Diesen Oktober erleben die USA eine Welle der Hinrichtungen, die das Land seit Jahren nicht mehr gesehen hat. In der vergangenen Woche wurden vier Häftlinge hingerichtet. In der Woche davor starb bereits ein Häftling in Indiana durch die Giftspritze. Jetzt wurde ein weiterer Mann hingerichtet.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Monat ist damit auf dem Weg, der hinrichtungsreichste Monat seit Mai 2011 zu werden – sieben Exekutionen sind insgesamt geplant. Die Gründe hinter dieser Entwicklung werfen lange Schatten, Experten sehen Verbindungen zur politischen Stimmung während Donald Trumps Präsidentschaft. Trump ist ein klarer Befürworter der Todesstrafe.

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Hinrichtung durch Stickstoff: Häftling bekommt Gasmaske aufgesetzt

Ein Mann aus Florida, der vor Jahrzehnten wegen der Vergewaltigung und Tötung seiner Nachbarin verurteilt worden war, wurde am Dienstagabend (28. Oktober) hingerichtet. Norman Mearle Grim Jr., 65, starb nach der Injektion von drei Medikamenten im Florida State Prison in der Nähe von Starke.

Seit der Oberste Gerichtshof der USA 1976 die Todesstrafe wieder einführte, wurden 2014 in Florida acht Menschen hingerichtet. Das war die höchste Zahl jemals. Bis jetzt: Die Hinrichtung von Grim war die 15. Hinrichtung in Florida in diesem Jahr, ein trauriger Rekord. Damit wurden in Florida nun auch in diesem Jahr mehr Menschen hingerichtet als in jedem anderen Bundesstaat, gefolgt von Texas und Alabama mit jeweils fünf Hinrichtungen.

Grim verzichtete jedoch kürzlich auf jegliche Berufung. Er empfing am Dienstag keinen Besuch und traf sich auch nicht mit einem geistlichen Berater, teilten die Behörden mit.

Anthony Boyd sagte bis zum Schluss: „Ich habe niemanden getötet.“

Am Donnerstag der Vorwoche wurde der 54-jährige Anthony Boyd in der William C. Holman Correctional Facility in Alabama um 18:33 Uhr durch die neu eingeführte Hinrichtungsmethode des Stickstoffgases exekutiert. Boyd war 1993 wegen Beihilfe zur Verbrennung eines Mannes bei lebendigem Leib verurteilt worden, nachdem dieser eine Drogenschuld von 200 Dollar nicht beglichen hatte. In seinen letzten Worten beteuerte Boyd seine Unschuld und kritisierte das Strafrechtssystem: „Ich habe niemanden getötet. Ich war an keiner Tötung beteiligt.“ Er fügte hinzu: „Es kann keine Gerechtigkeit geben, bis wir dieses System ändern“, bevor er mit einer Botschaft des Zusammenhalts schloss: „Lasst es uns schaffen.“

Anthony Boyd starb durch die Verabreichung von Stickstoff. Die Methode wird in Alabama seit letztem Jahr angewendet .
Anthony Boyd starb durch die Verabreichung von Stickstoff. Die Methode wird in Alabama seit letztem Jahr angewendet .© AFP | Handout

Nach Angaben von „NBC News“ dauerte die Hinrichtung offenbar länger als frühere Hinrichtungen mit Stickstoffgas. Der Staat gibt nicht bekannt, wann genau das Gas zu fließen begann.

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Alabama begann im vergangenen Jahr, bei einigen Hinrichtungen Stickstoffgas einzusetzen. Bei dieser Methode wird dem Häftling eine Gasmaske über das Gesicht gestülpt, die die Atemluft durch reinen Stickstoff ersetzt. Der Tod des Häftlings erfolgt durch Sauerstoffmangel. Landesweit wurde diese Methode inzwischen bei acht Hinrichtungen angewendet: sieben Mal in Alabama und einmal in Louisiana.

Todesstrafe in den USA: Vier Männer sterben durch Giftspritze

Richard Kenneth Djerf war der vierte Häftling, der in der vergangenen Woche in den USA hingerichtet wurde. Der 55-Jährige wurde 1993 wegen Mordes an einer vierköpfigen Familie aus Phoenix verurteilt und starb am Freitag durch die Giftspritze. Djerf, der über 29 Jahre im Gefängnis saß, verzichtete auf ein Gnadengesuch. Vor einem Monat veröffentlichte er eine Erklärung, in der er die Morde zugab und sich für das verursachte Leid entschuldigte.

„Diese vier unschuldigen Opfer verdienen Gerechtigkeit und ihre Angehörigen verdienen einen Abschluss“, sagte die Generalstaatsanwältin von Arizona, Kris Mayes, dessen Büro die Hinrichtung beantragte.

Hinrichtungsteam findet keine passende Vene

Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass das Hinrichtungsteam etwa zehn Minuten brauchte, um ihm die Infusionen zu legen und ihm die Medikamente zu verabreichen. Zwischen der ersten von zwei Pentobarbitalspritze und der Feststellung seines Todes vergingen etwa 15 Minuten. Im Nachgang wurde gesagt, dass Djerfs Venen „nicht optimal“ gewesen seien und es seien mehrere Versuche nötig gewesen, um die Infusion erfolgreich zu legen.

Arizona wurde in der Vergangenheit dafür kritisiert, dass das Legen von Infusionen bei Hinrichtungen durch die Giftspritze zu lange dauert. Experten gehen davon aus, dass vom Beginn des Legens bis zur Todeserklärung sieben bis zehn Minuten vergehen sollten.

Hinrichtungswelle in den USA

Im US-Bundesstaat Mississippi wurde am vergangenen Mittwoch der verurteilte Vergewaltiger und Mörder Charles Crawford per Giftspritze hingerichtet. Der 59-jährige Crawford war für die Vergewaltigung und den Mord im Jahr 1994 an der 20-jährigen Studentin Kristy Ray verurteilt worden.

Am Dienstag letzte Woche wurden zwei Männer in den USA hingerichtet: Der 72-jährige Samuel Lee Smithers, der 1996 wegen der Ermordung zweier Frauen verurteilt wurde, wurde um 18.15 Uhr nach einer tödlichen Injektion im Florida State Prison für tot erklärt. Es war die 14. Hinrichtung in Florida in diesem Jahr – ein Rekord.

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Samuel Smithers starb in Florida durch die Giftspritze (Florida Department of Corrections / AFP)
Samuel Smithers starb in Florida durch die Giftspritze (Florida Department of Corrections / AFP) © AFP | Handout

Der Vorhang zur Hinrichtungskammer hob sich pünktlich zur geplanten Hinrichtungszeit um 18 Uhr, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Smithers war bereits auf einem Tisch festgeschnallt und hatte eine Infusion im Arm. Auf die Frage, ob er eine letzte Aussage machen wolle, antwortete er: „Nein, Sir.“ Daraufhin wurde das tödliche Medikament sofort gegeben. Smithers soll zunächst schwer geatmet und unter Krämpfen gelitten haben. Ein Wärter schüttelte Smithers und rief seinen Namen, doch es kam keine Reaktion.

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Todesstrafe in den USA: Häftling beteuert Unschuld

Auch in Missouri wurde am Dienstag ein Mann hingerichtet. Der 48-jährige Lance Shockley wurde um 18.13 Uhr nach einer tödlichen Injektion im Staatsgefängnis in Bonne Terre für tot erklärt. Shockley wurde für die Ermordung eines Polizisten verurteilt, der 2005 in einen tödlichen Hinterhalt geriet. Der Polizist, ein junger Vater, hatte gegen Shockley in einem Fahrerflucht-Fall ermittelt.

Lance Shockley wurde in Missouri hingerichtet. Bis zum Ende beteuerte der 48-Jährige seine Unschuld.
Lance Shockley wurde in Missouri hingerichtet. Bis zum Ende beteuerte der 48-Jährige seine Unschuld.© AFP | Handout

Doch Shockley beteuerte seit Jahren seine Unschuld: Es gibt weder Zeugen, DNA-Spuren noch physische Beweise, die ihn klar mit dem Verbrechen verbinden. Während ein früheres Gericht die Indizien für ausreichend hielt, drängten seine Anwälte heute auf moderne DNA-Analysen – damals noch nicht verfügbar – und weisen auf mögliche Justizfehler hin.

Shockleys Hinrichtung wurde vollstreckt, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA seine letzten Berufungen am selben Tag zurückgewiesen hatte. Der republikanische Gouverneur Mike Kehoe lehnte sein Gnadengesuch am Montag ab. „Gewalt gegen diejenigen, die jeden Tag ihr Leben riskieren, um unsere Gemeinden zu schützen, wird niemals toleriert. Missouri steht fest an der Seite unserer Männer und Frauen in Uniform“, sagte Kehoe in einer Erklärung.

Zahl der Exekutionen in den USA steigt

Die Woche der Hinrichtungen gibt Einblick in ein sich wandelndes Strafrechtssystem der USA, in dem die Zahl der Exekutionen wieder steigt und alte Fälle unter neuen Blickwinkeln diskutiert werden.

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In den USA sind in diesem Jahr bisher insgesamt 40 Männer durch gerichtlich angeordnete Hinrichtungen gestorben, und für den Rest des Jahres 2025 und das nächste Jahr ist die Hinrichtung von mindestens 18 weiteren Menschen geplant. 33 der 40 Hinrichtungen in diesem Jahr erfolgten per Giftspritze, fünf durch den Einsatz von Stickstoff und zwei durch ein Erschießungskommando. Die Hinrichtung per Stickstoff-Inhalation haben Experten der UNO in der Vergangenheit als Form von „Folter“ kritisiert. 

In 23 der 50 US-Bundesstaaten wurde die Todesstrafe abgeschafft. In drei weiteren - Kalifornien, Oregon und Pennsylvania – gilt eine vorübergehende Aussetzung für Hinrichtungen.