Die israelische Armee will nach eigenen Angaben die seit dem 10. Oktober geltende Waffenruhe im Gazastreifen wieder einhalten. Zuvor hatte Israel jedoch Dutzende Luftangriffe auf den Küstenstreifen geflogen. Nach Informationen des Hamas-Zivilschutzes kamen dabei mindestens 50 Menschen ums Leben, darunter 22 Kinder. Etwa 200 weitere wurden verletzt. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Am Dienstag hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Armee angewiesen, sofort „intensive Angriffe“ im Gazastreifen auszuführen. Dies teilte das Büro Netanjahus nach einer Sicherheitsberatung des Regierungschefs mit.

Auf dem „X“-Kanal der Israelischen Armee heißt es: „Nach einer Lagebeurteilung und der Zustimmung von Verteidigungsminister Israel Katz wurde beschlossen, die Beschränkungen der IDF in den israelischen Gemeinden in der Nähe des Gazastreifens ab heute aufzuheben.“ Nach Angaben seines Büros drohte der israelische Verteidigungsminister: Die Hamas werde einen „hohen Preis zahlen für den Angriff auf israelische Soldaten in Gaza und für die Verletzung des Abkommens über die Rückgabe der getöteten Geiseln“. Mit dem Angriff habe die Hamas eine „rote Linie“ überschritten. Die israelische Armee werde darauf mit großer Härte reagieren. Die Hamas werde doppelt und dreifach zahlen, sagte Katz demnach.

Hamas-Kämpfer tragen am 28. Oktober 2025 eine Leiche aus einem Tunnel nördlich von Khan Yunis im südlichen Gazastreifen.
Hamas-Kämpfer tragen am 28. Oktober 2025 eine Leiche aus einem Tunnel nördlich von Khan Yunis im südlichen Gazastreifen.© AFP | Bashar Taleb

Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz handelt es sich um eine Reaktion auf einen Angriff der islamistischen Terrororganisation Hamas auf israelische Soldaten sowie auf die Verzögerung bei der vereinbarten Übergabe getöteter Geiseln. Der israelische TV-Sender N12 berichtete, bewaffnete Palästinenser hätten Soldaten in Rafah angegriffen, unter anderem mit einer Panzerfaust. Auch ein Scharfschütze sei an dem Angriff beteiligt gewesen.

Die islamistische Hamas hat nach eigenen Angaben am Dienstag die Leichen von zwei weiteren Geiseln gefunden. Das erklärte die radikalislamische Palästinenserorganisation im Onlinedienst Telegram, ohne jedoch anzugeben, wann sie die Leichen an Israel übergeben wird.

Angesichts der Eskalation fordert Außenminister Johann Wadephul die Hamas und Israel auf, die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden nicht zu gefährden. „Alle Anstrengungen müssen jetzt darauf gerichtet sein, die Erwartungen der Menschen in einer ganzen Region auch zu erfüllen“, erklärte der CDU-Politiker vor dem Abflug zu einer mehrtägigen Reise in den Nahen Osten und die Golfregion. 

Gazastreifen: Waffenruhe von Beginn an brüchig

Bereits zuvor war es im südlichen Gazastreifen nach einem Medienbericht ungeachtet der Waffenruhe zu einem Feuergefecht gekommen. Der israelische Armeesender meldete am Dienstagnachmittag, bewaffnete Mitglieder der Terrororganisation Hamas hätten auf israelische Soldaten geschossen. Nach Angaben palästinensischer Augenzeugen kam es anschließend zu Artilleriebeschuss mehrerer Gebiete im Bereich von Rafah. Alle Angaben können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.

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US-Präsident Donald Trump hat sich zuversichtlich über den Fortbestand der Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas gezeigt. „Nichts“ werde die Waffenruhe gefährden, sagte er am Mittwoch. Israel solle jedoch „zurückschlagen“, wenn israelische Soldaten getötet würden. „Sie haben einen israelischen Soldaten getötet. Also haben die Israelis zurückgeschlagen. Und sie sollten zurückschlagen“, sagte Trump zu Reportern in der Präsidentenmaschine Air Force One.

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Seit Beginn einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas am 10. Oktober im Rahmen des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump kam es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen. Dabei wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bereits mehr als 90 Palästinenser getötet. Auch Israel wirft der Gegenseite vor, die Waffenruhe immer wieder zu brechen und gegen Vereinbarungen zu verstoßen.

Israel: Hamas hält sich nicht an Absprachen zu Geisel-Übergabe

Nach der Übergabe sterblicher Überreste einer bereits beigesetzten Geisel hatte die Hamas angekündigt, eine weitere Leiche auszuhändigen. Diese sollte ursprünglich um 20.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MEZ) übergeben werden, hieß es in einer Mitteilung der Kassam-Brigaden.

Die Übergabe der sterblichen Überreste von Geiseln erfolgte bisher stets über Repräsentanten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Am Montagabend hatte die Hamas erneut sterbliche Überreste übergeben. Forensische Untersuchungen in Israel brachten jedoch ans Licht, dass diese zu einem Israeli gehörten, dessen Leiche die Armee bereits im Herbst 2023 nach Israel gebracht hatte. Dies löste in Israel großen Zorn und Empörung aus und es war der Anlass für die Sicherheitsberatung Netanjahus, bei der über das weitere Vorgehen beraten werden sollte. 

Das IKRK verurteilte die Aktion ebenfalls. Ein Video der israelischen Armee soll zeigen, dass die Hamas Leichenteile aus einem Gebäude holte und vergrub, um dies dann später im Beisein des IKRK als vermeintlichen Fund der Leiche einer Geisel zu deklarieren. „Das IKRK-Team an diesem Ort wusste nicht, dass dort vor ihrer Ankunft eine verstorbene Person vergraben worden war, wie in den Aufnahmen zu sehen ist“, teilte das IKRK in Genf mit. Das Team sei erst bei der Bergung von Überresten dabei gewesen, „ohne vorherige Kenntnis der Umstände, die dazu geführt haben. Es ist inakzeptabel, dass eine vorgetäuschte Bergung inszeniert wurde“, teilte es mit. 

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Im Rahmen des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump hätte die Hamas bereits vor mehr als zwei Wochen insgesamt 28 Leichen von Geiseln übergeben müssen. Die Terrororganisation hat jedoch 13 Leichen bis jetzt nicht übermittelt und erklärt dies mit den schwierigen Bedingungen vor Ort.

lro/sh/dpa