Schweden wird seine Silos erstmals seit dem Kalten Krieg wieder mit Lebensmitteln befüllen – aus Sorge vor einem Krieg mit Russland. Nachdem das Land 2024 seine langjährige Politik der militärischen Bündnisfreiheit beendet und der Nato beigetreten ist, trifft der skandinavische Staat nun drastische Maßnahmen, um „Stärke im neuen Konzept der totalen Verteidigung“ aufzubauen.

Lebensmittelreserven: Warum die schwedische Regierung jetzt reagieren möchte

Die Regierung kündigte Pläne an, rund 52 Millionen Euro (575 Millionen Kronen) aus dem Haushalt für 2026 zu investieren, um Getreidereserven einzurichten. Carl-Oskar Bohlin, der Minister für Zivilverteidigung, erklärte nun in einem Statement auf X: „Uns ist bewusst, dass das Risiko, dass Schweden komplett abgeschnitten wird, sehr gering ist. Aber das Risiko, dass komplexe Lieferketten im Falle von Krieg und Konflikt gestört werden und das große, unvorhersehbare Folgen hat, ist leider wahrscheinlicher.“

Carl-Oskar Bohlin hält eine Rede.
Carl-Oskar Bohlin, Minister für Zivilverteidigung von Schweden.© picture alliance / TT NYHETSBYRÅN | Fredrik Sandberg/TT

Bohlin betonte, dass die insbesondere für den Norden des Landes geplanten Maßnahmen keine „zufällige“ Entscheidung seien, und fügte hinzu: „Nordschweden ist militärisch-strategisch besonders wichtig und hat zugleich eine geringe Selbstversorgung mit Getreide – deshalb ist es dringend nötig, hier so bald wie möglich ein physisches Lager einzurichten.“

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Aus diesem Grund habe die Regierung die Planung und den Aufbau der Vorräte vorgezogen, denn es bleibt keine Zeit zu verlieren. „Heute geht ein weiteres Datum in die Geschichtsbücher ein, da wir konkrete Maßnahmen ergriffen haben, um die Widerstandsfähigkeit der schwedischen Gesellschaft nachhaltig zu stärken“, so der Minister am Mittwoch. Es gehe vor allem um die Provinzen Norrbotten, Vasterbotten, Vasternorrland und Jamtland. Diese seien aktuell noch von der Versorgung aus Südschweden abhängig.

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Ukraine-Konflikt: In Schweden gibt es schon seit mehreren Jahren ein Umdenken

Schweden hat 2015 nach der Annexion der Krim durch Russland seine Gesamtverteidigungsstrategie wiederbelebt und nach dem groß angelegten Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 weitere Maßnahmen eingeführt. Das Konzept sieht vor, dass im Ernstfall die gesamte Gesellschaft mitzieht – von Behörden über Bürger bis zu Unternehmen. Ziel ist es, bewaffneter Aggression gemeinsam entgegenzutreten und dabei die wichtigsten gesellschaftlichen Funktionen aufrechtzuerhalten.

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Auch in Deutschland beobachtet man die neuesten Entwicklungen im Ukraine-Krieg genau. Die jüngsten Provokationen gegen die Nato zwingen zur Wachsamkeit, erklärte Bundesaußenminister Johann Wadepuhl (CDU) gegenüber dieser Redaktion: „Wenn wir unbesorgt wären, wären wir unaufmerksam. Das können wir uns nicht erlauben. Aber das heißt nicht, dass man sich von Sorge zerfressen lassen muss. Wir müssen aufmerksam sein und reaktionsfähiger werden.“ Das sei ein Prozess. Aber in der Analyse des russischen Verhaltens sei man sehr klar. „Russland testet uns jetzt und möchte wissen, was wir uns gefallen lassen“, so Wadepuhl weiter.