Diese Umfrage ist ein Weckruf für die Politik: Die Wähler plädieren mit großer Mehrheit für die Wehrpflicht – und mehr noch für eine allgemeine Dienstpflicht für Männer und Frauen. Das Koalitionsmodell für den freiwilligen Wehrdienst überzeugt indes nur die Hälfte der Bundesbürger. Und nun? Kurzfristig muss die Koalition nicht umsteuern, langfristig schon.

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#9 Lars Klingbeil über seinen Soldatenvater und das Sterben im Krieg
Meine schwerste Entscheidung
 

Sicher, für eine sofortige Wehrpflicht fehlen der Bundeswehr die Unterkünfte, die Ausbilder, das Material. Aber bei ihrer Planung unterschätzt die Koalition das Verantwortungsgefühl der Bürger: Auch bei den Jüngeren ist eine Mehrheit für einen verbindlichen Pflichtdienst. Das ist eine Riesenchance für die Gesellschaft. Statt nur für den Fall der Fälle auf die Rückkehr zur Wehrpflicht für Männer zu setzen, könnte es viel gerechter und gesellschaftlich sinnvoller sein, gleich eine Dienstpflicht für alle einzuführen.

Redaktionsvorstellung Hamburger Abendblatt / Bergedorfer Zeitung / ZRB
Christian Kerl, Politik-Korrespondent© HA | HA

Wehrpflicht: Gleiche Rechte und Pflichten für alle – für Männer und Frauen, für Deutsche und Nicht-Deutsche

Die überholte Ungleichbehandlung von Männern und Frauen wäre damit beendet. Gleiche Rechte und Pflichten könnten auch für Deutsche und Nicht-Deutsche gelten; von der Wehrpflicht des Grundgesetzes sind bisher nur Männer mit deutschem Pass erfasst. Warum sollten nicht künftig alle einen Dienst an der Gemeinschaft leisten, der integrierend wirkt? Bei der Bundeswehr, im Katastrophenschutz, in sozialen Einrichtungen. Die vernachlässigte Zivilverteidigung würde gestärkt.

Klar, problemlos ist diese Lösung nicht. Über vieles wäre zu diskutieren, auch über die betroffenen Altersgruppen. Noch scheint die Mehrheit für eine Verfassungsänderung kaum erreichbar. Aber das kann sich ändern. Die Zahl der Befürworter wächst. Damit die Debatte in Fahrt kommt, ist jetzt Mut gefragt zum großen Wurf.