Auf die Thüringische Landeszeitung (TLZ) hat jeder seinen eigenen Blick. Das wird deutlich an diesem Mittwochabend in der Weimarer Sendehalle. Ein Beispiel: „Sturmgeschütz des Widerstandes.“ So bezeichnet Stephan Märki, einst Generalintendant am Deutschen Nationaltheater in Weimar, die in der Klassikerstadt erscheinende Zeitung in einer Videobotschaft.
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Wie Märki zu dieser Bewertung kommt? Nun: Als eine CDU-geführte Landesregierung einst die Theaterlandschaft reformieren und an sie die Axt anlegen wollte, war es die TLZ, die sich aufschwang, um das Nationaltheater Weimar zu retten. Um deutlich zu machen: Hier in Weimar, wo das kulturelle Erbe von Goethe und Schiller zu Hause ist, darf das Aus des DNT nicht besiegelt werden.

Dieser Klartext war es, den Gründungsvater Hermann Becker im Sinn hatte, als er am 24. September 1945 die erste TLZ herausbrachte, nachdem zwölf Jahre keine demokratische Zeitung mehr erscheinen konnte. Becker steht an diesem Abend in Weimar stets im Mittelpunkt. Auch deshalb, weil seine Tochter Ruth Strauß zur Feier nach Weimar gekommen ist.

„Die TLZ ist die Zeitung der Freiheit“, sagt Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und stellt eben genau das in den Mittelpunkt, was Becker weiland trieb, die Zeitung herauszubringen. Er sei eingestanden für die Meinungsfreiheit und musste sich dafür später unter SED-Herrschaft inhaftieren lassen. Das war am 23. Juli 1948: Es geschah in einer Sitzungspause des Thüringer Landtages, der damals noch in Weimar tagte. Dort wird der LDPD-Abgeordnete und Gründungsverleger der TLZ, Hermann Becker, vom sowjetischen Geheimdienst in Gewahrsam genommen. Zuvor hatte er sich im Plenarsaal unter anderem für die Stärkung der Jugendämter eingesetzt. In der TLZ hatte er sich für Meinungs- und Religionsfreiheit starkgemacht und Texte veröffentlichen lassen, die der auf SED-Politik ausgerichteten Obrigkeit missfielen.
Bewegende Zeitungsgeschichte: TLZ wird 80 Jahre alt und feiert in Weimar (Bildergalerie)
Es ist diese schwere Vergangenheit der TLZ, die zur Funke Mediengruppe gehört, die sich auch jetzt, zum 80. Geburtstag, durch die Feier wie ein roter Faden zieht. Passend dazu der Veranstaltungsort: In der Sendehalle, die gerade von Achava-Intendant Martin Kranz und seinem Team zu einem Begegnungs- und Gedenkort, aber auch einem Forschungszentrum entwickelt wird, kommen die zahlreichen Ehrengäste zusammen. „Gerade hier, in einem Gebäude, das sinnbildlich für den Wandel von Macht zu Menschlichkeit, von Propaganda zu Dialog steht, wird besonders deutlich, was eine freie, unabhängige Presse bedeutet – und warum es wichtig ist, an Geschichte zu erinnern, während wir Zukunft gestalten“, macht Funke-Thüringen-Geschäftsführer Michael Tallai deutlich.
TLZ: Tradition, Leidenschaft und Zukunft vereint
Was vor 80 Jahren Hermann Becker trieb, eine demokratische Zeitung herauszubringen, das kann auch in den aufgewühlten Jahren dieser Zeit nicht aktueller sein. „Diese Geschichte ist für uns eine große Verpflichtung“, sagt Chefredakteurin Gerlinde Sommer und sie wird nachdenklich, als sie auf die Bühne in der Sendehalle tritt: „Standhaftigkeit ist ein hohes Gut. Wenn die Zeiten schwierig werden, knicken wir nicht ein und nehmen nicht Reißaus.“

Worauf Sommer anspielt, wird jedem sofort klar. Auch jetzt gibt es wieder Kräfte, die die Presse- und Meinungsfreiheit infrage stellen oder sie nur solange akzeptieren, wie sie ihrer eigenen Meinung nicht widersprechen. Die TLZ steht dem schon immer entgegen in der Tradition von Herrmann Becker. Sommer lässt keinen Zweifel daran, wie die Zukunft der TLZ aussehen wird: „Die drei Buchstaben TLZ stehen im Zusammenhang mit dem Jubiläum für: Tradition, Leidenschaft und Zukunft. Wir sind unabhängig, weltoffen und heimatverbunden.“

Doch wie steht es wirklich um die Zukunft der TLZ, die eingebunden in die Funke Mediengruppe in Thüringen ist? Die sehr deutliche Antwort gibt an diesem Abend Nora Marx, Gesellschafterin der Funke Mediengruppe. „Die TLZ ist nicht alt, sie strotzt vor Lebensfreude und Energie.“ Mit Blick auf das, was Journalistinnen und Journalisten auch in Thüringen in den vergangenen Jahren immer wieder an Angriffen aushalten müssen, macht Marx deutlich: „Sie, die TLZ, wird sich weiterhin nicht einschüchtern lassen.“
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Sie wird, um es mit Märki zu sagen, weiter „Sturmgeschütz des Widerstandes“ sein. Und so sind die Beschreibungen an diesem Abend, an dem auch viele ehemalige und aktuelle TLZ-Redakteure mitfeiern, genauso vielfältig, wie die Glückwünsche. Doreen Bergmann von der gleichnamigen Patisserie sagt es in einer Videobotschaft so: „Haut rein, wir sind gern dabei.“



























