Der ungewöhnlichste Umzug Berlins steht bevor: Weil das Schloss Bellevue marode ist und umgebaut wird, muss Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) seinen Sitz räumen. Statt im imposanten weißen Schloss lebt und arbeitet Steinmeier ab 2026 in einem Neubau aus Holz-Hybridbauweise in Berlin-Moabit. Bis 2031 zieht der Bundespräsident in die sogenannte „Ausweichsliegenschaft“ in der Elisabeth-Abegg-Straße. Bevor er sich dort einrichten kann, steht der Umzug an. Doch das stellt sich als gar nicht so einfach heraus.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Das gesamte Inventar des Bundespräsidenten muss vom Schloss am Tiergarten nach Moabit bewegt werden – vom Geschirr bis zum Bücherregal. Wie aus der öffentlichen Ausschreibung mit dem sperrigen Titel „Umzugsdienstleistung für das Bundespräsidialamt“ hervorgeht, gibt es fürs Umzugsunternehmen einiges zu verpacken. Die Inventarlisten ähneln einem kafkaesken Möbelhaus: Nicht nur die unterschiedlichen Möbel sind darin aufgeführt, sondern auch die Mengen und genauen Maße.

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Der Bundespräsident zieht um: Mehr als 110 Bürostühle, 50 Schreibtische und acht Teppiche müssen mit

Allein für den Büroinhalt werden so einige helfende Hände gebraucht: Mehr als 110 Bürostühle (die meisten davon sind schwarz), 50 Schreibtische, 27 Regale, 30 Rollcontainer, acht Teppiche und vier Flipcharts stehen auf der Liste. Auch sieben Standspiegel, ein Acryl-Redepult und ein Klavierhocker ziehen mit um, genauso wie zahlreiche Bücher und Regale.

Hinzu kommt ein Paket aus Möbeln für Veranstaltungen: Neben Sitzgelegenheiten wie weißen Sesseln, Konferenzstühlen, Stapelstühlen oder Klappstühlen stehen zahlreiche Tische in unterschiedlichen Ausführungen auf der Liste. Auch ein Hubwagen, Bühnenelemente oder ein Festzelt (Höhe: 190 cm, Breite: 130 cm, Tiefe: 85 cm) sollen aus dem Schloss Bellevue ausziehen.

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Umzug aus dem Schloss Bellevue: So können sich Umzugshelfer für den Bundespräsidenten bewerben

Besonders amüsant liest sich das „Paket 8“: Geschirr und Tafelwäsche werden hier aufgeführt und genau dokumentiert. 14 ovale Gurkenschalen ziehen mit Frank-Walter Steinmeier um, genauso wie sechs „Deckel für Ragoutschüssel mit Figur“, 22 Saucieren, acht Eierbecher, mehr als 2000 Teller in unterschiedlichen Größen und Ausführungen. Seltsam: 537 Tassen werden aufgelistet, aber 796 Untertassen. Auch scheint es laut der Inventarliste 34 Zuckerdosen, aber nur 29 zugehörige Deckel zu geben. Es gibt also nicht für jeden (Zucker-)Topf einen Deckel – zumindest nicht im Schloss Bellevue.

Das Ausweichquartier  für das Bundespräsidialamt in der Elisabeth-Abegg-Straße in Berlin-Mitte
So wird das Ausweichquartier für das Bundespräsidialamt in der Elisabeth-Abegg-Straße in Berlin-Mitte voraussichtlich aussehen.© Sauerbruch Hutton Architekten | : Sauerbruch Hutton Architekten

Für den riesigen Umzug werden übrigens noch Helfer gesucht: Er muss öffentlich ausgeschrieben werden, weil es sich um eine öffentliche Institution handelt und der Prozess damit strengen Vorgaben unterliegt. Schätzungsweise 300.000 Euro kostet der Umzug. In dem laufenden Vergabeverfahren können sich nun Unternehmen für diese mehr oder weniger staatstragende Aufgabe bewerben.

Frank-Walter Steinmeier zieht endgültig aus Schloss Bellevue aus – eine Frau könnte seine Nachfolgerin sein

Nur seriöse, erfahrene Firmen sollen sich durchsetzten – dafür gelten feste Kriterien: Der zuständige Umzugskoordinator muss etwa seinen Lebenslauf einreichen; auch müssen Informationen über bisherige Projekte, die Mitarbeiterstruktur oder der Auszug aus dem Gewerberegister eingereicht werden.

Wer sich durchsetzt, muss strenge Sicherheitsauflagen einhalten. Geheimnisse dürfen selbstverständlich nicht weitergetragen werden. Sollte also ein Mitarbeiter des Umzugsunternehmens beim Transport von Akten einen Bericht entdecken, der definitiv nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, muss er damit vertraulich umgehen. Bis zum 10. Dezember, 11 Uhr, haben Unternehmen Zeit, sich zu bewerben.

Für Steinmeier ist der Auszug aus dem Schloss Bellevue endgültig: Bis 2027 hat er noch das Amt des Bundespräsidenten inne. Wer ihn dann ablöst – und hoffentlich im Jahr 2031 wieder ins Schloss einziehen darf, steht noch nicht fest. Erstmals könnte eine Frau das Amt bekleiden. Auch der Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fände das gut, sagte er: „Ich kann mir das sehr gut vorstellen, dass wir 2027 eine Frau zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zur Bundespräsidentin wählen.“