Schülerinnen und Schüler in Deutschland verpassen immer häufiger die Mindestanforderungen in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern. Der IQB-Bildungstrend 2024, der am Donnerstag vorgestellt wurde, verzeichnet im Vergleich zur vorherigen Erhebung 2018 einen deutlich gestiegen Anteil von Jugendlichen, die in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie nicht die definierten Mindeststandards für den mittleren Schulabschluss erreichen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Demnach liegt unter Schülerinnen und Schülern, die einen mittleren Schulabschluss anstreben, der Anteil derjenigen, die das dafür nötige Niveau in Mathematik nicht erreichen, bei knapp 24 Prozent. Laut der Auswertung ist das im Vergleich zu 2018 eine Steigerung in dieser Gruppe von 9 Prozent. Unter allen Jugendlichen ist der Anteil derer, die diesen Standard nicht erreichen, sogar bei 34 Prozent.

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Der Negativtrend trifft alle MINT-Fächer, auch an Gymnasien

Ähnlich ist das Bild in den naturwissenschaftlichen Fächern. In Chemie verfehlen 25 Prozent derer, die einen mittleren Schulabschluss anstreben, das nötige Kompetenzniveau, in Physik sind es 16 Prozent. Noch am besten ist die Lage in Biologie: Hier liegt der Anteil bei 10 Prozent. In allen drei Fächern verzeichnen die Forschenden Anstiege im Vergleich zur Erhebung von vor sechs Jahren. Der negative Trend gilt auch für Neuntklässler an Gymnasien.

Der IQB ist eine repräsentative Bildungsstudie, an der rund 48.000 Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 an 1556 Schulen teilgenommen haben. Die Autorinnen und Autoren nennen Nachwirkungen der Schul-Einschränkungen während der Corona-Pandemie als einen wesentlichen Grund für diese Ergebnisse, aber auch wachsende sozio-ökonomische Unterschiede in der Schülerschaft.

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Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, sieht in den Ergebnissen ein „Alarmzeichen“ für das Bildungssystem. „Die erneut gesunkenen Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften dürfen wir nicht hinnehmen“, sagte Düll dieser Redaktion. Als Reaktion auf die Ergebnisse der Studie brauche es deshalb jetzt eine entschlossene Bildungsoffensive. „Wir fordern verlässliche Investitionen in frühkindliche Sprachförderung, digitale Ausstattung, Begabtenförderung sowie psychische Gesundheitsfürsorge“, sagte Düll. Besonders wichtig sei außerdem ein attraktives Berufsbild für Lehrkräfte im MINT-Bereich, um den Lehrkräftemangel zu beheben. „Bildung ist unser wichtigster Zukunftsfaktor – dafür müssen wir endlich investieren“, sagte Düll.

Wenn B-Promis erzählen, dass sie ja auch schlecht waren in Chemie oder Mathe, dann denken manche Schüler, das brauche ich nicht, ich kann auch ohne was werden.

Frank Herrmann, MNU

Frank Herrmann, Vorsitzender des Verbands zur Förderung des MINT-Unterrichts MNU, sieht einen der wichtigsten Gründe für diese Entwicklung darin, dass in den einschlägigen Fächern großer Lehrermangel besteht. „Die Fachkräfte fehlen einfach an vielen Stellen“, sagt er dieser Redaktion. „Man versucht, das durch fächerübergreifenden Unterricht ein bisschen abzufedern, aber dabei geht die Tiefe des Fachwissens verloren.“ Im MNU organisieren sich Lehrkräfte aus Mathematik und Naturwissenschaften.

Laut Herrmann trägt auch ein negatives gesellschaftliches Bild dieser Fächer zu den schwachen Leistungen bei. „Wenn B-Promis erzählen, dass sie ja auch schlecht waren in Chemie oder Mathe, dann denken manche Schüler, das brauche ich nicht, ich kann auch ohne was werden“, sagt er.