Die Menschen in Kiew schlafen zu wenig. Man kann ihnen den Luftalarm, der immer wieder die Nächte zerreißt, an den Gesichtern ablesen. Die Ukrainerinnen und Ukrainer in der Hauptstadt und im ganzen Land sind im dritten Jahr der Vollinvasion Russlands knochentief erschöpft.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wer in Deutschland schlafen geht, muss nicht fürchten, von Sirenen geweckt zu werden. Jedenfalls bisher. Die Angst vor dem Krieg wabert trotzdem durch das Land, diffus, aber deswegen nicht weniger effektiv. Vier von zehn Menschen in Deutschland fürchten sich laut einer aktuellen Umfrage vor einem Dritten Weltkrieg.
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Völlig unbegründet ist diese Angst nicht. Drohnen über Nato-Staaten, Desinformationskampagnen, hybride Angriffe auf unsere Infrastruktur – dass Putins Machthunger sich bis weit nach Mitteleuropa erstreckt, ist unübersehbar. Dass Deutschland und Europa sich dagegen wappnen müssen, ist ebenso klar.
Die Angst vor dem Krieg polarisiert und spaltet
Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber. Sie spaltet und polarisiert, sie macht rationale Entscheidungen schwierig.

Die Herausforderung, vor der die europäischen Gesellschaften stehen, heißt deshalb: sich bewusst machen, dass der Krieg tatsächlich auch zu uns kommen kann – ohne sich durch die Angst, die dieses Szenario auslöst, lähmen zu lassen.

Die Gefahr ist ernst, und wir müssen sie ernst nehmen. Glaubwürdige Abschreckung und die Fähigkeit, sich zu verteidigen, sind unsere besten Chancen, dafür zu sorgen, dass diese Gefahr nicht Realität wird. Noch hat Europa die Möglichkeit zu handeln und dafür zu sorgen, dass wir auch weiter ruhig schlafen können.






