Wenn an diesem Freitag kurz nach elf Uhr der Gewinner des Friedensnobelpreises 2025 in Oslo verkündet wird, hält die Welt den Atem an. Könnte es sein, dass US-Präsident Donald Trump die höchste Auszeichnung für internationale Friedensbemühungen bekommt? Eine Ehrung, die herausragenden Persönlichkeiten wie dem Bürgerrechtler Martin Luther King, dem Ostpolitiker Willy Brandt, der Ordensschwester Mutter Teresa oder dem Wiedervereinigungs-Ermöglicher Michail Gorbatschow zuteilwurde? Auch Organisationen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz oder das Büro des Hohen UN-Kommissars für Flüchtlinge (UNHCR) wurden in der Vergangenheit bedacht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Obwohl die Nominierungsfrist formell am 31. Januar abgelaufen ist, schlugen danach Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sowie die pakistanische Regierung Trump für den Friedensnobelpreis vor. Dass der US-Präsident überhaupt ins Gespräch gebracht wurde, liegt weniger an seiner Obsession, wonach er die Würdigung wie kein anderer verdient habe. Doch Trump ist ein politisches Husarenstück gelungen, das ihm niemand zugetraut hätte: Er hat Israel und die islamistische Terrororganisation Hamas immens unter Druck gesetzt, den Krieg im Gazastreifen zu beenden. Das ist umso bemerkenswerter, als der Amerikaner seine Nibelungentreue zu Netanjahu aufgegeben und die arabischen Staaten durch die Perspektive eines unabhängigen Palästinenserstaates mit ins Boot geholt hat. Es entstand eine diplomatische Bewegung, die weltweit – selbst in Russland und China – auf ein positives Echo stößt.
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Trump hofft auf Friedensnobelpreis – das steht ihm im Weg
So spektakulär Trumps Gaza-Plan ist: Was dem Präsidenten im Weg stehen dürfte, ist die Frage der Nachhaltigkeit. „Der Gaza-Frieden ist nicht gewährleistet, da kann noch vieles schiefgehen. Und auch der Ukraine-Krieg, den Trump vor allem beenden wollte, geht unvermindert weiter“, sagte Klaus Larres von der University of North Carolina in Chapel Hill unserer Redaktion.
Auch Florian Böller vom Heidelberg Center for American Studies (HCA) der Uni Heidelberg ist skeptisch. „Die Initiative zur Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas wird möglicherweise einen positiven Effekt auf den Konflikt haben. Aber für eine abschließende Bewertung ist es noch viel zu früh, weshalb sich das Nobelkomitee kaum darauf beziehen wird“, sagte Böller unserer Redaktion. „Schließlich spricht Trumps völkerrechtswidrige, anti-internationalistische und aufs Militär fokussierte Außenpolitik gegen eine Verleihung des Friedensnobelpreises an ihn.“ Dies gelte etwa für Drohungen gegen andere Staaten, Militäreinsätze gegen den Iran und vermeintliche Drogenschmuggler sowie die Entsendung von Nationalgardisten im Inneren.

Friedensnobelpreis: Auch die Verleihung an Barack Obama kam überraschend
Auch die Ideen des Friedensnobelpreisstifters Alfred Nobel lassen sich nur schwer mit Trumps Kurs in Einklang bringen. Der schwedische Großindustrielle, der mit der Erfindung und Vermarktung von Dynamit ein Vermögen gemacht hatte, wollte die Auszeichnung an denjenigen vergeben, „der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat“. Dagegen beschimpfte Trump die Vereinten Nationen bei der letzten UN-Vollversammlung als im Grunde nutzlos und überhäufte die EU mit Tiraden: „Die Migration wird der Tod Westeuropas sein – eure Länder fahren zur Hölle.“
Dennoch hatte das Komitee in Oslo in der Vergangenheit auch für Überraschungen gesorgt. So wurde US-Präsident Barack Obama 2009 nach nur knapp neun Monaten Amtszeit der Friedensnobelpreis verliehen – wohl als eine Art Vertrauensvorschuss. Dahinter steckte die Hoffnung, dass nach dem unilateralen Anti-Terror-Krieg seines Vorgängers George W. Bush ein neues mulilaterales Zeitalter anbrach. Umstritten war die Ehrung für den Ex-Terroristen Jassir Arafat, der die Auszeichnung 1994 zusammen mit Israels Ministerpräsident Izchak Rabin und Außenminister Schimon Peres „für ihre Anstrengungen zur Lösung des Nahostkonflikts“ erhielt. Leider auch dies ohne Langzeitwirkung.
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Friedensnobelpreis: Freiwilligennetzwerk und Julia Nawalnaja liegen bei Buchmachern vorn
Wen das fünfköpfige Norwegische Nobelkomitee am Freitag präsentieren wird, ist offen. Unter den fünf Mitgliedern, die traditionell vom Norwegischen Parlament für sechs Jahre nominiert werden, befinden sich derzeit zwei Politikwissenschaftler und drei Politikerinnen. Den Vorsitz hat der 41-jährige Politologe und Menschenrechtler Jørgen Watne Frydnes, der von 2004 bis 2011 für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen tätig war. 2023 verlieh das Gremium den Friedensnobelpreis an die iranische Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi, 2024 an den japanische Friedensorganisation Nihon Hidankyō, die sich gegen die nukleare Aufrüstung in der Welt einsetzt.
Die amerikanische Wettplattform Polymarket nennt einen klaren Favoriten für dieses Jahr: Das Freiwilligennetzwerk Emergency Response Rooms (ERR), das sich um die Millionen Geflüchteten und Hungernden des Bürgerkrieges im Sudan kümmert, hat demnach eine 27-prozentige Wahrscheinlichkeit, den Friedensnobelpreis zu gewinnen. Dahinter folgen Julia Nawalnaja, die Witwe des in russischer Haft verstorbenen Kremlkritikers Alexej Nawalny, mit zehn Prozent, der Internationale Gerichtshof mit neun und Ärzte ohne Grenzen mit acht Prozent. Trump kommt auf zwei Prozent – knapp hinter der Klimaaktivistin Greta Thunberg.









