Nicht nur die Wortwahl, auch der Zeitpunkt von Trumps Ankündigung ist unmissverständlich: „Wegen der Atomwaffentests anderer Länder habe ich das Kriegsministerium angewiesen, unsere Atomwaffen auf gleicher Basis zu testen.“ Als der Post um die Welt ging, saß der US-Präsident gerade im Hubschrauber Marine One auf dem Weg zu Xi Jinping. Unter dem Staatschef wurde das atomare Waffenarsenal Chinas in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Auch Anrainer Russland und Waffenbruder Nordkorea machten nie einen Hehl aus ihren nuklearen Ambitionen. Die Diktatur unter Kim Jong-un ist das einzige Land weltweit, das seit den 90er-Jahren weiter Atomwaffen testet – jeder internationaler Kritik zum Trotz.

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Und die USA? Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte die Weltmacht in den 90er-Jahren ihre umstrittenen Tests im eigenen Land eigentlich beendet. Präsident George W. H. Bush verhängte damals ein freiwilliges Moratorium. Den Kernwaffenteststopp-Vertrag hatten die Vereinigten Staaten – ebenso wie China – allerdings nie ratifiziert. Russland zog die Zustimmung im Jahr 2023 zurück. Auf klassische Tests, wie sie unter den Atommächten lange üblich waren, hatte aber auch Kremlchef Putin in seiner Präsidentschaft verzichtet.

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Dennoch erreichten die Welt in den vergangenen Tagen beunruhigende Nachrichten aus Russland, die auch am US-Präsidenten nicht spurlos vorbeigegangen sein dürften. Nicht nur verkündete der Kremlchef den erfolgreichen Test des nuklear betriebenen Marschflugkörpers „Sturmvogel“, der in westlichen Fachkreisen auch „fliegendes Tschernobyl“ genannt wird. Kurz vor Trumps Treffen mit Xi Jinping wurde bekannt, dass Putin die nuklear betriebenen Unterwasserseedrohne „Poseidon“ erfolgreich getestet haben will.

Trump kündigt sofortigen Beginn von Atomwaffentests an
Ein Atompilz steigt nach einer Testexplosion auf dem Testgelände in Nevada am 24. Juni 1957 auf. © Uncredited/Energy Department/AP/dpa | Uncredited

Unklar ist allerdings, in welcher Form die USA künftig Atomwaffentests ausführen wollen. Sie sollen „unverzüglich“ und „auf gleicher Basis erfolgen“, schrieb Trump auf Truth Social. Die Wortwahl könnte darauf hindeuten, dass der Präsident als Machtdemonstration ebenfalls nuklear betriebene Waffen vorführen könnte. Offen blieb, ob er zu Testzwecken auch eine Atombombe zünden würde.

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Solche Tests könnten über- oder unterirdisch erfolgen. Sie sollen bestehende und neue Systeme prüfen – und dienen letztlich als Machtdemonstration. Im Gegensatz zu subkritischen, die auch nach den 90er-Jahren erfolgten, wird bei kritischen Tests ausreichend nukleares Sprengmaterial zusammengebracht, um eine Explosion zu erzeugen. Den Anfang machten einst die USA gegen Ende des Zweiten Weltkrieges.

Erst nach dem Bombenabwurf über Nagasaki wurde bekannt, dass ein gigantischer Lichtblitz über der Wüste von New Mexiko auf die Explosion einer Atombombe zurückzuführen war. Sie befand sich auf einem Stahlturm in 30 Meter Höhe. Binnen Sekunden bildete sich ein drei Meter tiefer und 330 Meter breiter Krater. Der Sand verschmolz zu Glas, schreibt das Air Force Nuclear Weapons Center. Noch in einer Entfernung von 320 Kilometern sahen Augenzeugen einen Lichtblitz. Der „Trinity“-Test markierte den Beginn von Atomwaffentests im Kalten Krieg.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Es folgten weltweit mehr als 2000 weitere, wobei die USA die meisten durchführten: Laut der Arms Control Association zündete die Weltmacht sowohl über- als auch unterirdisch insgesamt 1148 Kernwaffen. Die Folgen waren verheerend, ganze Atolle wurden verseucht. Wegen des intensiven radioaktiven Niederschlags, genannt „Fallout“, einigten sich die Supermächte 1963 auf ein Verbot überirdischer Detonationen. Der letzte klassische Test der USA erfolgte unterirdisch im Jahr 1992 auf einem Gelände unweit von Las Vegas.

Die Nevada Test Site dürfte nun nach Trumps Ankündigung wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Berichte darüber, wie lange es brauchen würde, das Gelände wieder in Betrieb zu nehmen, variieren. Daryl Kimball, Geschäftsführer der Arms Control Association, geht auf X von 36 Monaten aus.