- Nachdem die Hamas und Israel den Friedensplan unterschrieben haben, sind die Geiseln m Montag übergeben worden
- Nach über zwei Jahren Gefangenschaft passierten 20 Verschleppte die Grenze
- Wie ist Israel darauf vorbereitet?
Wenn die letzten lebenden Geiseln nach mehr als 738 Tagen Folter nach Israel zurückkehren, ist man in Israel für ihre Aufnahme gerüstet. Das Ärzteteam will nun versuchen, jene Fehler zu vermeiden, die im Zuge der vergangenen Geiselbefreiungen gemacht wurden, sagt Hagai Levine, Leiter des Teams. Levine hat die Angehörigen der Geiseln seit Beginn des Kriegs begleitet, er ist auch für die Betreuung der befreiten Geiseln zuständig. „Wir wissen aus der Vergangenheit, dass viele der Geiseln längerfristige Gesundheitsschäden entwickelt haben, die uns am Anfang entgangen sind“, sagt er.

Der erste Eindruck, den die Geiseln vermitteln, sei oft trügerisch. „Man sieht sie und sagt: Oh, sie gehen aufrecht, sie wirken einigermaßen in Ordnung.“ Nach und nach stellte sich in der Beobachtung der zuvor befreiten Geiseln dann aber heraus, dass sie Nierenschäden, Herzprobleme hatten. Auch die Lunge funktionierte oft nicht mehr so, wie sie sollte, sagt Levine.
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Israel bereitet sich auf Rückkehr von Geiseln vor: Womöglich lange Krankenhausaufenthalte
Der anhaltende Hunger, der eingeschränkte Sauerstoff – all das fordert seinen Preis. Die schweren Bedingungen tragen dazu bei, dass der Körper vorzeitig altere. „Wir werden vielleicht auch jetzt am Anfang wichtige Beeinträchtigungen übersehen“, meint Levine. Daher sei es entscheidend, die Geiseln diesmal länger im Krankenhaus zu behalten und für längere Zeit intensiv zu betreuen.
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Anders als zuvor sollten die Geiseln diesmal an einem monatelangen Rehabilitationsprogramm im Krankenhaus teilnehmen. „Je mehr Zeit sie in Gefangenschaft und in den Tunneln verbracht haben, desto länger wird die Rehabilitation dauern“, sagt Einat Yehene, psychiatrische Betreuerin der zurückgekehrten Geiseln und ihrer Familien. Die körperlichen Schäden werden größer sein, aber auch die psychische Aufarbeitung könnte sich komplizierter gestalten. Daher sei es wichtig, den Geiseln einen möglichst geschützten Rahmen zu bieten.

Geiseln sollen im Krankenhaus nicht getrennt werden
Aus früheren Befreiungen wurde gelernt, wie wichtig die Beziehungen der Geiseln untereinander sind. „Die Geiseln, die gemeinsam festgehalten werden, sollten auch im Krankenhaus nicht getrennt werden“, sagt Yehene.
In welchem körperlichen Zustand die Geiseln zurückkommen, ist völlig unklar. „Was wir wissen, wissen wir von den Zeugnissen anderer Geiseln“, sagt Levine. Seit dem letzten Deal sind jedoch acht Monate vergangen. „Was wir über den Hunger in den Tunneln wissen, ist extrem beängstigend“, sagt Yehene. Auch die Videos, die von der Hamas zuletzt veröffentlicht wurden, deuten auf extreme Unterernährung hin.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Mehrere der freigelassenen Geiseln könnten in akuter Lebensgefahr sein, warnt Levine. „Wir sind auf jedes Szenario vorbereitet.“ Umso wichtiger sei es, die Befreiung nicht weiter zu verzögern. „Sonst könnte es zu spät sein.“
Geiseln sollen zunächst an das Rote Kreuz übergeben werden
In Israel stellt man sich auf alle Szenarien ein. Im Gazastreifen sind die Geiseln zuerst an das Rote Kreuz übergeben worden. In den Verhandlungen hat die Hamas zugesagt, diesmal auf entwürdigende Propagandazeremonien zu verzichten.

Das Rote Kreuz hat die Geiseln dann im Gazastreifen an Soldaten und Psychologen der israelischen Armee übergeben, die dann den Transfer über die Grenze übernehmen.
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Mit Helikoptern sollen die Geiseln in die Krankenhäuser geflogen werden
Wie zuvor wird nahe Re‘im in Südisrael ein erstes Aufnahmezentrum eingerichtet. Dort wird ein erster medizinischer Check durchgeführt. Für den Fall, dass jemand akut behandelt werden muss, stehen die grenznahen Krankenhäuser Barzilay und Soroka bereit.
Sollte dies nicht der Fall sein, geht es per Helikopter weiter in eines der drei Krankenhäuser im Zentrum Israels, die schon in der Vergangenheit als Auffangstation der zurückgekehrten Geiseln dienten.
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Familien der Geiseln: Anfangs auf den engsten Kreis beschränkt
Wann die Befreiten zum ersten Mal nach mehr als zwei Jahren wieder ihre Familien sehen können, wird differenziert gehandhabt: Engste Angehörige werden schon im Aufnahmezentrum in Re‘im warten und die Geiseln im Helikopter begleiten. Im Krankenhaus werden dann Treffen mit dem Rest der Familie ermöglicht.
Auch in diesem Ablauf könnte es diesmal Änderungen geben, sagt Levine. Nach den langen Phasen der Unterernährung müsse man annehmen, dass die Geiseln stark immungeschwächt sind. „Sie sind extrem anfällig für Infektionen.“ Daher sollten die Zurückgekehrten in einem möglichst sterilen Umfeld bleiben, bis geklärt wurde, in welchem Zustand sie sich befinden. Der Kontakt mit der Familie könnte daher gestaffelt und verzögert werden: „Sie sollten am Anfang nur vom engsten Kreis umgeben sein“, sagt Levine.
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Die Hoffnung: Der innere Kampf nimmt ein Ende
Für die Geiseln, die jetzt zurückkehren, wird die seelische Aufarbeitung ganz anders verlaufen als für jene, die schon zurückgekehrt sind, erklärt Yehene.
In den früheren Deals war klar, dass es weitere lebende Geiseln gibt, die in den Tunneln zurückbleiben. „Deshalb haben sich die Zurückgekehrten in Schuldgefühle geflüchtet, aber auch in den Kampf für die Rückkehr der anderen“, sagt Yehene. Das Engagement in den Protesten, die Auslandsreisen und Interviews mit der Presse „waren auch ein Mittel, um zurechtzukommen und Sinn zu finden“. Wenn jetzt sämtliche Geiseln befreit werden, nimmt dieser Kampf jedoch ein Ende.
Für die bereits befreiten Geiseln bedeute das, dass sie nun beginnen könnten, sich ihrem langen Prozess der Aufarbeitung zu widmen, sagt Yehene. „Wir werden sie dabei begleiten.“







