Der Sudan versinkt seit Jahren in einem blutigen Krieg – mit katastrophalen Folgen für die Zivilbevölkerung. Die Vereinten Nationen sprechen von der größten humanitären Krise der Welt: Rund zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht, Millionen hungern, Zehntausende wurden getötet. Allein in Al-Faschir, nach 500 Tagen Belagerung von den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) eingenommen, starben mindestens 1500 Zivilisten, viele beim Versuch zu fliehen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Zentral im Konflikt stehen die ehemaligen Verbündeten Armeechef Abdel Fattah al-Burhan und RSF-Kommandeur Mohamed Hamdan Daglo, genannt Hemedti. Beide sollen vor mehr als 20 Jahren für den Genozid an der nicht-arabischen Bevölkerung in Darfur mit bis zu 300.000 Toten beteiligt gewesen sein. Nach dem Sturz des Langzeitdiktators Omar al-Baschir 2019 hatten sie zunächst gemeinsam die Macht übernommen. Doch über die Frage, ob die RSF in die reguläre Armee integriert oder als eigenständige Macht bestehen bleiben sollte, kam es zum Bruch – und schließlich zum offenen Krieg, bei dem sich die Konfliktparteien immer wieder gegen die Zivilbevölkerung richten.

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Brutaler Krieg im Sudan: Gold als Treibstoff der RSF

Ein entscheidender Treibstoff dieses Krieges ist Gold. Denn der Sudan verfügt über reiche Vorkommen. „Die RSF finanzieren ihre Kriegskampagne vor allem mit dem Gold, das sie in Darfur und in anderen Teilen des Landes gewinnen“, sagt Sudan-Expertin Anette Hoffmann vom Clingendael-Institut. „Das meiste Gold landet in den Vereinten Arabischen Emiraten.“

Mit den Erlösen beschaffe sich die RSF Drohnen, Waffen, Raketen, Fahrzeuge und Söldner, unter anderem aus Kolumbien und Somalia. Diese Waffen und Söldner hätten bereits Zehntausende Zivilisten getötet und 11 Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben. „Der Kampf um Gold hat sich seit Ausbruch des Krieges verschärft“, so Hoffmann. Denn sowohl die RSF als auch die reguläre Armee (SAF) finanzieren den Krieg mit Gold – mit Folgen: „Goldexporte sind gestiegen“.

Vereinigte Arabische Emirate: Diese Rolle spielen sie im Sudan-Krieg

Aus den RSF-kontrollierten Gebieten im Westen wird das Gold auf inoffiziellen Routen geschmuggelt – über Tschad, die Zentralafrikanische Republik, den Südsudan, Kenia und Uganda – bis es in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ankommt. Schätzungen zufolge sind 80 bis 90 Prozent des sudanesischen Golds Schmuggelware. In den VAE spielt sich ein Großteil der Geldströme ab: Die Emirate sind Hauptabnehmer des sudanesischen Goldes und zugleich Versorger der RSF mit Waffen. Nach Hoffmanns Analyse empfangen die RSF „so gut wie ihre gesamte militärische Unterstützung aus den VAE“.

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Sudan: Wer profitiert vom Krieg? Gold, Macht – und Hilfe
Im Krisenmodus
 

Waffen, Drohnen und Fahrzeuge werden über gut dokumentierte Routen geliefert: „Alleine im Oktober gab es 57 Frachtflüge von den VAE über Puntland nach Kufra in dem von General Haftar kontrollierten Südlibyen“, sagt Hoffmann. „Dort wird das Kriegsgerät an die RSF übergeben, die in langen Konvois von der libyschen Grenzen die Fahrzeuge und Waffen nach Darfur schaffen. Ohne die militärische und logistische Unterstützung der VAE könnte die RSF ihre brutalen Anfälle auf die Zivilbevölkerung nicht durchführen.“ Offiziell bestreiten die Emirate jede Beteiligung, doch für die Expertin ist die Beweislage „wasserdicht“.

Gleichzeitig erhalten die VAE selbst Waffenlieferungen aus westlichen Staaten. Sowohl die USA als auch das Großbritannien exportieren weiterhin militärische Ausrüstung in die Emirate – trotz des Risikos, dass diese Waffen im Sudan-Konflikt landen. Britische Systeme und Motorteile wurden laut UN-Dokumenten bereits im Sudan gefunden, eingesetzt von der RSF. Angesichts der jüngsten Gräueltaten werden in beiden Ländern inzwischen Stimmen laut, die Waffenlieferungen an die Emirate zu stoppen.

„Blutgold“ aus dem Sudan auch in Deutschland: „Der Goldhandel boomt“

Von den Emiraten aus gelangt das sudanesische Gold auf den Weltmarkt, auch nach Deutschland. Die VAE sind damit auch ein wichtiges Einfallstor für sogenanntes Blutgold nach Europa. Dabei handelt es sich um Gold, das unter den Bedingungen des Krieges geschürft und verkauft wird. Sanktionen haben diesen Handel bislang kaum gebremst, weil sie nicht gegen die Partner und Zwischenhändler in den VAE gerichtet sind. „Im Gegenteil, der Goldhandel boomt wie nie zuvor“, sagt Hoffmann.

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Zusätzlich zum Goldhandel hat sich die RSF ein weites Geschäftsimperium aufgebaut. Fast alle Privatunternehmen, die ihren Handel abwickeln, haben ihren Sitz in den Emiraten. Daneben verdient die paramilitärische Gruppierung an Viehexporten, am Handel mit arabischem Gummi – mit Ägypten und den Golfstaaten und an Plünderungen. Außerdem erheben ihre Kämpfer Gebühren, etwa für die Nutzung von Straßen oder von Internetdiensten über Starlink.

Auch die sudanesische Armee finanziert sich durch Gold

Doch auch die reguläre Armee, die SAF, finanziert sich über Gold: Sie kontrolliert die Minen im Osten und Norden des Landes und schmuggelt das Edelmetall über Ägypten. Die Einnahmen dienen ebenfalls zur Beschaffung von Waffen und Ausrüstung. Die reguläre Armee wird Hoffmann zufolge von mehreren Staaten mit Waffen beliefert, darunter Ägypten, die Türkei, Iran und Russland.

Diese Staaten wollen den Einfluss der Armee im Sudan zu sichern – und damit auch ihren eigenen strategischen Zugang zum Roten Meer, einer der wichtigsten Handels- und Transportrouten der Welt. Zugleich geht es um wirtschaftliche Interessen: Besonders die Golfstaaten investieren in Landwirtschaftsprojekte im Sudan, pachten fruchtbare Flächen, importieren Vieh und Getreide und sichern so ihre eigene Versorgung mit Nahrungsmitteln.