Mit Donald Trump würde er doch wieder reden. Dies gab Kim Jong-un offenbar am vergangenen Sonntag zu verstehen, als der Diktator des Einparteienstaats Nordkorea vor führenden Politikern seines Landes sprach. So berichtet es jedenfalls die staatlich kontrollierte Nachrichtenagentur KCNA. „Gute Erinnerungen“ habe Kim an den Austausch mit dem US-Präsidenten, mit dem er sich zwischen 2018 und 2019 mehrmals getroffen hatte, ehe anfängliche Sympathie in tiefe Abneigung umschlug.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Würden sich Kim und Trump – die sich damals nach ergebnislosen Gipfeln noch Beleidigungen an den Kopf warfen – nun doch wieder treffen, wäre es der nächste Plottwist in einem schwer berechenbar gewordenen geopolitischen Theater voller Streithähne. Doch auch wenn diese zwei Staatsoberhäupter so einen Anlass wohl nicht zuletzt für PR nutzen würden – zumindest die Themen, die auf dem Tisch lägen, wären riesig: Es ginge um Friedensverträge, UN-Sanktionen, Atomwaffen.
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Seit dem Koreakrieg (1950-53), der Millionen Todesopfer forderte, befinden sich die USA – sowie deren Sicherheitspartner Südkorea – formal im Kriegszustand mit Nordkorea. Um sich inmitten diplomatischer Isolation zu stärken, verfolgt Nordkorea, dessen Regime schwere Menschenrechtsverletzungen begeht, seit Jahren ein Atomwaffenprogramm, was dem Staat aber auch harte UN-Sanktionen eingebracht hat. In den meisten Sektoren ist Handel mit Nordkorea insofern faktisch verboten.
Nordkorea sicherte sich Russlands Unterstützung – doch das Band zeigt bereits Risse
Doch Nordkoreas Diktator hat es verstanden, geopolitische Ereignisse zu seinem Vorteil zu nutzen. Als Russland 2022 erneut die Ukraine angriff, woraufhin auch Russland mit UN-Sanktionen belastet wurde, verbündete sich Kim mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Seitdem unterstützt Nordkorea nicht nur Russlands Krieg in der Ukraine mit Waffen und Soldaten, sondern hat auch ein darüber hinaus reichendes Militärbündnis vereinbart.

Allerdings wird bereits spekuliert, dass die Allianz zwischen Moskau und Pjöngjang erste Risse erhalten hat. Kim soll enttäuscht sein davon, dass die Beziehung bisher einseitig verlaufen sei. Eine neue vom Korea-Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel „Unequal Partnership“ gibt zu entsprechenden Vermutungen nun weiteren Anlass. Demnach hat Nordkorea „Waffen, Munition und Truppen im Wert von bis zu 9,8 Milliarden US-Dollar bereitgestellt“.
Aus Russland kämen dagegen nur Leistungen im Wert von „höchstens 1,2 Milliarden US-Dollar“. Russland liefere „vor allem Lebensmittel und Öl sowie eine begrenzte Zahl an Luftabwehrsystemen, GPS-Störsendern und möglicherweise auch Kampfflugzeuge – entweder als neue Ausrüstung oder zur Modernisierung der vorhandenen Flotte“, so Frederic Spohr, der das Korea-Büro der Naumann-Stiftung leitet. „Darüber hinaus gibt es keine Hinweise auf weitere nennenswerte Gegenleistungen.“
News aus den USA
Kim: „Ich erkläre hiermit, dass es für uns niemals eine Abrüstung von Atomwaffen geben wird“
Möglich, dass Kim Jong-un sich auch deshalb nicht allzu abhängig von Russland machen will – und sich neue Gespräche mit den USA offen hält. Dabei hat Kim seine Bedingungen geäußert. Als sich Kim und Trump zwischen 2018 und 2019 dreimal zu Gesprächen trafen, pochte Trump auf ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms, damit die USA ein Ende von Sanktionen gegenüber Nordkorea tragen würden. Dies wäre heute aber keine Gesprächsbasis, wie Kim deutlich gemacht hat.
„Ich erkläre hiermit, dass es für uns niemals eine Abrüstung von Atomwaffen geben wird“, sagte Kim und betont noch, dass der Status Nordkoreas als Atomwaffenmacht in der Verfassung als „unumkehrbar“ festgeschrieben sei. Prinzipiell scheint möglich, dass Trump auf diese Bedingung heute eingehen würde. Nordkorea hat er bereits faktisch als Atommacht bezeichnet. Ende Oktober, wenn Trump zum APEC-Gipfel nach Südkorea reist, könnte es bereits zu einem Treffen mit Kim kommen.

Auch auf der anderen Seite der innerkoreanischen Grenze hat man schon auf die Bewegungen von Kim Jong-un reagiert. Lee Jae-myung, der im Juni zu Südkoreas Präsident gewählt wurde und sich als liberaler Politiker um Austausch mit dem seit dem Koreakrieg verfeindeten Norden bemüht, würde neuerliche Gespräche zwischen Kim und Trump befürworten. Das hat Lee bereits mehrmals betont.
Südkoreas Präsident Lee lenkt ein, zumindest zum Teil
Gegenüber dem britischen Sender BBC erklärte er zu Anfang der Woche zudem, dass Südkorea einverstanden mit einem Deal wäre, der Nordkoreas Waffenarsenal nicht wie bisher von USA und Südkorea gefordert komplett verschrotten, sondern in einem weiteren Ausbau stoppen würde. Lee sieht dies zwar als „vorübergehende Notfalllösung“, aber auch als „machbare, realistische Alternative“.
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Wobei sich dem Präsidenten Südkoreas mit diesen Äußerungen harschen Gegenwinds von den Konservativen in seinem Land gewiss ist. Südkoreas Konservative sitzen seit der Wahl im Juni auf der Oppositionsbank, nachdem Neuwahlen ausgerufen worden waren, da ihr Ex-Präsident Yoon Suk-yeol im Dezember mit einer Kriegsrechtserklärung gescheitert war. Die Konservativen Südkoreas lehnen Gespräche mit Nordkorea meist ab, fordern zunächst Reformen im Land.
Ex-Präsident Yoon hatte seine Kriegsrechtserklärung seinerzeit mit einem vermeintlichen Einfluss Nordkoreas auf die Politik Südkoreas gerechtfertigt, wofür er Beweise allerdings schuldig geblieben war. Nordkoreas Diktator Kim Jong-un dagegen, der sich 2023 vom einstigen Ziel einer Wiedervereinigung offiziell verabschiedete, hat diese Tage auch schon erklärt, dass er sowieso nicht vorhabe, mit Südkorea zu verhandeln. Seoul sei nämlich ohnehin von Washington dominiert.












