer 1974 zurück, als türkische Truppen nach einem Putschversuch gegen die Regierung den Nordteil besetzten. Dort rief 1983 die international nicht anerkannte „Türkische Republik Nordzypern“ ihre Unabhängigkeit aus. Die Türkei hält bis heute rund 35.000 Soldaten im Norden stationiert. Im August berichtete der staatliche Sender TRT Haber über Pläne, diese Zahl auf über 100.000 aufzustocken.
Aktuelle News aus dem Nahen Osten
Seit 2021 verhandelte die Regierung der Republik Zypern mit Israel über eine Bestellung des Barak-Systems. Es kann Flugzeuge, Marschflugkörper und Drohnen abwehren. Die Raketen haben eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern. Das türkische Festland liegt zwar außerhalb dieser Distanz. Doch das integrierte Radar sorgt für besondere Brisanz. Mit einer Reichweite von 460 Kilometern erfasst es Flug- und Schiffsbewegungen weit über die Insel hinaus. Experten vermuten, dass Israel Zugriff auf diese Daten hat. Damit würde Zypern auch für den israelischen Geheimdienst zu einem strategischen Beobachtungsposten – mit Blick bis tief in die Türkei.
Erdogan mit markigen Sprüchen: Netanjahu ein „Verwandter Hitlers“
Die türkisch-israelischen Beziehungen sind seit Jahren angespannt und seit Israels Einmarsch in Gaza auf einem Tiefpunkt. Erdogan verurteilt Israels Vorgehen scharf und bezeichnet dessen Premier Benjamin Netanjahu als „Verwandten Hitlers“. Der türkische Präsident unterstützt indes die radikal-islamische Hamas. Führende Funktionäre der Hamas, die im Westen als Terrororganisation gilt, verkehren regelmäßig in Ankara und Istanbul. Nach einem israelischen Angriff auf Hamas-Führer in Katar im September wächst in der Türkei die Sorge, auch türkische Exilstrukturen der Hamas könnten ins Visier geraten. Ein israelischer Angriff auf dem Boden des Nato-Mitglieds Türkei hätte jedoch eine ganz andere Dimension als die Operation in Katar.

Es ist nicht die erste drohende Eskalation der Insel
Die aktuelle Kontroverse erinnert an 1997, als Zypern russische S-300-Raketen kaufen wollte. Damals drohte die Türkei mit der Zerstörung der Stellungen. Unter internationalem Druck wurden die Systeme schließlich nach Kreta verlegt. Türkische Militärexperten halten das Barak MX-System für noch gefährlicher, da es weitreichendere Radar- und Datenkapazitäten besitzt.
Und es bleibt wahrscheinlich nicht bei Zypern: Auch Griechenland plant den Aufbau einer flächendeckenden Luftverteidigung mit Barak MX. Damit würde das israelische Radar künftig auch den Westen der Türkei erfassen.







