Rechts gegen rechts: In den USA hat sich eine Debatte über den extrem rechten Influencer Nick Fuentes entbrannt, nachdem er in der vergangenen Woche in einer Show des Trump-Fürsprechers Tucker Carlson aufgetreten war. Tucker Carlson – erst „CNN“-, später „Fox News“-Moderator und schließlich Podcaster und YouTuber – bot dem jungen Mann auf seinem YouTube-Kanal eine riesige Plattform. Allein auf dem Videoportal folgen Carlson fast fünf Millionen Menschen. Das Video mit Fuentes hatte am Montagnachmittag fast 6 Millionen Aufrufe auf YouTube.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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In dem mehr als zwei Stunden langen Video bot Carlson dem 27-Jährigen die Gelegenheit, beinahe unwidersprochen seine politischen Ansichten kundzutun. Fuentes‘ Einstellungen gleichen denen eines Nationalisten, Frauenfeinds, Holocaust-Leugners. Der junge Mann fordert eine exklusive, „pro-weiße“, christliche Bewegung – und verbreitet gleichzeitig Verschwörungserzählungen über Jüdinnen und Juden. Auch in dem nun veröffentlichten Video von Carlson spricht Fuentes von einer vermeintlich „organisierten jüdischen Gemeinschaft“ in den USA.
Kritik an Tucker Carlsons zahmem Interview mit Nick Fuentes: „unterwürfig“
Viele – auch Konservative – distanzierten sich in den vergangenen Tagen von Nick Fuentes und kritisierten Tucker Carlson dafür, dem Extremisten eine Bühne zu bieten. Der in rechten Kreisen wie ein Superstar gehandelte Ben Shapiro etwa verurteilte Carlson für das Interview. Carlson normalisiere den „Müll“ der sogenannten Groypers, wie die Anhänger von Fuentes genannt werden.
Auch Matt Brooks stieg in die Kritik mit ein: Er ist der Geschäftsführer der Republican Jewish Coalition, einer US-amerikanischen konservativen politischen Organisation, die sich für jüdische Wähler einsetzt. Laut Brooks hat Carlson ein „unterwürfiges Interview“ geführt. Fuentes sei nicht für seine „extrem antisemitischen und rassistischen Äußerungen“ und seine „Verehrung Adolf Hitlers und Leugnung des Holocaust“ zur Rechenschaft gezogen worden.
News aus den USA
„Nicht unsere Freunde auf der rechten Seite attackieren“: Kritik an Reaktion auf Interview von Carlson und Fuentes
Anlass für Kontroversen lieferte hingegen die Reaktion von Kevin Roberts. Er ist der Vorsitzende der rechtskonservativen Heritage Foundation, eines gemeinnützigen Forschungsinstituts für öffentliche Politik, das während der Nixon-Regierung gegründet wurde. „Christen können Israel kritisieren, ohne antisemitisch zu sein“, sagte er. Die Heritage Foundation steckt hinter der konservativen Agenda „Project 2025“, die einen konservativen Umbauplan für die USA beinhaltet.

Carlson nun dafür zu attackieren, dass er Fuentes einlud, sei eine „Ablenkung“. Man wolle ihn „canceln“. „Das amerikanische Volk erwartet von uns, dass wir uns auf unsere politischen Gegner von links fokussieren, nicht, dass wir unsere Freunde auf der rechten Seite attackieren“, sagte Roberts. Für seine Aussagen erhielt er viel Gegenwind – auch von Mitarbeitenden seiner Organisation. Schließlich trat Roberts in der vergangenen Woche von seinem Posten zurück.
Debatte um Nick Fuentes‘ Verhältnis zur Maga-Bewegung: Ist er der neue Charlie Kirk?
Seit Tagen hält die Debatte um das Interview an. Viele sehen darin nicht nur einen Streit um die anzweifelbaren Aussagen von Fuentes, sondern auch um die Frage, wer das Machtvakuum von Charlie Kirk füllen könnte. Der rechte Podcaster war im September ermordet worden und galt als Einflüsterer für Donald Trump und die „Make America Great Again“-Bewegung (Maga).
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Kurz nach Erscheinen des Interviews von Carlson und Fuentes bezeichnete die Journalistin Michelle Goldberg in einem Kommentar in der „New York Times“ Fuentes als Nachfolger des im September ermordeten rechten Podcasters Charlie Kirk. Aber ist er das? Charlie Kirk und Nick Fuentes galten viele Jahre als verfeindet. Fuentes bezeichnete Kirk unter anderem als „schwach“, nannte ihn „regierungsnah“, beschimpfte ihn als „Idioten“. Er plante regelrechte Kampagnen, um Kirk das Image eines „unechten Konservativen“ zu verleihen.
Als Kirk ab 2019 unter dem Titel „Culture War“ (Deutsch: Kulturkampf) mit seiner neu-rechten Organisation Turning Point quer durch die USA tourte, schickte Fuentes auch seine Anhänger zu den Veranstaltungen. Nicht etwa, um Kirk beizupflichten, sondern damit sie Suggestivfragen zu Themen wie Migration, LGBTQIA, sowie Israel und Gaza stellten. Die Kampagne, die Fuentes und seine Anhänger auf soziale Netzwerke ausweiteten, um Kirk als zu links darzustellen, wurde in Anlehnung an Kirks Tour auch als „Groyper War“ bezeichnet. Ein Kampf, den – so glauben es zumindest einige in den USA – Fuentes durch das Interview mit Carlson nun gewonnen haben könnte.










