Offenbar soll der ehemalige südkoreanische Präsident Yoon Suk-Yeol den Plan geschmiedet haben, den Diktator von Nordkorea, Kim Jong-un, mit Drohnen zu provozieren – damit er im Süden das Kriegsrecht ausrufen kann. Hat der damalige südkoreanische Präsident eine Verschwörung orchestriert, die das Land an den Rand eines innerkoreanischen Konflikts brachte? Das legen Informationen von südkoreanischen Staatsanwälten nahe, die dem Sender CNN vorliegen. Demnach wollte Yoon auf diese Weise seine Macht sichern.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Am vergangenen Montag waren bislang unbekannte Notizen von der Staatsanwaltschaft in Südkorea veröffentlicht worden, die angebliche Pläne beinhalten: Demzufolge sollte die nordkoreanische Führung durch provokante Drohnenflüge über die Hauptstadt Pjöngjang aufgestachelt werden. Verdeckte Drohnen sollten demnach im Oktober nach Nordkorea entsandt werden.

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Staatskrise in Südkorea: Plante der Ex-Präsident Drohnenflüge, um Nordkorea zu provozieren?

Der autoritäre Machthaber Kim Jong-un sollte, so die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, durch die Luftraumverletzungen und das Abwerfen regimekritischer Flugblätter gezielt gereizt werden – und damit zu einer militärischen Reaktion bewegt werden. Diese Spannungen hätten dann als Vorwand genutzt werden können, um das Kriegsrecht in Südkorea zu verhängen. Yoon war den letzten Schritt im Dezember 2024 dann tatsächlich gegangen; er löste eine Staatskrise aus.

Laut Staatsanwaltschaft wurden auf dem Handy eines hochrangigen Verteidigungsbeamten unter anderem Notizen gefunden, die dieses Vorgehen nahelegen: Es soll angeblich Anweisungen zu „instabilen Situationen“ und gezielten Provokationen in Nordkorea an sensiblen Orten gegeben haben.

 Yoon Suk Yeol im Porträt
Südkoreas ehemaliger President Yoon Suk Yeol löste im Dezember 2024 eine Staatskrise aus. (Archivfoto)© AFP | JUNG YEON-JE

Staatsanwaltschaft in Südkorea legt Notizen offen: „Wir müssen eine instabile Situation schaffen“

Konkret hieß es der Staatsanwaltschaft zufolge in einem Vermerk vom 18. Oktober 2024: „Wir müssen eine einmalige Gelegenheit finden und nutzen, die kurzfristige Auswirkungen haben kann. Dazu müssen wir eine instabile Situation schaffen oder eine bereits entstandene Gelegenheit ergreifen.“

Darüber hinaus, so berichtet CNN, habe es in einer weiteren Notiz geheißen: „Wir zielen auf Orte ab, an denen Nordkorea so sehr an Gesicht verliert, dass es sich gezwungen sieht, zu reagieren.“ Zu den aufgeführten Orten gehörten die Hauptstadt, zwei Atomanlagen, Kims Ferienhäuser sowie Samjiyon und Wonsan.

„Feindliche Aktionen müssen Priorität haben“ – Notizen belasten Südkoreas Ex-Präsidenten

In einer späteren Notiz vom 5. November stand laut Staatsanwaltschaft: „Feindliche Aktionen müssen Priorität haben. Es muss eine Kriegssituation oder eine Situation herrschen, die von den Polizeikräften nicht kontrolliert werden kann. Schaffen Sie die Bedingungen für den Feind… wir müssen auf die entscheidende Gelegenheit warten.“

„Es war, als würde man Nordkorea ein Messer an den Hals halten“, sagte Kim Byung-joo, ein pensionierter General und heutiger Abgeordneter der oppositionellen Demokratischen Partei, dem Sender CNN. Er erklärt, Insider des südkoreanischen Militärs hätten ihm bestätigt, dass Drohnen an mehreren Tagen im Oktober und November 2024 über Pjöngjang kreisten. Die nordkoreanischen Staatsmedien zeigten damals Bilder abgestürzter Drohnen und veröffentlichten empörte Stellungnahmen, darunter von Kim Yo Jong, der Schwester des Machthabers.

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Eskalation in Südkorea im Dezember 2024: Damaliger Präsident verhängte Kriegsrecht

Kurz darauf kam es zur Eskalation in Südkorea: In einer nächtlichen Fernsehansprache verkündete Yoon das Kriegsrecht. Er begründete dies mit einer Gefahr durch „kommunistische Kräfte“ in der Opposition. Bilder von bewaffneten Soldaten, die den Parlamentssaal stürmen wollten, gingen um die Welt.

Der von Yoon getroffene Blitzbeschluss wurde innerhalb weniger Stunden von Parlamentariern wieder gekippt, Bürgerinnen und Bürger in Südkorea protestierten – Yoon wurde des Amtes enthoben. Seine Aktion sorgte nicht nur für Kritik, sondern auch für ein juristisches Nachspiel: Yoon und zwei seiner ehemaligen Verteidigungsbeamten stehen wegen mutmaßlichen Machtmissbrauchs und Gefährdung der staatlichen Sicherheit vor Gericht.