In Litauen legten Wetterballons den Betrieb am Flughafen der Hauptstadt Vilnius lahm. Die Ballons drangen in der Nacht zum Mittwoch in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes ein und hätten dabei den Flugverkehr gestört, teilte der Flughafenbetreiber mit. Der Vorfall weckt Erinnerungen an Drohnensichtungen über mehreren europäischen Flughäfen in den vergangenen Wochen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Trotzdem vermuten die litauischen Behörden wohl nicht Russland hinter den Flugobjekten. Denn die Wetterballons werden üblicherweise von Schmugglern verwendet, um Zigaretten aus dem autoritär regierten Nachbarland Belarus illegal über die Grenze zu schicken.
Nach Angaben der Behörden wurden mehrere Dutzend Ballons über Litauen gesichtet. Das Krisenmanagementzentrum sprach von einer „koordinierten Operation“ von Schmugglern, da die Ballons nicht von einem einzigen Punkt aus gestartet wurden. Insgesamt seien zwölf Wetterballons abgefangen und vier Verdächtige über Nacht festgenommen worden, sagte Grenzschutz-Chef Rustamas Liubajevas einem Rundfunkbericht zufolge.
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Litauens Regierungschefin Inga Ruginiene berief eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein, um konkrete Lösungen für den Schutz des Luftraums um den Flughafen zu finden. Auch forderte sie die Führung in Minsk zu einem „verantwortungsvollen Umgang“ mit den Vorfällen auf. Unabhängig von den angespannten politischen Beziehungen müssten die beiden Nachbarländer auf technischer Ebene zusammenarbeiten, sagte sie.
Nach Angaben des Flughafens wurden mehrere ankommende Flüge umgeleitet, einige Abflüge gestrichen. Insgesamt waren 30 Flüge und mehr als 4.000 Passagiere von den Einschränkungen während der Sperre betroffen, die um 22.23 Uhr Ortszeit verhängt worden war. Der Flugverkehr wurde um 6.40 Uhr wieder aufgenommen.
Die Ballons steigen in der Regel nahezu senkrecht auf und überqueren die Grenze in großer Höhe. Dadurch seien sie den Behörden zufolge schwer zu erkennen.
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Litauens Grenzschutz schloss aufgrund des Vorfalls zudem vorübergehend die beiden noch offenen Grenzübergänge zu Belarus in Medininkai und Salcininkai. Begründet wurde die gegen 2.30 Uhr vorsorglich getroffene Entscheidung mit der Sicherheitslage. Der Grenzverkehr und Kontrollen wurden um 9.00 Uhr wieder aufgenommen. Belarus sei darüber informiert worden.
Die Nutzung von Wetterballons zum Schmuggeln von illegalen Zigaretten aus Belarus nach Litauen ist kein neues Phänomen. Angesichts der besseren Überwachung und Sicherung der Grenze durch einen Zaun und andere Schutzmaßnahmen hat ihr Einsatz aber deutlich zugenommen. Beim jetzigen Vorfall handelte es sich nach Angaben der Behörden um eine der intensivsten Operationen in diesem Jahr.
Der größte Flughafen Litauens wurde zuvor bereits Anfang Oktober einmal von „Schmuggelballons“ lahmgelegt. Damals verletzten 25 Wetterballons den litauischen Luftraum. Die Behörden leiteten daraufhin Ermittlungen ein und nahmen mehrere Personen fest. Untersucht wurden die Fälle als organisierte Kriminalität. Litauen hat eine rund 679 Kilometer lange Grenze zu Belarus, die Teil der EU-Außengrenze ist. Die Hauptstadt Vilnius liegt nur etwa 30 Kilometer von der Grenze entfernt.
os/dpa






