Sergej Lawrow, Russlands Außenminister, gibt zuletzt Rätsel auf und macht sich selten. Beim kommenden G20-Gipfel in Südafrika sollte er eigentlich Präsident Wladimir Putin vertreten. Jetzt wird der Wirtschaftsexperte Maxim Oreschkin, stellvertretender Leiter der russischen Präsidialverwaltung, nach Johannesburg kommen. Zuvor fehlte Lawrow auf einer wichtigen Sitzung des russischen Sicherheitsrates. Dabei ging es um nichts Geringeres als die Wiederaufnahme von Atomtests als Reaktion auf Trumps Pläne in den USA. Lawrow sei „einvernehmlich abwesend“ gewesen, so die offizielle Sprachregelung.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Gesundheitsprobleme? Amtsmüdigkeit? Oder ist Lawrow gar bei Putin in Ungnade gefallen, wie manche politischen Beobachter spekulieren? Gemutmaßt wurde, dass der Kremlchef dem Außenminister die Schuld geben könnte für das geplatztes Treffen von US-Präsident Donald Trump und Putin in Budapest. Das Treffen war nach einem Telefonat Lawrows mit seinem US-Kollegen Marco Rubio abgesagt worden. Entsprechende Meldungen etwa im US-Fernsehsender CNN dementierte Kremlsprecher Dmitri Peskow gegenüber Journalisten: „Ich gebe Ihnen eine kurze Antwort: Nichts in diesen Berichten entspricht der Realität.“ Und klar sei: „Selbstverständlich arbeitet Lawrow weiterhin als Außenminister.“

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Putins Drohnen über Europa? Wie groß ist die Gefahr?
Im Krisenmodus
 

Putin: Lawrow meldet sich plötzlich zu Wort

Wie um das zu unterstreichen, meldete sich der 75-Jährige am Dienstag wieder zu Wort. Im staatlichen russischen Fernsehen signalisierte er Gesprächsbereitschaft mit den USA. „Wir sind bereit, die von unseren amerikanischen Kollegen geäußerten Verdächtigungen zu erörtern, wir würden womöglich etwas Geheimes tief unter der Erde tun“, sagte Lawrow zu den US-Vorwürfen, Russland nehme unterirdische Atomtests vor. Die USA könnten mithilfe des globalen seismischen Überwachungssystems überprüfen, ob Russland einen Atomsprengkopf getestet habe, betonte er. 

Also alles wie immer? Nicht ganz. Die lange Abwesenheit wirft zumindest Fragen auf. Bei seinem Auftritt ging Lawrow darauf nicht ein.

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Lawrow: Russischer Außenminister seit 21 Jahren – fast Weltrekord

Sergej Lawrow gilt als geschickter Politiker, versiert auf dem diplomatischen Parkett. Aber er ist auch ein Politiker, der im Sinne seines Chefs Wladimir Putin durchaus poltern kann. Sein Amt trat Lawrow im März 2004 an, seit 21 Jahren ist er Russlands Außenminister. Das ist fast Weltrekord, nur wenige Politiker, wie etwa Andrej Gromyko, waren länger in diesem Amt. Gromyko leitete 29 Jahre lang das Außenministerium der damaligen Sowjetunion.

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In seiner Amtszeit war Lawrow mit zahlreichen Krisen und Konflikten konfrontiert. Darunter befanden sich die Kriege im Irak und in Afghanistan, die Auseinandersetzung um die Unabhängigkeit des Kosovo, der Arabische Frühling, der Bürgerkrieg in Syrien und – vor allem – Russlands eigene Kriege. Im Konflikt um die Regionen Südossetien und Abchasien kämpften russische Soldaten gegen Georgien. Es folgte die Annexion der Krim nach dem Maidan in Kiew und schließlich der blutige Krieg um die Ostukraine. Als Außenminister kam Lawrow in der Welt herum. Im Jahr 2016 fragte die Zeitung „Kommersant“ nach seinen Reiserouten. Die Antwort: Bis zu diesem Zeitpunkt verbrachte der Minister insgesamt 4300 Stunden in der Luft und legte dabei eine Strecke zurück, die etwa 83 Erdumrundungen entspricht. Geht nun die Ära Lawrow allmählich zu Ende?

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Russland: Sergej Lawrow hat eine steile Diplomatenkarriere hingelegt

Lawrow wurde am 21. März 1950 in Moskau geboren. Laut eigenen Angaben hatte er georgische und armenische Wurzeln. Sein Vater stammte aus Tiflis, seine Mutter arbeitete im sowjetischen Außenhandelsministerium. Lawrow schlug die Diplomatenlaufbahn ein, studierte in Moskau am Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen. 1972 ging es zum ersten Mal beruflich ins Ausland. Bis 1976 arbeitete er als Übersetzer, Protokollchef und Sekretär an der sowjetischen Botschaft in Sri Lanka. Es folgte eine steile Diplomatenkarriere. Von 1981 bis 1988 war Lawrow an der Ständigen Vertretung der UdSSR bei den Vereinten Nationen in New York tätig, später kehrte er als Chef der Vertretung zurück. Nicht mehr für die Sowjetunion, sondern – nach dem Zerfall des Riesenreiches – für Russland. 10 Jahre arbeitete Lawrow in New York, schließlich ernannet ihn Wladimir Putin 2004 zum russischen Außenminister.

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Sergej Lawrow ist mit Maria Lawrowa verheiratet. Sie unterrichtet russische Sprache und Literatur, arbeitete in der Bibliothek der Ständigen Vertretung Russlands in New York. Die beiden haben eine Tochter, Ekaterina, die gleichfalls lange in den USA gelebt hat. Sie studierte an der Columbia University und der London School of Economics. Heute arbeitet sie als Unternehmerin in Russland, ist verheiratet und hat selbst zwei Kinder. Lawrow ist bekennender Fußballfan, spielt Gitarre, schreibt Gedichte. Und ist ein starker Raucher. Beim letzten G20-Gipfel 2022 auf Bali hatte er laut Agenturberichten Herzprobleme, was Lawrow selbst dementierte und als Fälschung westlicher Medien zurückwies.

Putin-Mann Lawrow: Um ihn ranken etliche Legenden und Geschichten

Um Lawrows Arbeit als Außenminister ranken sich viele Legenden und Geschichten. 2016 beispielsweise dauerte in Genf eine Verhandlung zwischen Russland und den USA um ein Abkommen über den Syrien-Konflikt geschlagene 17 Stunden. Den wartenden Journalisten spendierte das US-Außenministerium Pizza. Da wollte die russische Seite nicht zurückstehen. „Pizza von der amerikanischen Delegation, Wodka von uns“, erklärte Lawrow den Pressevertretern die geopolitische Lage.

Was Lawrow kurz nach seinem Amtsantritt 2004 in einem Zeitungsartikel für den russischen „Kommersant“ und das amerikanische „Wall Street Journal“ über die zukünftige Außenpolitik seines Landes schrieb, das allerdings mutet heute an wie ein Blick in eine andere Zeit, in eine andere Welt. Schaffen wolle man „eine sicherere und gerechtere Weltordnung“. Dies sei nur durch gemeinsame Anstrengungen zu erreichen, so Lawrow damals. „Russland, die Vereinigten Staaten und die Länder der Europäischen Union verfolgen hierzu eine umfassende gemeinsame Agenda, die auf einer gemeinsamen Verantwortung für globale Sicherheit und Stabilität beruht.“